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Ernährung

02.06.2015

Frei Schnauze und rein pflanzlich

Petra Canan (links) und Heidi Terpoorten haben zusammen schon zwei Kochbücher über vegane Küche geschrieben. Momentan arbeiten sie an einem neuen Buch.
Bild: Terpooten

Mehrere vegane Kochbücher haben Heidi Terpoorten und Petra Canan schon geschrieben. Warum vegan für sie kein Verzicht ist und was man immer im Haus haben sollte.

 Was haben sie damals probiert, gekocht, wieder verworfen. Neue Ideen ausgetüftelt, wieder den Spätzlehobel gezückt. Ja, sagt Petra Canan, bis das Rezept für die veganen Spätzle endlich stand, sei es ein steiniger Weg gewesen. „Aber unser erstes Kochbuch ohne ein Spätzlerezept – das ging natürlich nicht.“ Schließlich sind Petra Canan und Heidi Terpoorten waschechte Schwäbinnen. Auch wenn erstere schon seit einiger Zeit mit ihrer Familie in der Türkei wohnt. Dort bekamen die Straßenhunde in der Entwicklungsphase einige Ladungen verunglückter Spätzle. Bis Petra Canan im Schlaf die Idee hatte, wie es auch ohne Ei funktionieren könnte. Es klappte. „Jetzt merkt man keinen Unterschied mehr zu Spätzle mit richtigem Ei“, sagt sie.

Zum veganen Kochen kam die 42-Jährige, die aus Oberbechingen stammt, durch Heidi Terpoorten aus Binswangen. Über ein Kochforum im Internet lernten sie sich kennen. Sie einte die Leidenschaft für Essen und Kochen und für die Küchenmaschine Thermomix. Dass sie auch aus demselben Landkreis kommen, fanden sie erst später heraus. Nachdem Petra Canan schon zwei Kochbücher zu türkischer Küche herausgebracht hatte, planten die beiden schließlich ihr erstes gemeinsames Projekt. „Bei mir zu Hause stapelten sich die Zettel mit Rezepten, die ich vegan und für den Thermomix umgewandelt hatte“, sagt Heidi Terpoorten. Der Plan war einfach: Heidi Terpoorten sollte im Landkreis Dillingen die Rezepte entwickeln, Petra Canan das Kochbuch managen. Nach und nach begann aber auch sie in Antalya immer mehr vegan zu kochen und zu probieren. Und fand Gefallen daran. „Gefehlt hat mir am Anfang nur die Milch im Kaffee“, erzählt sie. Das hat sich aber schon lange gelegt. „Heute bin ich süchtig nach Bananensojamilch. Richtige Milch kann ich schon gar nicht mehr riechen.“

Heidi Terpoorten, die vor drei Jahren im Türkeiurlaub zwischen Döner, Köfte und Lahmacun den tierischen Lebensmitteln endgültig den Rücken kehrte, als sie das Buch „Peace Food“ las, fiel zu Beginn der Verzicht auf das Frühstücksei am schwersten. Noch heute empfinde sie den Geruch von Grillhähnchen als angenehm. „Schließlich bin ich damit aufgewachsen. Aber wenn ich nur kurz an die Lebensbedingungen dieser Tiere denke, dann macht es bei mir sofort Klick.“ Ein Tier oder etwas Tierisches zu essen, das ginge heute gar nicht mehr.

Frei Schnauze und rein pflanzlich

Dass veganes Essen keinesfalls Verzicht bedeuten muss, das wollen die beiden mit ihren Büchern zeigen. Zwei sind es mittlerweile, das dritte ist gerade in Planung. Daneben haben sie einen eigenen Blog unter www.tierfreischnauze.de., in dem sie erklären, wie man schnell und lecker vegan kocht – auch ohne Thermomix. Dafür müsse man vor allem wissen, wie man bestimmte Dinge richtig ersetzt. Dann, sagen die beiden Freundinnen, sei das Kochen auch nicht aufwendiger als sonst. Ein paar Sachen sollten aber immer im Haus sein. Vegane Margarine, Hefeflocken, die den Geschmack von Käse nachahmen, Lupinen-, Pfeilwurzel- oder Sojamehl als Ei-Ersatz. „Und wir brauchen viele Nüsse, vor allem Cashew.“ Hülsenfrüchte wie Linsen oder Kichererbsen stehen bei den beiden daneben hoch im Kurs. Sie liefern Eiweiß und bilden die Basis für das Lieblingsgericht von Petra Canan: Linsenbolognese. Heidi Terpoorten bevorzugt die Sojavariante. Die haben sie mittlerweile so verfeinert, dass Freunde, die nicht vegan leben, den Unterschied gar nicht mehr erkennen können.

Das, sagt Heidi Terpoorten, komme immer wieder vor. Erst kürzlich hat sie ein Rezept für veganes Apfel-Zwiebel-Schmalz entwickelt (siehe Infokasten). „Den hat meine Mutter probiert und gesagt: Da hast du jetzt aber beschissen. Da ist doch Schweinefett drin.“ Ihre Mutter sei es auch gewesen, die nach der Umstellung auf veganes Essen immer mal wieder gefragt habe, ob sie denn immer noch „diese Diät“ mache. „In meinem Umfeld haben das anfangs viele als Spinnerei abgetan.“

Doch nach und nach hätten auch sie erkannt, dass es ihr dadurch auch gesundheitlich viel besser gehe. Das kann auch Petra Canan bestätigen. „Man ist einfach nicht mehr so träge“, sagt sie. Und das hören sie immer wieder auch von denen, die ihre Rezepte ausprobieren. Über den Blog und über Facebook sind sie mit ihnen vernetzt. Die wenigsten von denen, die ihre Bücher gekauft haben, sind reine Veganer. „Viele möchten einfach eine leckere Alternative zu Fleisch“, sagt Heidi Terpoorten. Sie freut sich über jede Fleischmahlzeit, die gegen eine vegane ersetzt wird, und wirbt damit auch im privaten Umfeld. „Aber man kann nicht gegen Fleischkonsum schimpfen und dann nicht sagen, wie es auch anders gehen kann“, so die 49-Jährige. Auch deshalb tüfteln sie weiter an neuen Rezepten. Selbst wenn Tausende von Kilometern zwischen ihnen liegen. Es eint sie die Leidenschaft für veganes, gutes Essen.

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