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Urlaub daheim

28.08.2018

Im Landkreis Dillingen daheim, die Welt zu Gast

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2 Bilder
Christine Zeller hat zusammen mit ihrem Mann zwei Häuser in Lauingen erworben, die sie vermieten.
Bild: Jonas Voss

Touristen von überall her kommen auch über die Plattform Airbnb in die Region. Zwei Vermieterinnen aus Lauingen und Oberglauheim erzählen.

„Urlaub daheim“, so heißt die Serie im Lokalteil unserer Zeitung. Der Landkreis Dillingen hat für Erholungssuchende einiges zu bieten. Heute geht es um den Ferienwohnungs-Vermittler Airbnb (Abkürzung für Luftmatratze - Airbed - und Frühstück – Breakfast).

Bei Christine und Alfred Blank in Oberglauheim bewohnen Touristen eine Zwei-Zimmer-Wohnung im ersten Stock. Mit Holzbalkon und Blick in den großen Garten der Vermieter. Das Ehepaar ist erst vor kurzer Zeit in den Landkreis gezogen. Da im Haus keine Kinder mehr wohnen, stand das obere Stockwerk leer. „Unser Sohn reist selbst viel mit Airbnb“, sagt Christine Blank. Er habe die Eltern auf die Idee gebracht, im ersten Stock eine Wohnung einzurichten und über die Plattform als Ferienwohnung zu vermarkten. „Nach drei Tagen hatten wir die ersten Gäste“, erinnert sich die Ehefrau. „Und 2017 waren wir fast den ganzen Sommer ausgebucht“, ergänzt ihr Mann. In der hellen Ferienwohnung finden Gäste eine vollständig eingerichtete Wohnküche, ein Schlafzimmer mit drei Betten und ein zweites großes Zimmer samt Fernseher vor. Blank hat zahlreiche alte Spielsachen in der Wohnung platziert – von Teddybären, über Brettspiele bis hin zu Büchern. So können sich die Gäste auch bei schlechtem Wetter die Zeit vertreiben. „Zu uns kommen Menschen aus der ganzen Welt“, sagt Alfred Blank.

Die Blanks reisen selbst nicht mehr, freuen sich aber über Reisende

Die Blanks selbst reisen nicht mehr – zu viel Stress – und freuen sich daher, durch ihre Gäste mit fremden Kulturen in Kontakt zu kommen. Mit ihren Besuchern machen sie nur gute Erfahrungen. Lediglich der Check-In der Reisenden könne manchmal anstrengend sein, sagt Christine Blank. Wenn sich die Gäste verspäten, was bei langen Anfahrten ja durchaus vorkommen könne, bleibe sie bis tief in die Nacht wach, um sie begrüßen zu können. Neben einer kleinen Aufmerksamkeit übergebe sie den Touristen vorgefertigte Unterlagen mit den wichtigsten Informationen zu ihrem Urlaub. Einkaufsmöglichkeiten, Radwege, Kultur und Sehenswürdigkeiten hat Blank dort verzeichnet. „Das Legoland ist der Hauptgrund für viele unserer Gäste, hierher zu kommen“, sagt sie.

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Der Vorteil von Airbnb: Vertrautheit

Daneben gebe es zahlreiche Fahrrad-Touristen und auch einige, die sich die Altstädte der Region anschauen. Länger als zwei Nächte bleibt laut Christine Blank kaum jemand. Oft bringen die Urlauber selbst kleine Geschenke mit – das freut das Ehepaar jedes Mal besonders. Ebenso der Umstand, dass so mancher Gast erneut kommen möchte. Die Blanks sind gerne Gastgeber, auch wenn das bedeutet, alle paar Tage die Wohnung blitzblank zu putzen. Sie bemühen sich um den persönlichen Kontakt, sagt Alfred Blank. „Über Airbnb ist das Ganze vertrauter und entspannter“, sagt Christine Blank. Da kaufen amerikanische Touristinnen auch einmal selbsthergestellte Töpferware ab. Auch die Nachbarn haben noch nie ein Problem mit den Gästen gehabt – und man solle nicht vergessen, Touristen bringen Geld in die Region.

