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Landkreis Dillingen

03.11.2020

Mit einem Ticket im öffentlichen Nachverkehr von Tapfheim bis Wertingen

Im Landkreis Dillingen wird über einen gemeinsamen Verkehrsverbund mit dem Donau-Ries und dem AVV nachgedacht.
Foto: Christoph Kölle/Symbol

Plus Die Landkreise Dillingen und Donau-Ries denken über einen Zusammenschluss mit dem AVV nach. Was das bedeuten würde.

Nicht nur um den Landkreis Dillingen herum – nein, sogar innerhalb der Region sind verschiedene Verkehrsverbünde unterwegs. So reicht der Augsburger Verkehrs- und Tarifverbund (AVV) genau bis Buttenwiesen. Ab da bis nach Zöschingen ist das Unternehmen Schwabenbus unterwegs. Den Busverkehr im Ries bedient die Verkehrsgemeinschaft, kurz VDR, den Zugverkehr bis Donauwörth die AVV.

Ein Beitritt zum AVV wäre für den Landkreis Dillingen teurer, als das alte System beizubehalten. Das schob Dillingens Landrat Leo Schrell bei der Sitzung des Kreisentwicklungsausschusses vorneweg. Doch andererseits hätte der Beitritt mehrere Vorteile. Es wäre für die Kunden einfacher: Sie könnten mit einem Ticket in einem Tarifsystem etwa von Reistingen bis Augsburg, egal ob mit Bus oder Bahn fahren. Das 365-Euro-Ticket für Schüler und Auszubildende werde vom Freistaat auch nur innerhalb größerer Verbünde bezuschusst, ergänzte Schrell. Dieses Ticket gilt etwa im Großraum München oder Nürnberg für je zwölf Monate und ermöglicht jungen Menschen auch während der Ferienzeiten Fahrten quer durch das jeweilige Verbundgebiet.

Studie zum öffentlichen Nahverkehr im Landkreis Dillingen könnte gefördert werden

Die Diskussion um einen gemeinsamen Verkehrsverbund in Nordschwaben bekam im vergangenen Jahr neuen Schwung. Denn jetzt gibt es Fördergelder vom Freistaat, wenn sich Verbünde erweitern. Würden etwa die beiden Landkreise Dillingen und das Donau-Reis ein gemeinsames Gutachten darüber durchführen, wie sinnvoll ein Verkehrsverbund wäre – so könnte diese Studie mit bis zu 92 Prozent vom Freistaat gefördert werden. Inzwischen ist auch bekannt, wer das Gutachten durchführen wird: der AVV. Bereits im Sommer vergangenen Jahres war dem Ausschuss der grobe Rahmen für das Konzept vorgestellt worden.

Bernd Rapp vom Dillinger Landratsamt gab nun den aktuellen Stand bekannt: Einer der beiden Landkreise wird Gesamtzuwendungsempfänger und damit Ansprechpartner für das Ministerium. Übernimmt der Landkreis Dillingen diese Aufgabe – davon geht der AVV in seinem Angebot aus –, so kostet ihn die Teilnahme an der Studie in den nächsten vier Jahren rund 36.000 Euro. Der Landkreis Donau-Ries würde in diesem Fall rund 40.000 Euro mehr zahlen. Eine Idee ist nun, dass die Dillinger diese Zusatzkosten zum Teil übernehmen. Denn: Klinken sich die Rieser ganz aus der Studie aus, müsste der Landkreis Dillingen dafür über vier Jahre verteilt 90.000 Euro zahlen. Ohne das Ries sinkt die Förderung vom Freistaat.

Für ausgedehnte Beratungen ist nicht mehr viel Zeit

Kreisrat und Landtagsabgeordneter Georg Winter sagte: „Mir fallen nur Argumente ein, die dafür sprechen, den Verbund zu beschließen – und es schnell zu tun.“ Nach der Corona-Krise rechnet der CSU-Politiker erst mal nicht mehr mit hohen Zuschüssen. Stattdessen müsste man sich danach vielleicht um mehr Arbeitnehmer und Auszubildende kümmern – auch durch einen guten öffentlichen Personennahverkehr, der wiederum dem Klimaschutz zugutekäme. Und wenn im Zusamtal, das bereits zum AVV gehört, irgendwann das 365-Euro-Ticket eingeführt würde und im Dillinger Bereich dann nicht, das führe zu „lustigen Diskussionen“. Wichtig sei, dass das Ries dabei ist, sonst würde eine neue Grenze geschaffen. Dem stimmte auch Dietmar Bulling (SPD) zu. Er ergänzte, dass sich der Landkreis auch für eine weiterhin gute ICE-Anbindung an Günzburg stark machen sollte. Höchstädts Bürgermeister Gerrit Maneth (Freie Wähler) erklärte, viele seiner Bürger würden Richtung Augsburg pendeln, ein größerer Verbund sei daher sinnvoll. Nur einer bremste etwas: Aislingens Bürgermeister Jürgen Kopriva (Freie Wähler) mahnte, keine Entscheidung vorwegzunehmen, sondern erst mal die Ergebnisse der Studie abzuwarten. „All die Gemeinden links und rechts der Donau dürfen nicht die Abgehängten sein.“

Doch für ausgedehnte Beratungen aller Beteiligten ist nicht mehr viel Zeit. Das Ministerium hat empfohlen, den Förderantrag in Höhe des AVV-Angebots (rund 1,1 Millionen Euro) unbedingt noch in diesem Jahr zu stellen, betonte Rapp. Der Antrag führe nicht gleichzeitig dazu, dass das Angebot des AVV angenommen werde. Laut Landrat könne man jederzeit noch aussteigen. Die restlichen Fragen des Landkreises Donau-Ries können immer noch geklärt werden. Allerdings sei der Landkreis Dillingen dann zwingend der Gesamtzuwendungsempfänger.

Nun wird die Verwaltung gemeinsam mit den Nachbarn im Ries die offenen Fragen klären und dann die Studie beauftragen. Auf drei Jahre verteilt werden insgesamt 91.000 Euro im Haushalt vorgesehen. Die Fördermittel sollen umgehend beantragt werden. Zudem einstimmig beschlossen hat der Ausschuss, dass Landrat Schrell eine Vereinbarung darüber mit dem Landkreis Donau-Ries abschließen kann.

Lesen Sie auch den Kommentar: Öffentlicher Nahverkehr im Landkreis Dillingen: Besser geht immer

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