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Landkreis Dillingen

10.07.2019

Es blüht, gedeiht und wächst auf den Feldern im Kreis Dillingen

Trotz abschüssigem Gelände gedeihen die Zuckerrüben von Klaus Beyrer gut. Seine Erosionsschutzmaßnahmen funktionieren. Er hat sie in den Mulch der Winter-Zwischenfrucht gesät.
Bild: Brigitte Bunk

Die Früchte auf den Feldern stehen im Landkreis Dillingen gut da. Bauern und Vermarkter hoffen auf gutes Wetter, um den Lohn für die Arbeit einfahren zu können.

Nachdem inzwischen die ersten Gerstenfelder abgedroschen sind, hat Klaus Beyrer am Montag zum Erntepressegespräch nach Baumgarten eingeladen. Der BBV-Kreisobmann sprach von „nicht ganz schlechten Ergebnissen“ und erwartet, dass die später gedroschene Gerste noch zulege. Auch der Weizen, Raps, Mais und die Zuckerrüben würden sich gut präsentieren. Beim Grünland herrschen aufgrund der Vorjahrestrockenheit noch Lücken, die nachgesät werden müssen, berichtet Michael Eberle aus Mörslingen. Unverständlich findet er: „Die Milchanlieferung ist unter dem Vorjahr, die Preise fallen trotzdem.“ Insgesamt fasste Beyrer zusammen: „Wir marschieren auf eine gute Ernte zu.“

Was der Bauernverband im Landkreis Dillingen kritisiert

Doch: „Es steht noch auf dem Feld, da kann viel passieren.“ Marktliche Verwerfungen erwarten die Landwirte aufgrund der Mercusor-Verträge. Der Welthandel sei politisch gewollt, so dürften aber mit Uruguay, Brasilien und Argentinien riesige Agrarländer ihre Ware zollfrei nach Europa einführen. Geschäftsführer Eugen Bayer warnte: „Wie dort produziert wird, interessiert zunächst keinen, während wir hier über Nachhaltigkeit und Pflanzenschutzmittel diskutieren.“

Die schützen vor Pilzen und einem Zuviel an Beikräutern, versorgen sie mit Stickstoff, Phosphor und Kalium. Bayer betonte: „Mittlerweile arbeiten die deutschen Landwirte hocheffizient, versorgen die Pflanze mit dem, was sie braucht. Nicht mehr, nicht weniger. Wir halten unsere Regeln ein.“

Bezüglich des Mercosur-Abkommens würde sich Beyrer wünschen, „dass die Kinder am Freitag auf die Straße gehen, das ist nichts Nachhaltiges, da wird wenig hinterfragt“ (Lesen Sie hier, was die Bauern im Landkreis stört: Handelsabkommen mit Südamerika macht Bauern Sorgen. Außerdem haben wir mit zwei Schülern in Wertingen über die Friday-for-Future-Proteste gesprochen).

Der Anteil der Bio-Lebensmittel steigt

Dass der Anteil an biologisch produzierter Ware auf 30 Prozent steige, wie beim Volksbegehren „Rettet die Bienen“ gefordert, sieht Bayer als nicht machbar an: „Das muss sich entwickeln, die Verbraucher müssen bereit sein, einen höheren Preis zu zahlen.“

Laut Vermarkter Georg Tausend aus Lauingen, der auch mit Bioware handelt, bestehe dazu nur wenig Nachfrage, das größere Angebot drücke zusätzlich auf die Preise. „Umstellungsware“ lasse sich gar nicht zu einem höheren Preis verkaufen. Wenn immer mehr Betriebe umstellen und durch den ökologischen Anbau weniger erzeugen, befürchtet Bayer: „Den Preis zahlen die Entwicklungsländer, weil weniger Ware auf dem Markt ist.“ Robert Fenis von Agro Donau-Ries zeigt sich beunruhigt, dass die Diskussionen immer mehr weg von der Sachlichkeit, hin zur Emotionalität gehen. „Heute gilt es, andere schlechtzumachen, um selbst besser dazustehen.“

Zur Bioware meinte er, dass es genügend Leute gebe, die es sich leisten könnten, diese zu kaufen, das aber trotzdem nicht tun. Magnus Mayer, Behördenleiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Wertingen sieht noch das Kriterium, ob die Käufer lediglich nach dem Bio-Siegel schauen oder gezielt nach Bioware aus Bayern.

Und da es sowieso inzwischen so wenige Landwirte gebe, sollten diese sich nicht noch gegenseitig ein schlechtes Gewissen einreden. Er fragte, ob die Landwirte durch die Randstreifen-Verordnung tatsächlich Auswirkungen hätten, woraufhin Jürgen Meitinger aus Bocksberg erklärte, dass dies einen doppelten Wertverlust darstelle: Der Bereich dürfe nicht genutzt werden, außerdem müsse der Landwirt die notwendige Fläche dazukaufen.

Beim Erntepressegespräch: (von links) Magnus Mayer (Behördenleiter AELF Wertingen), Michael Eberle, Michael Schuster, Robert Fenis, Georg Tausend, Michael Schmid, stellvertretende Kreisbäuerin Gabi Schmid, Kreisobmann Klaus Beyrer, stellvertretender Landrat Alfred Schneid, BBV-Kreisgeschäftsführer Eugen Bayer und Jürgen Meitinger.
Bild: Brigitte Bunk

Warum es risikoreich ist, auf Preissteigerungen zu warten

Michael Schuster von der Raiffeisenbank Aschberg riet, beim Verkauf der Ernte nicht auf spätere Preissteigerungen zu warten. „Wenn die Ware zurückgehalten wird, decken sich die Kunden überregional ein.“ Zum Beispiel mit Mais aus Rumänien. Konkrete Preise nannte er ebenso wenig wie Michael Schmid vom Bezirkslagerhaus Wertingen, der meinte: „Wenn Unwetter ausbleiben, bleibt der preisliche Rahmen wie jetzt.“

Stellvertretender Landrat Alfred Schneid stellte klar, dass nur derjenige versuchen könne, die Politik zu beeinflussen, der sich im vorpolitischen Raum engagiere: „Politiker reagieren auf die öffentliche Meinung, die sich im Mainstream gebildet hat.“ Deshalb sei es auch wichtig, die Zusammenhänge vom Kindergarten bis zur Universität verstärkt zu lehren.

Lesen Sie dazu auch: Wie veggie isst der Landkreis Dillingen?

Außerdem haben wir uns mit Bauern im Landkreis unterhalten, die auf ökologische Landwirtschaft umstellen. Wir haben sie gefragt: Warum fällt dem Landkreis Dillingen bio so schwer?

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