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Gundelfingen

14.04.2019

Jo Halbig als Coach: So wird man zum Alltagsrocker

Jetzt auch noch Motivationscoach: Jo Halbig, Sänger der Band Killerpilze, bei seinem Premierenvortrag in Echenbrunn.
Bild: Simone Bronnhuber

Jo Halbig, Sänger und Gründer der Band Killerpilze, ist nun auch Motivationscoach. Was er seinen Zuhörern im Gundelfinger Ortsteil Echenbrunn sagen will?

Ein Schlag ins Gesicht. Der vermeintliche sichere Boden unter den Füßen ist weg. Von ganz oben nach ganz unten. Binnen weniger Sekunden. Alle Träume platzen wie Seifenblasen. Der Höhenflug ist beendet. Und zwar genau in diesem einen Moment in irgendeiner Dönerbude mitten in Berlin. Der Plattenboss, der die Band bis dato unterstützt und mit groß macht, ist raus. Gibt Jo, Fabi und Mäx keine Chance mehr. Niemand werde mehr Lieder von ihnen hören wollen, sagt er den drei Überfliegern aus Dillingen. Sie sollen aufhören, sich umbenennen und in ein paar Jahren wieder zurückkommen. Die Zeit der Killerpilze ist vorbei.

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Wie Jo Halbig von den Killerpilze mit seiner Geschichte motivieren möchte

Jo erzählt die Geschichte, nimmt den roten Stift und malt ein Viereck auf das Papier – eine sogenannte Wohlfühlbox. Diese hat jeder, sagt er. Darin befinden sich Kritiker, Skeptiker und Scheintote. Menschen, die ihren Mitmenschen nichts zutrauen, die sagen: „Schuster, bleib bei deinen Leisten.“ In der imaginären Box tummeln sich aber auch Förderer, Gutmenschen und Visionäre. Menschen, die in ihren Mitmenschen Potenziale sehen, die sagen: „Geht nicht, gibts nicht.“ Der Frontmann der Band Killerpilze erzählt, malt auf, klickt auf dem Laptop vor sich die Präsentation durch. Er tauscht an diesem Abend im Gasthof Sonne in Echenbrunn das Mikrofon mit dem Stift, die Bühne mit dem Vortragsraum und die Fans mit Selbstständigen, Unternehmern, Familien und Freunden. Er singt nicht, er redet – professionell. Er will motivieren. „Und ich will, dass heute alle Alltagsrocker werden. Es geht nicht um mich, sondern darum, dass ihr aus meiner Geschichte im besten Fall etwas mitnehmen könnt und eure PS auf die Straße bringt“, sagt Jo.

So wie er. Sei es mit seiner Band Killerpilze, mit seiner eigenen Firma, der Partyreihe in München, dem Donauside-Festival in Dillingen oder eben seiner Karriere als Speaker. Seit einem Jahr coacht er andere Musiker, mit dem Vortrag „Für Rock-’n‘-Roll ist niemand zu alt“ erweitert er sein Repertoire und feiert zudem mit knapp 40 Gästen damit Premiere als neuer Redner der Hausener Agentur „5 Sterne Redner“ – berühmte Topredner au aller Welt werden von Inhaber Heinrich Kürzeder vermittelt. Nun auch der Killerpilze-Sänger. Unterstützt wird der Vortragsabend in Echenbrunn vom Bund der Selbstständigen. Kreissprecher Manuel Schuster ist bei der Premiere dabei.

Jo Halbig als Coach: So wird man zum Alltagsrocker

Warum wir mit unseren Visionen und Ideen unter Zugzwang kommen müssen

Und die ist vielversprechend. Zumindest ist schnell klar: Jo kann reden. Das Publikum hängt an seinen Lippen. Er braucht keinen Spickzettel, er stottert nicht, er bindet die Menschen ein. Auf Bühnen stehen kann er – egal, vor welchem Publikum. Er nimmt in seinem 60-minütigen Motivationsvortrag die Zuhörer auf eine Reise in seine Vergangenheit mit. Jo erzählt von dem einem Moment im Dillinger Bona-Gymnasium, in dem er wusste, dass er einmal ein großer Rockstar werden will. Wie die Killerpilze plötzlich Teeniestars sind und das Cover der Bravo zieren. Er erinnert sich an seinen allerersten Kniefall mit Gitarre in der Dillinger Kulturkneipe Chili. Er spricht auch davon, wie seine Band schlecht geschrieben wird und immer wieder mit Tiefschlägen kämpfen muss. Und er erzählt vom Tod seines Vaters, der alles verändert und doch so viel Positives für ihn hinterlassen hat. Was er sagen will? „Wir brauchen Visionen und Ideen. Und die müssen wir rumposaunen. So kommen wir unter Zugzwang. Vor allem aber müssen wir machen und das, wofür wir brennen, verkaufen“, appelliert er.

Halbig betont, dass man dabei seine eigenen Werte nicht hinten anstellen soll, dass verdienen von dienen kommt, und Projekte nicht totgeplant werden dürfen. „Und manchmal muss man sich einfach zeigen und diesen Schritt wagen. Zum Beispiel bei Gehaltsverhandlungen.“ Sein Vortrag ist vollgepackt mit Tipps und Anregungen, die man sicherlich schon oft gehört hat und nicht der Durchbruch am Motivationshimmel sind. Aber Jo Halbig bringt sie auf seine Art rüber. Mit weißen Turnschuhen, bunten Schuhbändchen und langen Haaren, die er locker zu einem Zopf gebunden hat, füllt er den Raum und fesselt die Menschen. Wie ein Rockstar eben. Man will ihm zuhören, will seine Geschichten hören. Will wissen, wie die Killerpilze diesen einen Moment in der Berliner Dönerbude weggesteckt haben. Motivationstipps hin oder her. So gibt es mit Halbig als Speaker natürlich eine Kostprobe eines neuen Killerpilze-Songs. Das Selfie ist selbstverständlich. Für Rock-’n‘-Roll ist eben niemand zu alt.

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