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Syrgenstein

18.08.2019

Kennen Sie diesen geheimnisvollen Ort in Syrgenstein?

Kaum erkennbar, am rechten Rand hinter ausladenden Gebüschen, steht der Alte Thurm. Das historische Überbleibsel einer einst bedeutenden Burg steht auf dem Grundstück der Familie Steiner, wo unter anderem auch Pferde gehalten werden. Das alte Gemäuer rottet vor sich hin.
Bild: Andreas Schopf

Der Alte Thurm in Syrgenstein war einst Teil einer bedeutenden Burg. Heute rottet das Bauwerk vor sich hin. Trotzdem könnte es noch diverse Geheimnisse in sich bergen.

So einfach kommt man hier nicht hoch. Dicht gewachsene Sträucher mit dicken Ästen versperren den Weg, dazu kommen Wurzeln am Boden, die das Hinaufklettern des steilen Abhangs zusätzlich erschweren. Wer den Alten Thurm in Syrgenstein aus der Nähe sehen will, hat es nicht leicht. Immerhin ist an einem besonders steilen Stück ein Seil gespannt, an dem man sich festhalten und nach oben ziehen kann. „Das haben meine Kind zum Spielen gespannt“, sagt Simone Steiner, die Tochter des Syrgensteiner Bürgermeisters Bernd Steiner. An einem Baum hängt auch eine Schaukel. Die Familie hat mit dem Alten Thurm ein historisches Bauwerk auf ihrem Grundstück stehen. Seit 1979 wohnen die Steiners auf dem benachbarten Hof. Einst war der Turm Teil einer Burg, die größer als Burg Katzenstein in Dischingen gewesen sein dürfte, und die vom Ortsadelsgeschlecht der Staufer von Bloßenstaufen wohl im 12. Jahrhundert gegründet wurde. Heute sind von den Gemäuern des Turms nur noch verfallene Reste übrig. Die sieht man von außen mal mehr, mal weniger gut – je nachdem, wie dicht die Büsche rund um die Steine wachsen.

Derzeit lässt sich der Turm als Vorbeilaufender eher schwer erkennen. „Wir schneiden alle paar Jahre die Büsche zurück“, sagt Bernd Steiner. „Im kommenden Herbst ist es wieder soweit.“

Das Mauerwerk des Turms bröckelt, im Inneren wuchern die Pflanzen.
Bild: Andreas Schopf

Die Äste und Blätter soll zum einen herabfallende Steine auffangen, die immer mal wieder vom alten Gemäuer abbröckeln. Zum anderen sollen die Gebüsche verhindern, dass Interessierte allzu leichten Zugang zu dem historischen Bauwerk haben. Bernd Steiner berichtet, dass immer mal wieder Touristen vorbeikommen, die den Alten Thurm anschauen möchten. Dieser ist auch Teil des historischen Wanderwegs rund um Staufen. Wer das alte Gemäuer aus der Nähe begutachten möchte, muss sich bei den Steiners anmelden.

Man muss sich durch das Gebüsch kämpfen

Zusammen mit Simone Steiner geht es das steile Stück zum Turm hinauf. Der Weg – einer von mehreren möglichen – ist ziemlich zugewachsen, es geht zum Teil mitten durchs Gebüsch. „Wir werden im Herbst zum Schneiden die Motorsäge brauchen“, sagt sie und lacht. Wer sich zu den Überresten des Turms durchgekämpft hat, bekommt nicht mehr viel zu sehen. Das löchrige, runde Mauerwerk geht einige Meter in die Luft. Im Inneren des ehemaligen Turms wuchern die Pflanzen. Zwischen den Blättern wachsen rote und schwarze Beeren. Von historischen Überbleibseln gibt es dort keine Spur. Immer mal wieder sind hier in der Vergangenheit Schatzsucher mit einem Metalldetektor vorbeigekommen und haben das Innere des Turms auf Spuren der Vergangenheit untersucht. „Aber außer Bierdeckeln haben sie nichts gefunden“, sagt Steiner.

Es gibt sogar ein Buch

Auch hält sich das Gerücht, dass vom Turm ein unterirdischer Gang zum Syrgensteiner Schloss führt. Diesen habe man laut Steiner bislang jedoch nicht entdecken können. Offensichtlich dagegen ist, dass sich Flora und Fauna in diesem Bereich wohlfühlen. Innerhalb der Turmmauern hätten schon Vögel gebrütet, berichtet Steiner. Maßnahmen, um das Gemäuer instandzuhalten, treffe man keine. „Das wäre zu aufwendig.“ Zumal die wenigen verbliebenen Steine kaum noch historische Bedeutung haben. Elisabeth Steiner schreibt im Buch „Allerlei aus dem Dorf“ des Historischen Bürgervereins Staufen: „Da der Turmstumpf im vorigen Jahrhundert sämtlicher behauenen Steine beraubt wurde und der frühere Umfang der Burganlage kaum mehr erkenntlich ist, entbehrt die Ruine jeden kunsthistorischen und bedeutenderen burgenkundlichen Wertes.“

Ein Seil hilft dabei, den steilen Weg zum Turm zu bewältigen.
Bild: Andreas Schopf

Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die verbliebenen Reste der Burg abgebrochen. Die Quadersteine transportierte man weg und verbaute sie in der Dillinger Donaubrücke. Im Zweiten Weltkrieg dienten die Turmreste laut Bernd Steiner als Luftbeobachtungspunkt. 1991 kaufte die Gemeinde Syrgenstein die Ruine für den symbolischen Wert von einer D-Mark vom Historischen Verein für Schwaben ab.

Was passiert nun mit dem alten Gemäuer?

Und wie geht es weiter für den Alten Thurm? Bürgermeister Bernd Steiner sagt: „Es ist ein sterbendes Denkmal, das der Witterung preisgegeben ist.“ Man könne lediglich versuchen, durch kleine Sicherungsmaßnahmen den Verfall zu stoppen. Dazu sei man auf der Suche nach einem Experten für Denkmalpflege, der die Gemeinde beraten könnte.

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