1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Mehr Polizei vor der Synagoge in Binswangen

Sicherheit

22.10.2019

Mehr Polizei vor der Synagoge in Binswangen

Copy%20of%20DSC_0035.tif
2 Bilder
Das Portal der Binswanger Synagoge sticht durch seinen neomaurischen Stil hervor. Nach dem Attentat von Halle ist der Polizeischutz vor dem ehemaligen Gotteshaus in Binswangen verstärkt.
Bild: Berthold Veh

Plus Die Gebäude mit jüdischer Vergangenheit in der Region werden nach dem Anschlag von Halle besser geschützt. Sogar die Generalprobe des Kammerchors Calypso stand unter besonderem Schutz.

Eine Polizeistreife war vor Ort, als in der Alten Synagoge Binswangen der Kammerchor Calypso am Sonntag sein Konzert gab. Das ist eine neue Sicherheitsvorkehrung in der „Zeit nach Halle“. Das jüdische Leben in Deutschland hat sich mit dem Anschlag vor zwei Wochen verändert. Und das lässt sich auch an den jüdischen Gebäuden in der Region feststellen. Dort steigt die Polizeipräsenz bei kulturellen Veranstaltungen. Bereits die Generalprobe des Höchstädter Kammerchors am Freitag ist von der Polizei bewacht worden, weiß Chorleiterin Marianne Rieder. Darüber wurde sie im Vorfeld von der Polizeistation Wertingen informiert. Die Chormitglieder haben die Maßnahme „lächelnd akzeptiert“, sagt Rieder. „Die Beamten waren sehr freundlich, und es war überhaupt nicht unangenehm.“ Am Konzertabend wollte die Polizei sogar während der Veranstaltung im Saalinneren vertreten sein, schildert Rieder. Das war aber letztlich aus Platzgründen nicht möglich, da das Konzert komplett ausverkauft war. So sicherten zwei Beamte den Außenbereich der Synagoge während des gesamten Konzerts ab.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Fördervereins-Vorsitzender Kapfer: Es hat noch nie etwas gegeben

Eine erhöhte Gefahr für einem Anschlag oder Vandalismus sieht der Vorsitzende des Förderkreises Synagoge Binswangen, Anton Kapfer, im Moment nicht. „Es hat noch nie etwas gegeben“, antwortet Kapfer auf die Frage nach Vandalismus und Beschädigungen an der ehemaligen Synagoge. Seit 1996 wird das frühere Gotteshaus als Ort der Besinnung und Begegnung genutzt. Seit 15 Jahren leitet Kapfer den Förderkreis und er teilt mit, dass ihm keine negativen Vorfälle bekannt seien.

Kapfer glaubt, dass die Synagoge auch in Zukunft vor größerem Unheil verschont bleiben wird. Die Gründe: Erstens sei die Synagoge mitten im Dorf und somit von allen Seiten her gut einsehbar, und zweitens werde sie nicht mehr als Kultraum verwendet. Den erhöhten Schutz begrüßt Kapfer dennoch. „Viele Leute können nicht differenzieren“, sagt der frühere Geschichtslehrer.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Schutz jüdischer Einrichtungen "hat hohen Stellenwert"

Auch eine Synagoge, die als Kulturraum genutzt wird, kann in den Fokus von Attentäter rücken. „Der Schutz jüdischer Einrichtungen hat für die bayerische Polizei allgemein einen sehr großen Stellenwert“, erklärt der Polizeisprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Nord, Michael Jakob. In einem Schreiben hebt Jakob hervor: „Ehemalige Gotteshäuser, die weiterhin eine symbolträchtige Bedeutung haben, werden mit angepassten Überwachungs- und Schutzmaßnahmen versehen.“ Und dies gelte auch für die Gebäude in Binswangen und Buttenwiesen, schreibt Jakob.

Das jüdische Erbe in der Region ist noch immer groß. Seit 1609 gibt es in Binswangen eine Synagoge. Der Neubau, wie er heute noch besteht, wurde in den Jahren 1836/1837 erbaut. In Buttenwiesen ist das Dreigespann aus Friedhof, Synagoge und Ritualbad ein Überbleibsel des einstigen jüdischen Lebens am Ort. Auch auf der jüngsten Bürgerversammlung waren die Gebäude ein Thema. Bürgermeister Hans Kaltner verweist darauf, dass das so noch existierende Ensemble Mikwe, Synagoge und jüdischer Friedhof in Deutschland einmalig sei. Die Buttenwiesener Synagoge wurde in der Reichspogromnacht nicht geschändet, aber verwüstet. 1954 wurde sie dann zur Schule umgebaut, zwischenzeitlich war der Kindergarten Bienenkorb dort untergebracht. Momentan wird ein Nutzungskonzept für die Synagoge erstellt, die Bestandsuntersuchungen sind abgeschlossen. Es sei möglich, die Synagoge als Veranstaltungsraum zu nutzen, sagt Kaltner.

Die Restaurierung der Mikwe ist abgeschlossen

Abgeschlossen ist inzwischen die Restaurierung der Mikwe, dem ehemaligen Ritualbad, das gleich neben der Buttenwiesener Synagoge steht und kürzlich der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Bürgermeister Kaltner sagt: „Wir möchten die Mikwe alle vier Wochen am Sonntagnachmittag öffnen, von außen kann man jederzeit reinschauen.“ Mit der Umwidmung des Schulplatzes in Louis-Lamm-Platz werde auch künftig das jüdische Erbe in Buttenwiesen hochgehalten.

Louis Lamm war ein deutscher Buchhändler, Antiquar und Verleger jüdischen Glaubens, der 1943 im Konzentrationslager Auschwitz umgebracht wurde. Als Kind lebte er mit seiner Familie in Buttenwiesen und verfasste später unter anderem eine Buttenwiesener Ortschronik.

Charlotte Knobloch kommt nach Buttenwiesen

Zu dem feierlichen Anlass der Umbenennung kommen am Sonntag, 10. November, um 18 Uhr Charlotte Knobloch, die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden, und Bayerns Kultusminister und Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle nach Buttenwiesen. Wie Bürgermeister Hans Kaltner in den Bürgerversammlungen der Buttenwiesener Ortsteile erklärte, werden Knobloch und Spaenle an diesem Abend die neue Informationstafel über Louis Lamm, die derzeit noch gestaltet wird, enthüllen. Nach dem Festakt wird es eine Diskussion mit geladenen Gästen geben, die von der Jungen Union, Ortsverband Wertingen-Zusamtal, organisiert wird.

Lesen Sie dazu auch:
Ein einzigartiges Mahnmal steht in Buttenwiesen

So sieht ein jüdisches Ritualbad aus

Der Schulplatz wird zum Louis-Lamm-Platz

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren