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Fest

27.08.2018

Exotisch und unverzichtbar

Josef Lang (links) und Erwin Mayer feiern das 30. Gründungsjahr ihres Heimatvereines Blindheim.
Bild: Simone Bronnhuber

Seit 30 Jahren gibt es den Heimatverein in Blindheim. Das wird gefeiert. Warum die Zahl acht so bedeutend ist

Josef Lang und Erwin Mayer erinnern sich gerne daran zurück. Damals, vor 30 Jahren, standen in ihrer Heimatgemeinde Blindheim alle Leute Kopf. Mehr noch. Der kleine Ort im Donautal war Anziehungspunkt für Menschen aus ganz Deutschland. Kameraleute, Journalisten und Schaulustige reisten ins beschauliche Blindheim – aber nur für diesen einen Tag. Den 8.8.1988. Denn: Die damalige Postleitzahl der Gemeinde Blindheim war ausgerechnet auch noch 8888. Es gab einen entsprechenden Sonderstempel, den Briefmarkensammler vermutlich bis heute vergöttern. „Da war was los. Das kann man sich gar nicht vorstellen“, sagt Mayer und lacht. Nicht nur die vielen Touristen oder Heiratswilligen werden diesen einen Tag vergessen. Auch die Dorfgemeinschaft nicht.

Denn so eine Veranstaltung gab es noch nie. Zudem war sie der Startschuss für einen Verein – den Heimatverein. Bis heute prägt der Verein das Dorfleben und ist nicht nur geografisch betrachtet der Ortsmittelpunkt. Am kommenden Wochenende feiert der Heimatverein seinen 30. Geburtstag mit einem Stadelfest und einem bunten Programm. Mit dabei sind auch Vorsitzender Erwin Mayer und Schatzmeister Josef Lang, der viele Jahre Zweiter Vorsitzender war. Lang sagt: „Wenn es das 88er-Fest nicht gegeben hätte, dann würde es den Verein heute nicht geben. Aber ohne Erwin Mayer wäre das Fest auch nicht zustande gekommen.“ Denn Mayer hat schon vor 30 Jahren leidenschaftlich für die Heimatgeschichte gearbeitet – bis heute. „Da bin ich daheim“, sagt er. Seit Gründung ist er der Erste Vorsitzende. „Wir hatten nach dem Fest damals solch eine große Resonanz, darum folgte im November die Vereinsgründung. 38 Personen waren dabei, heute sind es knapp 90 Mitglieder“, sagt Erwin Mayer. Und gemeinsam haben die Blindheimer in den vergangenen Jahren einiges auf die Beine gestellt.

Ein Höhepunkt war zehn Jahre nach der Gründung die Renovierung des Heimathauses mit Neubau des Rathauses. Ein paar Jahre später folgte die Errichtung der Remise. Dieses Ambiente im Dorfkern ist seither der Mittelpunkt – dort wird geheiratet, der Maibaum aufgestellt, werden Adventsmärkte ausgerichtet, Stadelfeste gefeiert, Sitzungen abgehalten oder Touristen Blindheims Geschichte näher gebracht. „Darauf sind wir schon ein wenig stolz. Vorher war es ein baufälliges Gebäude, heute ist es der Ortsmittelpunkt“, sagt Mayer. Dabei hätten vor allem der frühere Bürgermeister Wilhelm Gumpp und der damalige Landrat Anton Dietrich tatkräftig mitgewirkt – auch finanziell.

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Neben vielen verschiedenen volkskundlichen Ausstellungen, Teilnahmen an historischen Umzügen sowie der Erstellung einer Ortschronik und den jährlichen Stadelfesten bleiben Lang und Mayer vor allem auch die Festlichkeiten im Gedenkjahr 2004 rund um die Schlacht vom 13. August 1704 in Erinnerung. Mayer: „Das war ein Highlight in der Vereinsgeschichte.“

Nun wird am kommenden Wochenende, 1. und 2. September, wieder gefeiert – der 30. Geburtstag des Vereins. Ein wenig kleiner als vor fünf Jahren, dennoch mit einem besonderen Programm, wie die beiden erzählen. Denn: Es kommen vier Hufschmiede aus ganz Bayern und zeigen an beiden Tagen das alte Handwerk – mit Feuer und Pferd. Wer will, kann auch selbst zum Hammer greifen. „Das sieht man auch nicht mehr so oft“, sagt Erwin Mayer. Das Schauschmieden findet – wie das Stadelfest selbst – rund ums Heimathaus in Blindheim statt. Bei der Vorbereitung hatte Vorsitzender Mayer Unterstützung, rund 25 Leute braucht es für solch ein Fest. „Wir sind eine kleine, ehrenamtliche Angelegenheit. Aber wir sind ein Heimatschatz“, sagt er. Trotzdem plagen auch ihn Nachwuchssorgen, daraus mache er kein Geheimnis. „Unser Heimatverein ist ein exotischer Verein. Ich bin froh und dankbar, dass aber immer genügend Helfer da sind.“ Es fehle nur an Menschen, die auch eine Funktion im Verein übernehmen wollen würden. Menschen wie Josef Lang und Erwin Mayer.

Samstag, 1. September: ab 14 Uhr Kaffee und Kuchen, ab 17 Uhr Schmankerl vom Grill; Sonntag, 2. September: ab 11.30 Uhr Mittagstisch, anschließend Kaffee und Kuchen, Kinderprogramm am Nachmittag, zum Ausklang Schmankerl vom Grill. Am Sonntag ist das Heimathaus ab 13 Uhr geöffnet. Die Störnäherin Mathilde Feldengut zeigt ihr Können. Der Höhepunkt: An beiden Tagen findet ein Schauschmieden im Rahmen des Stadelfestes statt. Verschiedene Hufschmiede zeigen am Samstag ab 14 Uhr und am Sonntag ab 10 Uhr das alte Handwerk.

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