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Dillingen

30.03.2013

Manchmal kam er zu spät

Otto Truchsess von Waldburg, dessen Todestag sich heute jährt, war mehrfach bei der Papstwahl in Rom, wo er auch starb.
Bild: DZ-Repro

 Augsburgs Kardinal Otto Truchsess von Waldburg bei der Papstwahl. Todestag jährt sich am Dienstag

Von Ludwig Gschwind

 Im Dillinger Schloss hielt sich Otto Truchsess von Waldburg sehr gerne auf, obwohl der Augsburger Fürstbischof ein vielbeschäftigter Mann war. Der 1514 geborene Adelige hatte eine gediegene Ausbildung an mehreren bedeutenden Universitäten durchlaufen, den Doktor der Rechte erworben und in Rom eine diplomatische Ausbildung erhalten. Mehrfach im Dienst des Kaisers und des Papstes unterwegs wählte ihn das Domkapitel 1543 zum Fürstbischof von Augsburg. In Dillingen empfing er im September die Priesterweihe und im Oktober die Bischofsweihe, da sich die Bischofsstadt Augsburg der Reformation angeschlossen hatte. Sowohl der Kaiser wie der Papst erhofften sich vom Augsburger Bischof Unterstützung im Ringen um den Erhalt des Reiches und der katholischen Kirche. Am 19. Dezember 1544 erhob Papst Paul III. Otto Truchsess von Waldburg zum Kardinal. Dies geschah auf Empfehlung König Ferdinands. Der 30jährige Kardinal enttäuschte nicht. Er vertrat in Religionsgesprächen einen klaren katholischen Standpunkt. Ständig hatte er zwischen Kaiser und Papst zu vermitteln. Dies tat er mit großem Geschick. Seit 1545 tagte das Konzil von Trient. Zwei hervorragende Theologen aus dem Jesuitenorden vertraten den Augsburger Fürstbischof, der ständig mit ihnen korrespondierte. 1549 starb Papst Paul III. Gewählt wurde, allerdings nicht mit der Stimme Kardinal Ottos, Kardinal Del Monte, der sich den Namen Julius III. gab. Er führte das Konzil von Trient fort. Bereits 1555 starb Julius III. Kardinal Otto eilte nach Rom, um am Konklave teilzunehmen. Man hatte allerdings nicht auf den deutschen Kardinal gewartet.

Als der Augsburger Kardinal in Rom ankam, war der Papst, es war Papst Marcellus II., bereits gewählt und in sein Amt eingeführt. Der Komponist Palaestrina widmete diesem Papst eine Messe, die zu seinen bedeutendsten Werken gehört. Schon 21 Tage nach der Wahl starb Papst Marcellus II.

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Jetzt konnte Kardinal Otto Truchsess von Waldburg, Fürstbischof von Augsburg und seit 1553 Fürstpropst von Ellwangen, am Konklave teilnehmen. Kardinal Pietro Caraffa wurde gewählt, der sich den Namen Paul IV. gab. Der Kaiser war nicht begeistert. Paul IV. schätzte Kardinal Otto sehr und bat ihn in Rom zu bleiben. Er arbeitete an einer Kommission mit, die sich mit den deutschen Problemen und ihrer Lösung beschäftigte. Nachrichten aus seiner Diözese ließen ihn nach Deutschland zurückkehren. Mit der Unterstrützung des Jesuiten Petrus Canisius schaltete er sich in die laufenden Religionsgespräche ein, aber schon 1559 war seine Anwesenheit erneut in Rom erforderlich, denn Paspt Paul IV. war gestorben. Hatten sich die vorhergehenden Papstwahlen sehr rasch vollzogen dauerte es diesmal vier Monate bis am 24. Dezember 1559 ein Medici zum Papst gewählt wurde. Er gab sich den Namen Pius IV. Das Konzil von Trient nahm unter ihm seinen Fortgang. Kardinal Otto berief 1563 Jesuiten nach Dillingen. Sie sollten den Lehrbetrieb „seiner“ Universität übernehmen. Dillingen war auch der Ort, an dem Kardinal Otto immer wieder Diözesansynoden abhielt. Er hatte die feste Absicht, die Beschlüsse des Trienter Konzils umzusetzen.

Im Dezember 1565 starb Papst Pius IV. Kardinal Otto reiste sofort nach Rom, aber wieder einmal hatte die Papstwahl ohne ihn stattgefunden. Bei seiner Ankunft in Rom war Papst Pius V. bereits neun Tage im Amt. Dieser Papst hätte es gerne gesehen, wenn Kardinal Otto Erzbischof von Köln geworden wäre, aber das Kölner Domkapitel konnte sich mit diesem Gedanken nicht anfreunden. 1572 galt es erneut einen Papst zu wählen. Papst Gregor XIII. ging aus dieser Wahl hervor. Immer wieder bat er Kardinal Otto um seinen Rat.

Ostern 1573 wollte Kardinal Otto in Dillingen feiern, aber ein Magenleiden verzögerte die Abreise aus Rom. Am 2. April 1577 starb der Augsburger Fürstbischof und Kardinalbischof von Palaestrina Otto Truchsess von Waldburg. Er wurde einen Tag später in der römischen Kirche dell’ Anima bestattet. Anlässlich seines hundertsten Geburtstags überführte man die Gebeine 1614 nach Dillingen. Sie ruhen heute in der Studienkirche.

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