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Verkehr

14.06.2017

Landwirte fühlen sich gelinkt

Landwirte in den Landkreisen Dillingen und Günzburg fordern, dass sie mit ihren Gefährten auf der dreispurigen B16 fahren dürfen: (von links) Werner Hopf, Eugen Bayer, Josef Hopf, Klaus Beyrer, Herbert Riehr, Dillingens Kreisbäuerin Annett Jung, Stephan Bissinger, Ulrich Mayerle, Matthias Letzing und Georg Bucher.
Bild: Michael Ammich

Die Bundesstraße 16 soll von Günzburg bis Manching mindestens dreispurig ausgebaut werden. Bauern befürchten, dass sie die Verlierer sein werden – wie bei der Dillinger Umgehung

Die überregionale Konferenz mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt im Mai in Rain am Lech hat Landwirte in der Region auf den Plan gerufen. Der Grund: Die Bundesstraße 16 soll von Günzburg bis Manching mindestens dreispurig als Kraftfahrstraße ausgebaut werden (wir berichteten). Und der Bayerische Bauernverband (BBV) hat die Sorge, dass es ihm dabei wie bei der Dillinger Umgehung gehen könnte. „Wir haben das Problem, dass wir Landwirte mit unseren Schleppern nicht mehr auf dieser B16 fahren dürfen“, sagt der Dillinger BBV-Kreisvorsitzende Klaus Beyrer. Dies will der Bauernverband unbedingt verhindern.

Bei einem Treffen am Dienstag mit BBV-Vertretern aus dem Kreis Günzburg in der Dillinger Geschäftsstelle ist der Unmut der Landwirte deutlich zu spüren. Bei der Planung der neuen B16 in Dillingen habe der Bauernverband immer wieder gefordert, dass landwirtschaftliche Fahrzeuge, die mindestens 40 Stundenkilometer schnell sind, auf der Kraftfahrstraße fahren dürfen. Bei der Einweihung seien die Bauern, die ihren Grund für die neue B16 zur Verfügung gestellt haben, dann vor vollendete Tatsachen gestellt worden, sagt Beyrer. Im Laufe des Gesprächs wird der Kreisobmann noch deutlicher. „Da wurden wir gelinkt – vom Straßenbauamt und der Politik“, wettert Beyrer. Ein zweites Mal soll dies nicht passieren, versichert Dillingens BBV-Kreisgeschäftsführer Eugen Bayer. Notfalls werde der Bauernverband Landwirte massiv dazu aufrufen, keinen Grund für den Ausbau der Bundesstraße zu verkaufen. Psychologisch gesehen sei das ohnehin der Wahnsinn, meint Bayer. „Du gibst die Flächen für eine Straße her, und dann darfst du nicht drauf.“ Die Bauern fordern, dass sie in die Planung des B16-Ausbaus einbezogen werden.

Auch der BBV-Kreisvorsitzende in Günzburg, Matthias Letzing, warnt vor einem Schildbürgerstreich und den Folgen, wenn Landwirte mit ihren Gefährten auf rückgebauten Straßen durch die Ortschaften fahren. Werner Hopf von der Teilnehmergesellschaft der Flurbereinigung in Gundelfingen erläutert ebenso wie der Gundelfinger BBV-Obmann Georg Bucher, dass Bauern in der Gärtnerstadt beim Bau der Bundesstraße in den 90er-Jahren massiv Land verloren hätten. „Warum sollen wir jetzt bei einem dreispurigen Ausbau nicht auf der B16 fahren dürfen?“, fragt Bucher. Der Günzburger Kreisobmann Stephan Bissinger, dessen Stellvertreter Herbert Riehr und der stellvertretende Wittislinger Ortsobmann Ulrich Mayerle erläutern, warum Landwirte die Bundesstraße 16 als Verkehrsachse brauchen. Sie transportieren Kartoffeln zur Pommes-Fabrik nach Rain und Getreide zu einer Mühle nach Thannhausen – und künftig nach Leipheim. Mayerle äußert Verständnis, dass Fußgänger auf Gehwegen in den Ortschaften Angst bekommen, wenn Schlepper mit großen Anhängern an ihnen vorbeifahren. Und neben der neuen B16 ein zusätzliches Wegenetz für Landwirte zu bauen, sei wegen des Flächenverbrauchs nicht zu verantworten. Allein für die neue Bundesstraße 16 in Höchstädt werden inklusive der Ausgleichsflächen 100 Hektar landwirtschaftliche Flächen gebraucht, sagt Eugen Bayer. Auf der Strecke von Günzburg bis Manching seien dies mehrere hundert Hektar.

Einen Teilerfolg haben die Bauern bei ihrer Forderung, dass landwirtschaftliche Fahrzeuge, die mindestens 40 Stundenkilometer auf den Tacho bringen, auf der neuen B16 fahren dürfen, offensichtlich errungen. CSU-Bundestagsabgeordneter Ulrich Lange habe in einem Gespräch zugesichert, dass dies aus Sicht des Bundes kein Problem sei, teilt Klaus Beyrer mit. Im Nachbarlandkreis Donau-Ries gebe es diese Lösung auf der Stecke zwischen Nördlingen und Möttingen. Über die Ausführung der Bundesstraße entscheide allerdings der Freistaat Bayern. Das Staatliche Bauamt und Landtagsabgeordneter Georg Winter seien dagegen, dass landwirtschaftliche Fahrzeuge auf die neue B16 dürfen, sagte Beyrer. Winter wolle einen „halben Nordschwaben-Highway bauen“.

Der Abgeordnete war am Dienstag im Urlaub am Handy zu erreichen. Im Kreis Dillingen sei es eine gemeinsame Linie von ihm, Landrat Leo Schrell und Oberbürgermeister Frank Kunz, dass bei der B16 eine Kraftfahrstraße nötig sei. Der Landkreis Dillingen sei ein Raum mit besonderem Handlungsbedarf. „Und ich möchte, dass unser Landkreis ein bisschen an der Entwicklung der Welt teilnimmt“, sagt Winter. Das ganze Straßennetz müsse so ausgebaut werden, „dass es keine Nachteile für die Landwirte gibt“. Dies sei die Voraussetzung für die Ausweisung einer Kraftfahrstraße.

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