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Jubiläum

22.05.2020

Mehr als eine halbe Million Liter Saft im Jahr

In dritter Generation führt Firmeninhaber Karl Huber (links) zusammen mit Ehefrau Birgit die Fruchtsaft- und Fruchtweinkelterei Huber in Bissingen. Gegründet wurde die Firma im Jahre 1930 von seinem Großvater Johann Huber. Sohn Jan tritt mittlerweile auch schon in die Fußstapfen des Vaters, Großvaters und Urgroßvaters.
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In dritter Generation führt Firmeninhaber Karl Huber (links) zusammen mit Ehefrau Birgit die Fruchtsaft- und Fruchtweinkelterei Huber in Bissingen. Gegründet wurde die Firma im Jahre 1930 von seinem Großvater Johann Huber. Sohn Jan tritt mittlerweile auch schon in die Fußstapfen des Vaters, Großvaters und Urgroßvaters.

Die Fruchtsaftkelterei Huber in Bissingen produziert seit 90 Jahren. Die Firma wollte sich eigentlich beim Himmelfahrtsmarkt präsentieren. Corona verhinderte dies

Einst als Schäfflerei und Lohnmosterei neben einem parallel dazu existierenden Landwirtschaftsbetrieb gegründet, feiert die heutige Fruchtsaft- und Fruchtweinkelterei Karl Huber in Bissingen ihr 90-jähriges Bestehen. Eines ist dabei aber anders als bei allen vorherigen Firmenjubiläen. Wurde bisher alle fünf Jahre am Tag des Bissinger Himmelfahrtsmarktes in großem Rahmen ein Tag der offenen Tür mit zahlreichen Attraktionen gefeiert, so war dies in diesem Jahr angesichts der Corona-Pandemie nicht möglich. „Wir hatten bei den letzten Jubiläumsfeiern immer so um die 2000 Besucher, das war heuer einfach undenkbar“, sagt Karl Huber, der den Betrieb in dritter Generation seit 21 Jahren leitet und der dabei von Ehefrau Birgit und Sohn Jan unterstützt wird.

Die Fruchtsaft- und Fruchtweinkelterei Huber ist im Kesseltal und weit darüber hinaus als leistungsstarker mittelständischer Betrieb bekannt. Die Angebotsschwerpunkte der Firma haben sich in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg allerdings deutlich verändert und werfen damit auch ein Schlaglicht auf den gesellschaftlichen Wandel in den vergangenen Jahrzehnten. Im Jahre 1930 wurde die Firma einst von Johann Huber, dem späteren langjährigen Zweiten Bürgermeister von Bissingen, als Lohnmosterei und Schäfflerei gegründet. Das Herstellen von Most aus gekeltertem und vergorenem Apfel- und Birnensaft, schon den Kelten vor mehr als 2000 Jahren bekannt, war wie in anderen Regionen insbesondere auch auf der Schwäbischen Alb mit ihren vielen Streuobstwiesen seit Jahrhunderten geschätzt, weil der Most als Süßmost oder als alkoholhaltiges Getränk preisgünstig hergestellt werden konnte. Nach der Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg und der Gefangenschaft führte Johann Huber die Mosterei und Schäfflerei weiter.

Nach der Übergabe an seinen Sohn Karl Huber erweiterte dieser im Jahre 1972 den Mostereibetrieb um die Fruchtsaftherstellung. Diese wiederum wurde von Karl Huber senior und seinem Sohn Karl, dem heutigen Betriebschef, kontinuierlich auf den heutigen modernen Stand ausgebaut. Neben Mosterei und Kelterei umfasst das Angebot der Firma seit rund vier Jahrzehnten auch einen Weinfachhandel, einen Getränkemarkt und eine Brennerei, deren Produkte immer wieder preisgekrönt sind. Die Schäfflerei, die der Firmengründer Johann Huber einst als wichtiges Standbein seines Betriebes mit Leidenschaft noch mitbetrieb, war Ende der 70er und zu Beginn der 80er Jahre bereits ein aussterbendes Handwerk, was Karl Huber senior stets bedauerte. Die billigeren und praktischeren Plastik- und Aluminiumfässer hatten die alten Holzfässer überflüssig gemacht.

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Karl Huber senior, der in den 50er Jahren eine Schäfflerlehre absolviert hatte, äußerte sein Bedauern auch in einem Artikel in der Donau-Zeitung im Jahre 1996: „Früher habe ich etwa 100 Mostfässer im Jahr hergestellt, heute mache ich gerade noch eines. Und Reparaturen eben. Der Schäffler-Beruf stirbt aus, da sehe ich keine Chance mehr.“

Von Fassdauben, eisernen Fassringen und dem Ausschwefeln von Holzfässern ist heute bei der Firma Huber längst keine Rede mehr. An das einstige Handwerk erinnern am ehesten noch die paar Wochen im September und Oktober, wo die Lohnmosterei – allerdings mit modernen Maschinen – weiter betrieben und von einem großen Kundenkreis geschätzt wird. Zur Jahrtausendwende wurde der Betrieb noch einmal umgebaut und auf den neuesten Stand der Technik gebracht, um eine schonende Behandlung der Früchte und eine hohe Qualität des erzeugten Saftes zu gewährleisten. Viele Kunden legen nach wie vor besonderen Wert darauf, den gepressten Saft aus den eigenen Früchten mit nach Hause nehmen zu können.

Das Einzugsgebiet der Firma Huber reicht über den nördlichen und östlichen Teil des Landkreises Dillingen hinaus bis weit ins Ries hinein, bis nach Weißenburg, in das Augsburger Umland und auch in das benachbarte Württemberg. Verarbeitet werden in erster Linie Äpfel, aber auch Birnen, Zwetschgen und Weintrauben.

Mehr als eine halbe Million Liter werden laut Karl Huber in guten Jahren in seiner Fruchtsaftkelterei verarbeitet. Er verweist darauf, dass in seinem Betrieb rund 30 verschiedene Saftprodukte abgefüllt werden. Gerne hätte er der Öffentlichkeit seine Produkte und seinen Betrieb anlässlich des 90-jährigen Bestehens an Christi Himmelfahrt vorgestellt, doch das wird warten müssen.

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