Newsticker
EMA gibt grünes Licht für Johnson-Impfstoff
  1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. In Binswangen findet das Dorfleben in Containern statt

Gastronomie 

28.12.2018

In Binswangen findet das Dorfleben in Containern statt

Seit über zwei Jahren betreiben Günther und Martina Kraus neben ihren normalen Berufen das „Interconti“.
Foto: Millauer

Das „Interconti“ ist seit zwei Jahren eine Anlaufstelle für die Bürger in Binswangen. Wie das Projekt entstanden ist?

Alles begann mit einem Männerausflug nach Rumänien. Kurze Zeit später stehen in einer Seitengasse an der Hauptstraße in Binswangen zwei Container. Bilder des Dorfs hängen an den Wänden, im Nebenraum ist eine kleine Küche. Der hohe, aber schmale Kühlschrank ist mit Bier, Weizen, Apfelschorle und Cola gefüllt. Seit Günther Kraus’ Männerausflug nach Rumänien ist das „Interconti“ die neue Anlaufstelle in Binswangen. Vor fast drei Jahren, im Mai 2016, war das. Einer seiner Kumpels macht ihm damals einen Vorschlag – er besitzt bereits einen Container im Dorf. Er fragt ihn, ob er sie nicht übernehmen und eine kleine Kneipe daraus machen wolle.

Im Musikverein vor 25 Jahren kennengelernt

„Spinnst jetzt?“, ist Kraus’ erste Reaktion. Erfahrung in der Gastronomie hat Kraus da noch keine – nur im Musikverein ist er auch Vereinswirt. Hier kocht er gut-bürgerliche Speisen, alle sind stets zufrieden. Auch seine Frau Martina kommt eigentlich aus einer ganz anderen Branche, sie arbeitet im Vertrieb. Kennengelernt haben sich die beiden vor 25 Jahren im Musikverein. (Lesen Sie auch: Im Musikverein seit 60 Jahren aktiv) Als er, gebürtiger Binswanger , ihr von dem Vorschlag erzählt, habe sie erst einmal zwei Nächte drüber schlafen müssen, erzählt sie.

Zwei Nächte später willigt sie ein. Doch die Arbeit geht erst richtig los – die Container stehen schon parat, eine Kühltheke ist bereits installiert. Doch Stühle, Tische, Deko, Kühlschrank müssen her. All das kauft das Ehepaar in Vorleistung selbst. Die Eckbanken schnitzt der gelernte Schreiner Kraus selbst. An den kahlen Containerwänden bringen sie Holzplatten an. „Das sieht gleich viel wohnlicher aus“, sagt Kraus. Freunde und Bekannte aus dem Dorf greifen ihnen unter die Arme, damit bei der Eröffnung alles glatt geht. Doch die fällt erst einmal gehörig ins Wasser.

130 Binswanger sind gekommen

Eine halbe Stunde bevor das Ehepaar die Türen zum Container erstmals öffnen will, öffnet der Himmel seine Schleusen. Strömender Regen setzt den Container unter Wasser, die Feuerwehr muss anrücken und rund zwanzig Zentimeter hohes Wasser abpumpen. Später treffen sich dennoch 130 Binswanger im Container. „Da habe ich mir gedacht: Dia Binswanger halten ja wirklich zam’“, sagt Kraus mit einem Lächeln. (Lesen Sie auch: „La Bohème“ in Binswangen)

Der Zusammenhalt, das ist es, was der Container bewirkt. Treffpunkt für Jung und Alt sei er, sagen beide übereinstimmend. Kraus erzählt davon, wie sich ein Zwölfjähriger zu Senioren an den Tisch sitzt und mit ihnen plaudert, von den „Rollatordamen“, die sich jeden zweiten Sonntag zu Kaffee und Kuchen treffen oder von den Mitgliedern verschiedener Binswanger Vereine, die sich hier austauschen. Schon kurze Zeit nach der Eröffnung läuft der Container so gut, dass sie einen zweiten anbauen. Jeweils eine Wand wird herausgenommen und beide Container zusammengefügt – so entsteht schließlich der Name „Interconti“. Vor der Eingangstür gestalten sie einen Biergarten. Im Sommer ist der eine Anlaufstelle für Radfahrer. Vielleicht bis aus Rumänien?

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren