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Schwere Krankheit

12.01.2019

Leukämie: Wer ist Antons genetischer Zwilling?

Der 51-jährige Anton Eichberger hat Leukämie. Die Krankheit wurde binnen eines Jahres zwei Mal diagnostiziert. Nun braucht er dringend einen Stammzellspender. Ehefrau Carola weicht ihm nicht von der Seite.
Bild: Bronnhuber

Schwenningens ehemaliger Feuerwehrkommandant hat Leukämie. Er braucht dringend eine Stammzellspende. Seine Frau Carola Eichberger organisiert eine große Typisierungsaktion.

Es ist kurz vor Weihnachten. Die ersten Schneeflocken in diesem Winter fallen vom Himmel. Wie üblich schnappt sich Anton Eichberger die Schaufel und beginnt zu schippen. Dieses Mal muss er aber nach wenigen Minuten aufhören. Er ist fix und fertig. Der Familienvater gibt nichts weiter drauf, er vermutet, dass ihn eine Grippe erwischt hat. Von Tag zu Tag werden die Symptome schlimmer: Er ist kraftlos, müde und bleich. Am 27. Dezember 2017, dieses Datum wird er nie vergessen, entscheidet er sich, zum Höchstädter Hausarzt Dr. Jürgen Arnhardt zu gehen, um sich Medikamente gegen Grippe verschreiben zu lassen. Und dem Allgemeinmediziner, so erzählt es Anton Eichberger, verdankt er sein Leben. Denn der Arzt merkt schnell, dass der Schwenninger nicht an Grippe leidet. Es ist viel schlimmer.

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Dr. Arnhardt in Höchstädt ist sein Lebensretter

Arnhardt schickt ihn ins Krankenhaus Wertingen, es werden Untersuchungen gemacht und entschieden, dass Anton Eichberger ins Klinikum Augsburg verlegt werden muss – und das mit einem Intensivtransport. „Meine Blutwerte waren Jenseits von Gut und Böse. Aber dass es so schlimm war, damit habe ich nicht gerechnet. Das zieht einem den Boden unter den Füßen weg“, erzählt der Schwenninger. Denn die Diagnose kurz nach Mitternacht war schockierend: Der 51-Jährige hat Blutkrebs. Er leidet an einer akuten Leukämie. Es besteht höchste Lebensgefahr. „Morgens bin ich mit Grippe zum Arzt und am Abend wusste ich nicht, ob ich die Nacht überlebe.“ Das war am 27.12.2017. (Lesen Sie auch: Höchstädt bekommt eine neue Hausärztin )

Fast genau ein Jahr später sitzt Anton Eichberger mit seiner Frau Carola im Wohnzimmer im ersten Stock des Familienhauses in Schwenningen. Es schneit wieder. Ans Schneeschippen ist nicht zu denken. „Er hatte es doch schon geschafft. Wir hatten so viel Hoffnung, dass wir wieder ein normales Familienleben führen können. Aber jetzt ist der Krebs wieder zurück. Dieses Mal reicht eine Chemo nicht mehr. Er braucht dringend einen Stammzellspender“, sagt Carola Eichberger. Sie ist die große Stütze der Familie. Organisiert alles, kümmert sich um alles. Damit es weitergeht, damit ihr Mann leben kann.

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Den ersten Kampf gegen Krebs hat er gewonnen

Denn im Juli 2018 galt Anton Eichberger als geheilt, er fing im Oktober sogar mit der Wiedereingliederungsphase an seinem Arbeitsplatz im Gundremminger Kraftwerk an. Doch das Ergebnis einer Kontrolle am 11. Dezember lautet: Der 51-Jährige braucht Stammzellen. Es ist ein Nest von Leukämie-Zellen im Knochenmark gefunden worden. „Die Krankheit ist noch nicht wieder ausgebrochen und aktuell fühle ich mich einigermaßen fit. Umso schneller wir einen Spender finden, desto besser verarbeitet mein Körper alles“, sagt der zweifache Familienvater.

Deshalb veranstaltet Ehefrau Carola mithilfe der Vereine im Ort, Freunden, Verwandten und anderen Mitbürgern am Samstag, 2. Februar, zwischen 11 und 16 Uhr eine Typisierungsaktion im Sportheim in Schwenningen. „Das ist mein Beitrag, ich will das tun. Vielleicht hilft es Anton, und wenn nicht ihm, dann anderen Menschen auf der ganzen Welt“, sagt sie und bittet darum, dass viele Menschen kommen und sich registrieren lassen. Alle, die gesund und zwischen 17 und 55 Jahre sind, können sich registrieren lassen und Leben retten. Vielleicht das von Anton Eichberger. Andere Alternativen hat er nicht mehr.

Sein Zustand war akut lebensbedrohlich

Denn nach der ersten Diagnose im Dezember 2017 ging aufgrund des lebensbedrohlichen Zustandes alles sehr schnell: Eichberger war viele Wochen im Klinikum und musste mit den Folgen einer hoch dosierten Chemotherapie kämpfen. Und mit der Einsamkeit. „Ich bin ein Mensch, der raus will und immer am Machen ist. Ich war in diesem Krankenhaus eingesperrt. Das war psychisch die Hölle. Das wünsche ich keinem“, sagt er. Aber Anton Eichberger gibt nicht auf, er kämpft und bleibt positiv. „Ich habe immer gesagt: Diese Leukämie bringt mich nicht um.“ Dass er nach einem halben Jahr dann als gesund galt, war ein unbeschreibliches Gefühl. Am letzten Krankenhaustag gab es deshalb von Ehefrau Carola eine besondere Überraschung: Sie brachte ihrem Ehemann, der Tiere über alles liebt, einen kleinen Welpen mit nach Hause. „Es war ein Geschenk dafür, dass er es geschafft hat“, erzählt sie. Und Theo weicht seinem Herrchen seither nicht mehr von der Seite. Theo und die anderen beiden Hunde Sammy und Nick gehören zu Familie Eichberger dazu. „Ich bin froh um jeden Tag, den ich habe. Man bekommt einen ganz anderen Blick auf das Leben. Es sind Kleinigkeiten, die wichtig werden“, erzählt der 51-Jährige. Wenn er mit seinen drei Hunden morgens und abends 20 Minuten allein spazieren gehen kann, dann ist er rundum glücklich. „Mehr brauche ich nicht“, sagt er und lächelt. Seine positive Art und innere Zufriedenheit helfen ihm auch jetzt. Anton Eichberger ist sich sicher, dass ein Stammzellspender für ihn gefunden wird, dass er überlebt. „Das spüre ich im Herz“, sagt er und fasst sich an die Brust. (Lesen Sie auch den Bericht über Nele: Leukämiekranke Nele kämpft sich ins Leben zurück )

Anton Eichberger jammert nicht

Seine Frau Carola sitzt neben ihm, beobachtet ihn und lächelt. Sie erzählt, dass in all den Monaten, auch dann, wenn es ihm aufgrund der Chemotherapie richtig schlecht ging, ihr Mann nie aufgegeben hat. Auf der Heimfahrt vom Krankenhaus habe sie oft geweint, war verzweifelt. Das Leben, das die Eichbergers bis zum 27.12.2017 geführt hatten, gab und gibt es nicht mehr. Es ist nun bestimmt von der Krankheit des Familienoberhauptes. „Ich bewundere ihn sehr. Er baut eher noch mich auf, als nur einmal zu jammern. Er war und ist immer lustig und zuversichtlich, dass alles gut wird“, sagt sie.

Auch ein Grund, warum die Menschen in seiner Heimat in Schwenningen alle helfen wollen, wo sie können. Der Zuspruch, den die Eichbergers nach der ersten Veröffentlichung der Typisierungsaktion und Stammzellspendersuche im Internet in den vergangenen Tagen erhalten haben, war enorm. „Das tut so gut und ist schön. Wir sind sehr gerührt“, sagt der 51-Jährige. Allen voran seine Kameraden der Schwenninger Feuerwehr packen kräftig mit an. Ihr „Done“ war bis zur ersten Diagnose immerhin 16 Jahre Zweiter Kommandant. Auf Facebook postet die Truppe: „Wir bitten euch um eure Unterstützung, damit für unseren Anton ein entsprechender Stammzellspender gefunden werden kann. Wir wünschen ihm, dass er wieder gesund wird und unserer Feuerwehr als treuer Kamerad erhalten bleibt. Von Herzen alles Gute, Done.“

Typisierungsaktion am 2. Februar

Diesen Wunsch haben Anton Eichberger und seine Familie auch. Die Geschwister kommen als Spender nicht infrage, die Kinder höchstens zu 50 Prozent. Es stimmen zu wenig Merkmale überein, der Familienvater braucht einen genetischen Zwilling. „Ich will noch nicht in Rente gehen“, scherzt er. Vor allem aber will er so viel Zeit wie möglich mit seiner Familie und seinen Hunden verbringen. Er will raus, die Natur erleben und wieder mit voller Kraft Schnee schippen. Anton will leben.

Registrierungsaktion „Anton sucht Helden“ lautet das Motto für die Aktion. Diese findet am Samstag, 2. Februar, zwischen 11 und 16 Uhr im Sportheim des FC Schwenningen statt.

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