Laut Angelika Tittl vom Tourismus-Verein Donautal-Aktiv meldete das Statistische Landesamt im ersten Halbjahr 2017 rund 45000 Gästeankünfte und 114000 Übernachtungen im Landkreis. Und seit einiger Zeit haben die Besucher nicht nur die Wahl zwischen Hotel, Campingplatz oder Ferienpension – über die US-amerikanische Plattform Airbnb finden sich in der Region mehr und mehr Ferienwohnungen. Während Städte beginnen, gegen den US-Internetriesen vorzugehen, wie das Handelsblatt vor Kurzem berichtete, wächst das Unternehmen weiterhin. Laut Handelsblatt sind nun fast fünf Millionen Unterkünfte in über 190 Ländern über die Plattform buchbar; und seit einiger Zeit auch in der Donau-Ried-Region. Die Gäste haben dabei eine breite Auswahl: von einzelnen Zimmern, Tür an Tür mit dem Vermieter, bis hin zu ganzen Ferienhäusern.

Ein Schmuckkästle in den verwinkelten Gassen Lauingens

In Lauingen gibt es zahlreiche alte Häuser, die sich in die verwinkelten Gassen der Altstadt ducken. Zwei dieser Häuser haben einen besonderen Namen – „Obas Heisle“ und „Omas Schmuckkästle“. Es sind Ferienhäuser, vermietet vom Ehepaar Zeller. Christine Zeller hat zehn Kinder und elf Enkel. Weil die nicht alle in der Umgebung wohnen, waren Familienbesuche immer eine Platzfrage. Als sich den Eheleuten die Möglichkeit bot, die beiden Häuser günstig zu erwerben, schlugen sie zu. Anschließend renovierte Zeller die beiden Häuser eigenhändig. Kaum etwas überließ sie fremden Händen. Sie verlegte Fliesen, erhöhte die Decken im gesamten Haus, riss Mauern ein, wandelte alte Möbel in neue um und machte aus Gebrauchsgegenständen Accessoires für das „Schmuckkästle“. So thront heute eine freistehende Badewanne mit Löwenfüßen im modern eingerichteten Bad, das Wohnzimmer ist mit Möbeln aus Epochen der vergangenen Jahrhunderte eingerichtet. Wenn sie etwas nicht selbst anpacken konnte, haben ihr die Nachbarn geholfen. Oder die Video-Plattform Youtube, auf der es Anleitungen für alles gibt. Auch die Kinder haben immer mal wieder mit angepackt. Für Zeller gibt es am Haus immer etwas zu tun, aktuell baut sie den Dachboden aus. Dafür durchstöbert sie gerne diverse Internet-Plattformen, immer auf der Suche nach ausgefallenen Möbeln oder einem anderen Schnäppchen, welches sie weiterverarbeiten kann.

Christine Blank vermietet in Oberglauheim zusammen mit ihrem Mann die Einliegerwohnung in ihrem Haus. 
Bild: Jonas Voss

Für kinderreiche Familien gibt es Rabatte

Seit September 2017 steht das Haus für Gäste offen. „Wir haben viele Menschen, die hier einen Zwischenstopp während ihrer Rundtour durch Deutschland einlegen“, erzählt sie. Dazu kommen Handwerker auf Montage, gerade in der Nebensaison. Dadurch ist das Haus auch im Winter gebucht. „Wir hatten hier für fünf Wochen einen Ingenieur, der das gesamte Haus gemietet hatte. Der hat das Haus am Schluss selbst blitzblank geputzt“, sagt Zeller. Eines von vielen Erlebnissen mit ihren Gästen, die ihr im Gedächtnis bleiben. Dazu tragen die Gastgeschenke bei, die so mancher Gast mitbringt.

„Die meisten Besucher kommen wegen dem Legoland oder der Romantischen Straße.“ Zwischen ihr und der Hotellerie vor Ort bestehe keine Konkurrenz, vielmehr vermittele man sich bei Platzmangel auch mal gegenseitig einen Gast. Bis aus Afrika und Ostasien reisen die Menschen nach Lauingen. Das „Schmuckkästle“ kann nicht nur im Ganzen gemietet werden, Zeller vergibt auch Einzelzimmer. „Ab dem dritten Kind sind die Übernachtungen umsonst“, sagt Zeller. Schließlich wisse sie selbst, wie teuer ein Urlaub mit der Großfamilie ist. Eine dauerhafte Vermietung als Wohnhaus komme für sie nicht infrage, sagt Zeller. Dafür gebe ihr der Kontakt mit neuen Menschen zu viel, auch wenn es manchmal eine Herausforderung sei. Und im Haus warte noch die eine oder andere Aufgabe auf sie: Eine Weinstube im Gewölbekeller… – Ideen hat Zeller genug.

Im Rahmen unserer Serie "Urlaub daheim" sind bisher erschienen:

Urlaub auf dem Bauernhof: Mödingen: melken toppt schaukeln
Ferienwohnungen: Wo schlafen die Touristen im Landkreis Dillingen?
Camping: Was Camper nach Dillingen lockt

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