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Dillingen

19.07.2019

Fridays for Future: So lief die Klima-Demo in Dillingen

Rund 100 Demonstranten, darunter vor allem Jugendliche, zogen am Freitagnachmittag im Rahmen von „Fridays for Future“ durch die Dillinger Innenstadt. Sie forderten mehr Klimaschutz, unter anderem durch einen schnellen Ausstieg aus der Kohleenergie.
Bild: Andreas Schopf

100 Aktivisten, darunter vor allem Jugendliche, demonstrieren in Dillingen für mehr Klimaschutz. Insgesamt ist der Zuspruch geringer als gedacht.

Die Klima-Demo „Fridays for Future“ hat Dillingen erreicht. Am Freitagnachmittag zogen rund 100 Menschen, unter ihnen vornehmlich Jugendliche, durch die Innenstadt und demonstrierten für mehr Klimaschutz. Initiiert hat den Protestzug der 18-jährige Höchstädter Niklas Zöschinger, der zuvor bereits in Wertingen „Fridays for Future“ ins Leben gerufen hatte.

Das Motto lautet: "Werdet zu Helden eurer Enkel"

In Dillingen versammeln sich die Teilnehmer zunächst vor dem Stadtsaal. Die Organisatoren geben das Motto aus: „Werdet zu Helden eurer Enkel.“ Philipp Kaltenegger (SPD), Unterstützer der Demo, ruft über ein Mikrofon der Menge an jungen Klimaaktivisten zu: „Lasst euch nicht einreden, dass ihr eh nichts ändern könnt.“ Heidi Terpoorten (Grüne) appelliert: „Geht weiter auf die Straße und zeigt, dass es euch nicht egal ist, was mit der Welt passiert.“

Dann zieht der Klima-Zug durch Dillingen. Vom Stadtsaal über die Rosenstraße, die Kapuzinerstraße, die Königstraße, die Kardinal-von-Waldburg-Straße, die Prälat-Hummel-Straße und die Regens-Wagner-Straße zurück zum Stadtsaal. Dabei skandieren die Teilnehmer immer wieder „Kohlestopp – hopp, hopp, hopp“ oder den Satz: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut.“ Auch Trillerpfeifen und Ratschen schallen durch die Straßen, die zum Teil durch die Polizei abgesperrt werden. Viele Menschen am Straßenrand schauen auf, drehen sich um oder machen Fotos. Manche winken solidarisch, manche schauen kritisch.

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Fridays for Future in Dillingen: Schüler demonstrieren für Klimaschutz

Einige der jungen Demonstranten halten Schilder hoch. So auch Leonie Herdin aus Dillingen. Die 17-jährige Schülerin des Sailer-Gymnasiums hat ein Plakat in der Hand, auf dem steht: „Eure Kinder können Schnee noch erleben. Doch was ist mit unseren Kindern?“ Sie finde es wichtig, gemeinsam auf die Straße zu gehen, um etwas zu erreichen. „Jetzt haben wir noch die Chance zu handeln“, sagt Herdin. Sie und ihre Freundin seien zuvor bereits bei „Fridays for Future“ in Augsburg und München gewesen.

Beim Klima-Zug in Dillingen sind auch Marie Jaumann aus Blindheim und Lenja Friese aus Finningen dabei, beide 13 Jahre alt. Sie haben ein Schild dabei, auf dem übersetzt steht: „Es ist nur ein Strohhalm – sagten 7,6 Milliarden Menschen.“ Lenja Friese sagt: „Wenn jeder nur einen kleinen Beitrag leisten und etwa seinen Plastik-Verbrauch senken würde, könnten wir sehr viel bewegen, auch im Landkreis Dillingen.“ Ihre Mitstreiterin Marie Jaumann sagt: „Wenn jeder denkt, dass er eh nichts erreicht, geht nichts voran.“

Unter den Aktivisten befinden sich nicht nur Jugendliche, sondern auch kleine Kinder, Erwachsene und Senioren. Auch Lehrer sind dabei. Eine ältere Frau sagt: „Die Demo kommt sehr spät nach Dillingen.“ Es sei aus Sicht des Klimaschutzes „fünf nach zwölf“, man müsse dringend etwas tun, sagt die Frau aus einem Dorf im Landkreis Dillingen. Ihren Namen will sie nicht in der Zeitung lesen. „Im ländlichen Bereich ist es schwierig, das Thema Klimaschutz anzusprechen, die Menschen sind konservativer. Viele halten von dieser Diskussion nicht viel“, bedauert die Frau.

Auch ältere Generationen sind dabei

Auch ein anderes, älteres Ehepaar aus dem Landkreis, das die Demonstration begleitet, möchte lieber anonym bleiben. Die Probleme, die die junge Generation auf die Straße bringt, seien in den 70er-Jahren bereits absehbar gewesen, erinnert sich der Mann. „Aber obwohl man es gewusst hat, ist in der Vergangenheit vieles versäumt worden.“ Woran lag das? Die Frau erklärt: „Man hat so etwas einfach nicht hören wollen. Für eine Demo wie hier wäre man früher belächelt und beschimpft worden.“ Nun sei Solidarität gefragt – generationsübergreifend. Die Anzahl der Demo-Teilnehmer in Dillingen habe die beiden jedoch enttäuscht. „Es gibt offenbar immer noch genügend Menschen, die die Probleme ignorieren.“ Auch Organisator Niklas Zöschinger gibt zu, dass man mit etwas mehr Zuspruch gerechnet habe. Ein Faktor könnte das Wetter gewesen sein – die Demo war immer wieder begleitet von Regenschauern. Aber auch so ist Zöschinger zufrieden. Als die Demonstranten wieder am Stadtsaal ankommen, ruft er ihnen zu: „Wir haben ein Zeichen gesetzt.“

Anschließend ziehen manche Teilnehmer noch weiter in den Taxispark – zum Müllsammeln. Die Klima-Demo soll sich laut Zöschinger in Dillingen etablieren und zukünftig im Wechsel mit Wertingen dort stattfinden.

Lesen Sie hier mehr zu "Fridays for Future" im Landkreis Dillingen:

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