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Kulturtage

17.10.2017

Exotische Überraschung im Schlosskeller

Das Quintett „Concerto Latino“ in bester Spiellaune mitten in Ihrem Equipment im rustikalen Ambiente des Schlosskellers in Höchstädt.
Bild: Greck

Concerto Latino entfacht im Rahmen der Dillinger Kulturtage das Feuer der Liebe in Höchstädt.

Die Dillinger Kulturtage mit umfangreichem Programm neigen sich allmählich dem Ende zu, aber noch gibt es exotische Überraschungen. Dass in unserem eigenen rhythmisch eher mäßig temperierten Temperament doch so viele kleine „Latinos“ stecken, hat sich keiner so recht vorstellen können. Den erstaunlich mühelos spielerischen, musikalischen Beweis erbringt die aus dem Landkreis stammende Combo „Concerto Latino“. Etwas weniger glücklich gelingt zunächst Franz Heim am Kontrabass die Moderation – einerseits rein technisch mit dem Mikrofon, andererseits sind die Ansagen, die durch das Programm führen in schwäbisch alemannischer Mundfaulheit so knapp, dass die Titel der Stücke nicht leicht nachvollzogen werden können.

Sonja Lorenz an der Querflöte zaubert schon beim ersten klassischen Tango „Jalousie“ von Jacob Guard eine angenehme Brise auf die Bühne. Nach deutlichen perkussiven Schlägen rücken die Mitspieler nach. Das erkennbar heiße, auch gefährliche Feuer der Liebe, hier der Eifersucht, ist entfacht. Das Publikum rückt näher, sucht Wärme, wird beweglicher, ist sofort mit dabei. Schon nach wenigen Takten ist klar, hier sind ausgezeichnete Musiker, Solisten am Werk, die sich gegenseitig ergänzen und für sich allein jeweils eine tragende Rolle spielen. Das gilt so für das Multitalent Gerhard Kling als Perkussionist und Pianist. Mit Stöcken und, wo passend, erzeugt er nur mit Händen das solide rhythmische Fundament. Er trifft genau die Stellen auf den Fellen der Trommeln, den Brettern des Cajon, die die satten Töne bringen und in verschiedenen Höhen auch noch melodiös klingen.

Mit Druck gespielt wirken die Klangwellen wie massierende „Gravitationswellen“ auf Körper und Seele. So ähnlich spielt er auch das E-Piano. Für die tiefen Töne ist Franz Heim am Bass zuständig. So er das bundlose Griffbrett nicht benutzt, dient es auch als Schlagbrett. Besonders auffallend ist die Spielweise ohne Bogen. Die Greifhand trifft selbstverständlich die „richtigen Töne“, die mit Bendings versehen, in die Tonhöhen gleiten und die farbigen Intervalle der Blue Notes besonders deutlich hören lassen. An der mittig und crisp klingenden Konzert Gitarre sitzt Agata Englert. Sie sorgt mit den durchsetzungsstarken Soli für den unverwechselbaren spanischen Einfluss der Musikstücke. Ansonsten begleitet sie rhythmisch mit Akkorden.

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Christian Kempter ist der Leiter des Quintetts und entführt uns mit dem Xylofon in südamerikanische Klangwelten und lässt sich und alle von den Rhythmen des Tango nuevo, des Samba und Bossa Nova tragen. Er pflegt das Repertoire und macht auch die Arrangements der eigenen Interpretationen und im Besonderen des Crossover wie zum Beispiel den ungarischen Tanz im kubanischen Stil von Johannes Brahms. Mit dem Akkordeon bringt er uns assoziativ nach Frankreich.

Das begeisterte Publikum klatscht um zwei Zugaben. Die letzte ist derart melancholisch und wirkt in der Reprise des Konzertabends wie eine Offenbarung. Die knappen Ansagen sind der Schlüssel zur eigenen berechtigten Fantasie und Deutung.

Erst ein Blick in die Homepage der Gruppe verrät, dass es sich zunächst um „La vie en rose“ von Edith Piaf handelt, dass aber gesungen in mehreren Versionen vorliegt, zum Beispiel in Deutsch als „Schau mich bitte nicht so an“. Franz Heim übersetzt lapidar nur „la rose“, die Rose, alles grinst und staunt, wie einfach das geht.

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