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Landkreis Dillingen

13.09.2019

Klimaschutz im Landkreis Dillingen soll keine „Kindersache“ bleiben

Am kommenden Freitag soll wieder in Dillingen unter dem Motto „Fridays for Future“ gestreikt werden, so wie in tausenden Städten weltweit. Die Jugendlichen hoffen nun auf breitere Unterstützung der Erwachsenen – deshalb wird um 12 Uhr demonstriert. So sollen Arbeitnehmer ihre Mittagspause nutzen können.
Bild: Benjamin Reif (Archiv)

Am kommenden Freitag wird wieder unter dem Motto „Fridays for Future“ für das Klima gestreikt. Die Schüler hoffen auf Unterstützung durch die Arbeitnehmer.

Die jugendlichen Veranstalter von „Fridays for Future“ haben noch lange nicht genug. Vielmehr geht es jetzt erst richtig los, sagt Niklas Zöschinger. Der 18-jährige Höchstädter hat die Proteste im Landkreis Dillingen ins Leben gerufen. Die Bewegung strukturiere sich besser, baue ein Publikum in den sozialen Medien auf und lerne in allen Bereichen, die ihren Einfluss vergrößern können, hinzu.

Klima-Demo am 20. September in Dillingen

Am kommenden Freitag, 20. September, richtet die Bewegung weltweit Streiks aus. So soll nach längerer Pause auch wieder in Dillingen demonstriert werden. Die jugendlichen Initiatoren hoffen dabei auf Unterstützung von den „Erwachsenen“ und rufen diese auf, sich ab 12 Uhr mit ihnen an der Stadthalle zu treffen und sie in ihrem Streik zu unterstützen. Geplant ist wieder ein Marsch durch die Innenstadt, ähnlich dem am 19. Juli. Dieses Mal sollen es bedeutend mehr Teilnehmer werden als die rund 100 bei der letzten Demo (lesen Sie hier einen Bericht dazu).

Das Hauptziel des lokalen Ablegers der weltweiten Schülerbewegung „Fridays for Future“ ist es, dass im Kreistag der sogenannte „Klimanotstand“ ausgerufen wird. Dieser Antrag wurde bereits von der Fraktion der Grünen dort eingereicht. Für die Arbeit des Gremiums würde das bedeuten, dass für jede getroffene Maßnahme die oberste Priorität gilt, nachhaltig und energieeffizient zu sein. Bei Gebäudeplanungen etwa hieße das, größten Wert auf Dämmung und moderne Heizungssysteme zu setzen. Auch die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Fahrrad und die Bereitstellung von Ladesäulen wären wichtige Eckpfeiler der Planungen von Neubauten.

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Den Aktivisten ist es wichtig, ein Zeichen zu setzen

Ein anderes Thema, bei dem Niklas Zöschinger großes Potenzial sieht, ist die Aufforstung der Region. In anderen Ländern gebe es ja auch gigantische Aktionen, an denen Bäume gepflanzt würden – Ende Juli pflanzten etwa die Bürger in Äthiopien sage und schreibe 354 Millionen Bäume an einem einzigen Tag. Die Aufforstung großer Teile des Landkreises ist für Zöschinger ein sinnvoller und substanzieller Beitrag für den Klimaschutz – schließlich seien Bäume nach wie vor die wirkungsvollste Waffe gegen den Klimawandel, da sie das Treibhausgas C02 aus der Luft herausfiltern. Und im Gegensatz zu Windkraftwerken sähen sie schön aus, förderten die Artenvielfalt und sorgten für Naherholung.

Neben diesen praktischen Maßnahmen ist für den jungen Höchstädter und seine Mitstreiter wichtig, ein Zeichen zu setzen. Das Gemeinschaftsgefühl bei den bisherigen Demonstrationen sei toll gewesen, nun soll sich der Kreis der Demonstranten erweitern. „Klimaschutz ist der Schutz der lebenswerten Zukunft. Das ist doch ein Thema, das uns alle angeht. Dafür sollten nicht nur wir Schüler eintreten“, sagt Zöschinger.

Um zahlreiche erwachsene Arbeitnehmer zu mobilisieren, schreibt er derzeit viele Mails, telefoniert herum, organisiert Transportmöglichkeiten. Und er erhält nun Unterstützung: Der Bezirksverband Schwaben der Gewerkschaft IG Bau ruft zur Teilnahme auf. „Eine Job-Klima-Pause wäre ein wichtiges Signal“, heißt es vonseiten der Gewerkschaft. Die Zeit um 12 Uhr sei ideal, um eine verlängerte Mittagspause dem Demonstrieren zu widmen. Es sei höchste Zeit, sich auch im Beruf mit dem Klimaschutz auseinanderzusetzen und mit Kollegen auszutauschen, findet der Bezirksvorsitzende der Gewerkschaft, Michael Jäger. Gleichzeitig appelliert er an die Arbeitgeber in den rund 2400 Betrieben im Landkreis Dillingen: Den Beschäftigten im Kreis müsse die Möglichkeit gegeben werden, an den Demonstrationen teilzunehmen.

