Die Sitzung des Gundelfinger Stadtrats in der Brenzhalle ist aus mehreren Gründen außergewöhnlich. Wegen der Corona-Pandemie sitzen die 20 Räte und Bürgermeisterin Miriam Gruß in gehörigem Abstand voneinander an den Tischen. Und die etwa 30 Hörer sind fast auf die ganze Halle verteilt. Sie verfolgen eine historische Sitzung, denn am Donnerstagabend verabschieden sich sieben von 20 Stadträten.
Gundelfingens Entwicklung über Jahrzehnte geprägt
Die meisten von ihnen haben Gundelfingens Entwicklung über Jahrzehnte hinweg geprägt. Spitzenreiter ist dabei Siegfried Wölz, der sich 54 Jahre lang im Rat engagiert hat.
Kein Händedruck und kein Schulterklopfen
Die Verabschiedung ist emotional, wegen Corona aber distanziert. Es gibt herzliche Worte des Dankes, aber keinen Händedruck und kein Schulterklopfen. „Das ist ein besonderer Moment für uns alle“, sagt Bürgermeisterin Gruß. Sie dankt den Stadträten „im Namen aller Bürgerinnen und Bürger der Stadt“. Die Zusammenarbeit im Kommunalparlament sei gut und konstruktiv gewesen, das Miteinander im Stadtrat zeichne die Gärtnerstadt aus. Gundelfingen gehe nun mit dem Ausscheiden von sieben verdienten Stadträten ein ungeheueres Maß an „Engagement, Sachwissen und Erfahrung“ verloren. Danach verabschiedet die Rathauschefin unter der Würdigung ihrer Verdienste Werner Böswald (FDP, 30 Jahre im Stadtrat), Franz Kopp (22 Jahre im Stadtrat, 16 Jahre lang FW-Fraktionschef), Zweiten Bürgermeister Viktor Merenda (SPD, 30 Jahre Stadtrat, seit 2002 Vize-Bürgermeister), Sebastian Schaarschmidt (SPD, sechs Jahre Stadtrat), Werner Wittmann (FW, seit 2002, Dritter Bürgermeister), Michael Wohlhüter (CSU, seit 2014 im Stadtrat) und Siegfried Wölz (SPD, seit 1966 Ratsmitglied, unter anderem Fraktionschef). Gruß sagt zu Wölz: „Ich verneige mich vor Dir und vor Deinem Engagement für diese Stadt.“
Merenda: Die Arbeit war für mich eine Ehre
Zweiter Bürgermeister Viktor Merenda blickt auf die vergangenen drei Jahrzehnte zurück. „Die Arbeit im Stadtrat war für mich eine große Ehre, ich hab das gerne gemacht“, sagt der SPD-Politiker. Seine letzte Sitzung als Stadtrat habe er sich natürlich anders vorgestellt. Die Zusammenarbeit mit den drei Bürgermeistern Peter Schweizer, Franz Kukla und Miriam Gruß sei sehr harmonisch gewesen. Merenda hat in den vergangenen drei Jahrzehnten festgestellt, „dass Entscheidungen immer schwieriger wurden“. Dritter Bürgermeister Werner Wittmann sagt, dass er einst Sozialkunde studiert hat. Die kommunalpolitischen Zusammenhänge habe er erst durch seine Arbeit im Stadtrat richtig kennengelernt. Auch Werner Böswald verabschiedet sich mit einer Wortmeldung. Er sei zwar immer als Einzelkämpfer unterwegs gewesen. Dennoch habe es ihn gefreut, dass er zu Fraktionssitzungen eingeladen wurde. Am Ende spenden Stadträte den ausscheidenden Kollegen Beifall, ebenso die Zuhörer. Die langjährigen Räte sollen später noch einmal gebührend verabschiedet werden.
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