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Geschichte

29.10.2018

Konradin, der letzte Staufer

Drama auf den Tod Konradins aus dem Bestand der Studienbibliothek Dillingen, aufgeführt von Studenten in Höchstädt.
Bild: Studienbibliothek, Rüdiger May (Repro)

Weil vor exakt 750 Jahren ein 16-Jähriger in Neapel hingerichtet wurde, gehören Gundelfingen, Lauingen und Höchstädt zu Bayern. Ein Rückblick.

Am 29. Oktober 1268 – vor exakt 750 Jahren – wurde Konradin, Herzog von Schwaben und König von Sizilien und Jerusalem, auf dem Marktplatz von Neapel mit seinen Getreuen hingerichtet. Das war das Ende des Herrschergeschlechtes der Staufer und damit endet auch das Herzogtum Schwaben.

Für die Region hat dieses Datum eine entscheidende Bedeutung. Denn Ostschwaben mit Gundelfingen, Lauingen und Höchstädt fällt dadurch an das Herzogtum Bayern. Weil also Konradin starb, wurden die Donaustädte bayerisch.

Was war das für ein Jugendlicher, dessen Tod so viel auslöste? Konradin war trotz seines jungen Alters bereits volljährig – das wurde er mit 14 Jahren. Und er war verheiratet worden. Wie man heute sagen würde per Fernehe.

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Mit einem Heer nach Italien

Mit 15 Jahren war er an der Spitze eines Ritterheeres auf dem Zug nach Italien, um sein Königreich Sizilien von Karl I. von Anjou zurückzuerobern. Sein Heer wurde dort auf dem Weg nach Süditalien weiter verstärkt. Etwa 4000 bis 5000 Mann waren es, neben den deutschen Rittern waren darunter Verbündete aus Mittelitalien und Fußtruppen, die in Rom noch zum Heer dazustießen.

Am 23. August 1268 – Konradin war inzwischen 16 Jahre alt – galt er dann schon als der vermeintliche Sieger in der Schlacht von Tagliacozzo. Er war den Truppen Karls zahlenmäßig überlegen. Allerdings waren die Kämpfer auf dessen Seite erfahrener und wendeten eine Kriegslist an. Das Heer bestand größtenteils aus französischen Rittern, die bereits an Kreuzzügen teilgenommen hatten. Karl behielt etwa 1000 Ritter als Reserve verborgen. Konradins Heer schien daher die Schlacht zu gewinnen. Die staufischen Truppen schlugen Karls Kämpfer, die sich ihnen in den Weg stellten nieder.

Der Überraschungsangriff gelang

Doch Karl überraschte die Staufer, indem er mit seiner Reserve einen Überraschungsangriff vollzog. Insgesamt starben bei der Schlacht rund 4000 Menschen. Karl ließ die Gefangenen hinrichten.

Konradin konnte zuerst fliehen, wurde kurz darauf aber gefangen genommen. Nach einem fragwürdigen Prozess folgte die Hinrichtung auf dem Marktplatz von Neapel mit einigen seiner Getreuen.

Ein schreckliches Ende, „davon noch allen diutschen vürsten eiset“, wie ein Zeitgenosse formulierte. Auf Neuhochdeutsch: Es gefriert noch allen deutschen Fürsten das Blut in den Adern, wenn sie daran denken.

Mit dem Tod Konradins endet das Jahrhundert der Staufer und beginnt der Thronstreit, den auch Albertus noch erlebt und in dem er mehrmals vermittelt hat. Es endet gleichermaßen der Aufschwung von Handel und Wandel in Europa und es beginnt eine Rezession, die viele Bauvorhaben stocken lässt. Die neue romanische Pfeilerbasilika in Lauingen ist gerade noch fertig geworden. 1264 wird erstmals ein Pfarrvikar genannt.

Das Ende Konradins ist in Gedichten, Romanen, Dramen vielfach beschworen worden. Bemerkenswert ist die Reihe der Ordensdramen, die der Schuljugend einen patriotischen Stoff in der Form des Märtyrerdramas darboten.

(mit Bernhard Ehrhart, Leiter Heimathaus Lauingen)

Über Bernhard Ehrhart und das Heimathaus haben wir bereits geschrieben: Wo es mir gut geht, da ist meine Heimat

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