Bislang erst wenige Rückmeldungen von den Betrieben

Bislang hat Niklas Zöschinger erst eine Handvoll Rückmeldungen von Betrieben auf die hunderten von Mails bekommen, die er verschickt hat. Was bisher zurückkam, sei aber recht positiv. Mehrere kleinere Firmen hätten bereits Unterstützung signalisiert und ihren Mitarbeitern die Möglichkeit zur Teilnahme eingeräumt.

Zudem hatte er gehofft, dass es geistlichen Beistand für die Demonstration geben würde. Höch-städts Pfarrer Wolfram Schrimpf wollte eigentlich eine „Klima-Andacht“ vor der Demonstration abhalten. Daraus wird nun doch nichts – es sei zu befürchten gewesen, dass dies kurz vor Mittag eine „ziemlich müde Veranstaltung“ geworden wäre. Schrimpf will trotzdem vor Ort sein und die Demonstration unterstützen.

"Lasst die Jugend nicht alleine" sagt unser Autor Benjamin Reif in seinem Kommentar:Fridays for Future im Kreis Dillingen: Lasst die Jugend nicht alleine

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14.09.2019

>>Die Aufforstung großer Teile des Landkreises ist für Zöschinger ein sinnvoller und substanzieller Beitrag für den Klimaschutz – schließlich seien Bäume nach wie vor die wirkungsvollste Waffe gegen den Klimawandel, da sie das Treibhausgas C02 aus der Luft herausfiltern. Und im Gegensatz zu Windkraftwerken sähen sie schön aus, förderten die Artenvielfalt und sorgten für Naherholung.<<

Leider geht die Rechnung nicht auf, dass aus der Verbrennung von fossilen Energierohstoffen wie Erdöl (Benzin, Diesel, Kerosin) oder Erdgas und insbesondere Kohle erzeugte Treibhausgas CO2 wieder durch Bäume einzufangen.

Rechnung:
Ein Auto fährt im Schnitt 14.000 Kilometer pro Jahr. https://www.t-online.de/auto/id_74583174/so-viele-kilometer-faehrt-ein-auto-im-durchschnitt.html Wenn es dabei grob gerechnet 7 l/100 km verbraucht, sind das rund 1000 Liter Treibstoff. Und dies entspricht 2300 kg (2,3 Tonnen) CO2.

Man rechnet, dass ein Hektar Wald im Durchschnitt etwa 10 Tonnen CO2 bindet. https://www.wissen.de/wie-viel-co2-filtern-baeume-aus-der-luft Also für nur 5 Autos braucht man über einen Hektar Wald. Und dann muss ja auch noch das CO2 aus der Erdgas- und Kohleverbrennung aufgefangen werden.

Insofern müssen wir radikal den Ausstoß von Treibhausgasen verringern. Und das erfordert: Abschalten der Kohlekraftwerke, mittelfristig auch Abschalten der Erdgaskraftwerke, Elektrifizieren des Auto-, Bus- und Bahnverkehrs, sowie Ersetzen der Ölheizungen durch elektrische Wärmepumpen (und guter Dämmung der Gebäude). Hierfür müssen wir insbesondere die Photovoltaik und die Windkraft ausbauen.

Die Windkraft liefert gerade im Winter gut Strom, wenn einerseits der Stromverbrauch durch den Heizungs- und Beleuchtungsbedarf am höchsten ist und andrerseits die Photovoltaik infolge der kurzen Tage und tiefstehenden Sonne weniger Strom erzeugt.

Wir müssen die Erzeugung von CO2 aus fossilen Brennstoffen auf Null bringen.

Dann können wir durch Bäume auch wieder etwas CO2 aus der Atmosphäre binden.

Ich selber finde auch die Windräder schön, wenn sie gut platziert werden. Und Windräder haben im Jahr 2018 schon erheblich mehr Strom erzeugt als Atomkraftwerke; rund ein Fünftel des in Deutschland erzeugten Stroms.

Raimund Kamm

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13.09.2019

Auch wenns ein Archivbild ist, was sehen wir? Plastikanoraks, und sogar einen künstlichen Pelz auf der Kapuze! Alles Dinge, die schon bei der Herstellung klimaunfreundlich sind und am Ende entweder verbrannt werden müssen oder im Meer schwimmen...diese Jugend ist einfach von links-grün verblödet und keiner merkts im Greta-Klima-Wahn..

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14.09.2019

Umweltfreundliche Kleidung ist ein gutes Ziel. Doch dies den Jugendlichen vorzuwerfen, die sich für den Klimaschutz einsetzen, und sogar die Jugendlichen pauschal zu beleidigen, ist übel. Und dies auch noch quasi anonym.
Tragen Sie denn umweltfreundliche Kleidung und wie sieht die aus?

Raimund Kamm

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