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Lauingen

11.10.2019

Mit prominentem Charme durch den Darm

Ex-Fußballprofi Jimmy Hartwig erzählt in Lauingen von seinen eigenen Erfahrungen mit Krebs. Im Bild hält er einen der nachgestellten Polypen in den Händen. Die Ausbuchtungen darauf sollen Krebszellen symbolisieren.
Bild: Jonathan Mayer

Plus Eine Krankenkasse klärt mit einem aufblasbaren Modell in Lauingen über Krebs auf. Im Einsatz ist auch Ex-Fußballprofi Jimmy Hartwig. Er hatte selbst zwei Mal Krebs.

Erwin Renner geht regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung. Schon mehrfach wurden bei ihm Polypen entdeckt, die zu Darmkrebs führen können. Jedes Mal wurden sie entfernt, erzählt der 69-jährige Gundelfinger. Renner hatte Glück. „Vorsorge ist wichtig. Die sollte man auf jeden Fall machen“, empfiehlt er.

Renner gehört zu den zahlreichen Besuchern, die sich am Freitag auf dem Lauinger Marktplatz über Darmkrebs informieren. Auch er macht sich im 20 Meter langen, rosafarbenen Modell des Hochleistungsorgans schlau. Der riesige aufblasbare Schlauch weckt das Interesse der Passanten. Fast den halben Marktplatz füllt er aus. In der Röhre ist aus nächster Nähe zu erfahren, wie ein Darm von innen aussieht und wie er funktioniert. Entlang der Gummiwände stellen sich den Besuchern immer wieder pilzförmige Fortsätze in den Weg – die Polypen. An ihnen, das macht das Modell deutlich, können sich im Lauf der Zeit Krebszellen bilden. Werden diese nicht frühzeitig erkannt, kann das tödlich enden.

Jimmy Hartwig klärt in Lauingen über seine eigene Erkrankung auf

Darmkrebs gilt als zweithäufigste Krebserkankung in Deutschland, Männer sind laut Statistik deutlich häufiger betroffen als Frauen. Rund 59.000 Menschen erkranken jedes Jahr daran, etwas weniger als die Hälfte davon überlebt die Krankheit nicht. Dabei könnten mehr Menschen überleben.

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Einer, der sich mit dem Thema auskennt, ist Jimmy Hartwig, Ex-Fußballprofi des HSV und der Münchner Löwen. Er wirbt seit acht Jahren als Gesundheitsbotschafter für Krebsvorsorge – und steht am Freitag mehr als fünf Stunden auf dem Marktplatz, um die Menschen aufzuklären.

Der heute 65-Jährige weiß, wovon er spricht: Zwei Mal erkrankte er an Prostatakrebs. Vor rund 28 Jahren erhielt er die erste Diagnose. „Meine Ärzte waren Dilettanten. Die sagten, ich hätte noch zwei Jahre zu leben“, erzählt er. Daraufhin habe er sich aufgegeben. Aber: „Ich war immer schon ein Kämpfer, also habe ich mich irgendwann gegen den Krebs gewehrt. Heute stehe ich immer noch hier.“ Seit acht Jahren engagiert sich Hartwig, der für seine lockere Art und frechen Sprüche bekannt ist, als Gesundheitsbotschafter. Mehrfach erzählt er in Lauingen seine Geschichte, betont die Bedeutung frühzeitiger Vorsorge. Auch er selbst habe sich nicht frühzeitig untersuchen lassen. „Als Fußballprofi denkst du da nicht dran. Ich war voll im Saft, voll funktionsfähig.“ Kurz nach Ende seiner Karriere kam dann die Diagnose: „Das war ein Schlag in die Fresse. Aber manchmal braucht man den, um aufzuwachen.“

So sieht das 20 Meter lange aufblasbare Darmmodell von außen aus. Anhand von Schildern kann man sich innen über Vorsorge informieren.
Bild: Jonathan Mayer

Als Gesundheitsbotschafter wirbt Hartwig für Krebsvorsorge. Was ihm dabei besonders auffällt? „Die Leute informieren sich heute mehr als früher. Das Thema ist viel präsenter.“ Trotzdem scheuten sich viele noch immer vor einer Darmspiegelung. Vor allem für Männer, die sich ab dem 50. Lebensjahr untersuchen lassen sollten, sei das Thema oft ein Tabu. In den vielen Gesprächen bringt er den Menschen das Thema näher.

Auch Angst vor der Untersuchung spiele oft eine Rolle, erklärt Dr. Hans-Joachim David vom medizinischen Dienst der Krankenversicherung. Die sei jedoch unbegründet. „Von der Untersuchung merkt man gar nichts.“ Denn während der Darmspiegelung schlafen die Patienten dank eines Medikaments. Nach 20 Minuten sei alles wieder vorbei. Währenddessen werde Luft in den Darm gepumpt, um ihn zu dehnen. So können die Mediziner die Innenwand des Organs genau untersuchen. Die Wahrscheinlichkeit einer Verletzung beträgt David zufolge 0,5 Prozent. Nur eine häufige Nebenwirkung gebe es: „Viele haben nach der Untersuchung Blähungen. Die Luft muss ja irgendwie auch wieder raus“, sagt er und lacht.

Zu den belastenden Faktoren zählen Rauchen und Alkohol trinken

Für die Vorsorge tun könne jeder etwas: Belastende Faktoren seien etwa Übergewicht, Rauchen, Alkohol trinken, zu wenig Sport und sehr fleischreiche Ernährung. Durch regelmäßige Bewegung und ballaststoffreiche Kost könne man dem Darmkrebs entgegenwirken.

Für den Gundelfinger Erwin Renner waren die Untersuchungen nie unangenehm, erzählt er. Nur die Spülung, die man vorher trinken muss, um den Darm zu reinigen, habe früher seltsam geschmeckt. „Heute ist das besser. Es schmeckt irgendwie fruchtig“, sagt er. Obwohl bereits Polypen bei ihm gefunden wurden, habe er keine Angst vor einer Erkrankung. „Solange sie gutartig sind, und man was machen kann, belastet mich das nicht.“

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