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Höchstädt

21.05.2019

Jetzt geht es der Höchstädter Schadpflanze an die Wurzel

So sieht die Carolina-Haarnixe aus.
Bild: Zehm

Plus Die Carolina-Haarnixe ist millionenfach in Höchstädter Seen. Sie muss raus. Jetzt hat es ein Taucher versucht.

Blubb. Ein paar Luftblasen ploppen auf der Wasseroberfläche auf, dann ist wieder Stille. Nur der starke Regen, der ohne Gnade herunterprasselt, ist zu hören. Die Anspannung ist schier greifbar. Was findet der Taucher? Was ist auf dem Grund des Sees zu sehen?

Am Ufer stehen Fischer, Botaniker und Kameramann. In einem weißen Lieferwagen sind das Equipment der Berufstaucher und die Sauerstoffzufuhr untergebracht. Plötzlich werden die Blubberblasen stärker, der Mann taucht wieder auf. Alle starren auf die linke Hand des Tauchers. Denn da ist sie. So sieht sie aus. Er hat sie gefunden. Gleich beim ersten Versuch. Die Carolina-Haarnixe. Eine Schadpflanze, die millionenfach in mittlerweile vier Höchstädter Gewässern vor zwei Jahren bei einer Routine-Untersuchung entdeckt worden ist. Am Dienstag fand der erste Bekämpfungsversuch statt. Mit einem Taucher einer professionellen Firma aus der Oberpfalz, die bis dato unter anderem in Klärwerken tauchte. Nun in Höchstädter Seen.

Am Dienstag hat ein Berufstaucher, den das Landesamt für Umwelt in Augsburg organisiert hatte, in drei Höchstädter Seen die Carolina-Haarnixe gesucht – und gefunden. „Gejätet“ werden, wie geplant, kann die Schadpflanze aber nicht.
Bild: Simone Bronnhuber

Andreas Zehm schaut die Pflanze, die gerade aus dem Wasser gezogen wurde, genau an. „Erstaunlich“, sagt er und fügt hinzu: „Man sieht: Die Literatur war leicht idealistisch.“ Der Botaniker am Landesamt für Umwelt in Augsburg beschäftigt sich seit mehr als einem Jahr intensiv mit der Haarnixe, die auch Cabomba genannt wird. Vor allem mit deren Ökologie und Bekämpfung.

Eine Aquariumspflanze, die nur schwer zu bekämpfen ist

Denn, wie berichtet, ist die Wasserpflanze eine typische Aquariumspflanze. Die Pflanze ist zwar nicht giftig, aber dort, wo sie wächst, wächst langfristig nichts anderes mehr. Und in den betroffenen Weihern in Höchstädt kommt die Schadpflanze millionenfach vor, das wird am Dienstag nach dem ersten Tauchgang deutlich. „Sie stehen dicht an dicht. Ein richtiger Filz. Da kommen wir so nicht weiter“, sagt Zehm. Da in Europa bislang erst eine erfolgreiche Bekämpfungsmaßnahme stattfand, gebe es kein Patentrezept dafür, wie man der grünen Schadpflanze Herr wird.

Deshalb war eine Idee des Botanikers: unter Wasser jäten. Bevor der Taucher einen ersten Versuch startet, wird er von Andreas Zehm eingewiesen, die Haarnixe wird dem Mann in dem schwarzen Neoprenanzug genau beschrieben. Und der Taucher findet sie – in allen drei Gewässern, in denen am Dienstag Stichproben genommen werden. Ein paar Büschel reist er aus und bringt sie mit an Land. Jäten? Unmöglich, der Mann hinter der Glasscheibe schüttelt vehement mit dem Kopf. Zu viel Schlamm, zu viele Pflanzen. „Ich habe es befürchtet“, sagt Fachmann Zehm.

Im Sommer ragt die Schadpflanze sogar aus dem Wasser

Claudia Rösler beobachtet die Aktion gemeinsam mit zwei weiteren Mitgliedern des Fischervereins Höchstädt vom Ufer aus. Seit unzähligen Jahren sei die Pflanze schon in den Seen. An manchen Stellen mache das Befischen keinen Spaß mehr, teils reiße die Angelschnur, weil die Haarnixe so dicht stehe. Im Sommer ragen die Spitzen der Pflanze sogar aus dem Wasser heraus, sagt Rösler. An einem See mehr, am anderen weniger. „Ich bin gespannt, wie sie die Pflanze rausholen wollen. Es geht ja schon so lange. Das Jäten nicht klappt, dachten wir uns schon“, sagt Rösler.

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Der Versuch, die Haarnixe zu bekämpfen
Bild: Simone Bronnhuber

Kann ein Saugroboter helfen? Oder doch besser Karpfen?

Aber was dann? Möglicherweise könnte das Einsetzen von Karpfen helfen. Die Fische gehen an den Boden, wirbeln Material so auf, dass die Pflanzen im trüben Gewässer absterben. So die Theorie. Auch ein sogenanntes Hydro-Venturi-Verfahren, eine Art Kärchern unter Wasser, ist im Gespräch. „Aber die meisten Firmen, die ich kontaktiert habe, wissen gar nicht, was das ist“, sagt Andreas Zehm. Eine neue Idee, die während der Tauchaktion entsteht: ein Saugroboter. Wo es den gibt? Was dieses Gerät alles aufsaugt? Falls es gelingt: Wohin mit den Millionen Schadpflanzen? Man prüfe weiter, man betrete Neuland.

Das ist die Carolina-Haarnixe auch für Johannes Prifling von Donautal-Aktiv. Der Verein ist von nun an Arbeitnehmer für das Landesamt, um schneller vor Ort Maßnahmen zu koordinieren. „Wir sind viel in Mooren unterwegs. Jetzt dann auch unter Wasser“, sagt Prifling mit einem Schmunzeln.

Alles Wichtige zur Schadpflanze können Sie hier nachlesen:

Millionen Schadpflanzen in Höchstädter Seen gefunden

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In Höchstädt war heute schon ein Taucher im Einsatz. Was er gefunden hat? Schaut selbst ....

Gepostet von Donau Zeitung am Dienstag, 21. Mai 2019
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