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Blindheim

31.01.2021

Nach Bürgerentscheid in Blindheim: So geht es weiter

Am Sonntag fang der Bürgerentscheid in der Gemeinde Blindheim statt. Die Abstimmungsbeteiligung war groß – auch beim Urnengang. Ein spezial erarbeitetes Hygienekonzepte war deshalb notwendig. Das Bild entstand im Abstimmungslokal in der Schule in Blindheim.
Foto: Karl Aumiller

Plus Die Mehrheit hat abgestimmt, dass sich die Gemeinde um einen Supermarktinvestor bemühen soll. Die Firma Miller, die bisher mit der Gewerbefläche geplant hat, macht einen neuen Vorschlag.

Die Blindheimer Bürger hatten die Wahl und sie haben sie genutzt. Von 1437 Abstimmungsberechtigten in der Gemeinde haben sich insgesamt 896 Personen am Bürgerentscheid beteiligt. Sprich 62,35 Prozent der Blindheimer hatten am Sonntag die Möglichkeit, mitzuentscheiden, was Bürgermeister und Gemeinderat mit der noch freien Gewerbefläche „An der Bahn“ machen sollen. Und obwohl der gelbe Zettel mit drei unterschiedlichen Fragen durchaus eine Herausforderung war, so ist das Ergebnis eindeutig: 500 Ja-Kreuzchen bei der Frage des Bürgerbegehrens haben gereicht. Damit wollen 58,69 Prozent der Abstimmungsberechtigten, dass sich die Kommune darum bemühen soll, dass ein Supermarkt in Blindheim realisiert wird. Und zwar genau auf dieser Fläche.

Das sagen Vertreter des Bürgerbegehrens

Markus Grob von der Höchstädter Stadtverwaltung sagt am Montag, dass dieses Ergebnis endgültig ist. „Die Abstimmungsbeteiligung war hoch, auch am Tag selbst noch“, so Grob weiter. 769 Frauen und Männer haben im Vorfeld die Briefwahlunterlagen angefordert, zur Urne sind am Abstimmungstag weitere 213 Bürger gekommen. Abgestimmt wurde in zwei Lokalen – Blindheim und Unterglauheim/Wolpertstetten – und das unter strengsten Hygienevorschriften. Ein entsprechendes Konzept sei im Vorfeld erarbeitet worden. „Es gab einen extra Eingang und einen extra Ausgang. Jeder hat seinen eigenen Kugelschreiber erhalten und nach jedem Gang zur Urne wurde alles desinfiziert“, erklärt Grob. Maske und Abstand seien selbstverständlich gewesen. So sei ein reibungsloser und zügiger Ablauf am Abstimmungstag möglich gewesen.

Dass es ab jetzt zügig weiter geht, dass wünscht sich auch Sabrina Walenta. Sie ist eine der Initiatoren des Bürgerbegehrens und die zweite Vertreterin. Sie sagt auf Nachfrage: „Für mich war es von Vornerhein klar, dass wir gewinnen werden. Wir hatten ja schon binnen kürzester Zeit die notwendigen Unterschriften, um ein Bürgerbegehren starten zu können.“ Trotzdem sei die Freude groß gewesen, als am Sonntagabend das Votum für einen Supermarkt auf der Gewerbefläche offiziell wurde.

Doch keine Kieswaschanlage?

Denn laut Walenta sei der Bürgerentscheid, speziell die verschiedenen Fragestellungen, für viele Bürger nicht einfach nachzuvollziehen gewesen sein. „Vor allem Ältere haben sich schwergetan, zu verstehen, um was es eigentlich geht. Immer wieder haben mich Leute angerufen und mich gefragt, um was es geht“, schildert sie. Ihr Antrieb, ihre Frage sei immer die nach einem Supermarkt gewesen. Sie und die weiteren Initiatoren des Bürgerbegehrens hätten auch nie von einer Kieswaschanlage gesprochen. Und: „Wir wollten auch nie jemanden angreifen oder einen Streit haben. Wir wollten einfach wissen, was sich der Bürger wünscht. Und ich finde, dass ein Bürgermeister und ein Gemeinderat das Interesse der Bürger doch wissen sollten“, sagt Walenta. Dass die Supermarkt- und Standort-Debatte solch hohe Wellen geschlagen habe, unterstreiche dies. Laut Sabrina Walenta habe sie viele positive Rückmeldungen auch von Bürgern aus Nachbarorten erhalten. „Dass einfach mal jemand hingestanden ist und gesagt hat, das machen wir jetzt.“

Dennoch, das sagt sie am Montag auch, glaube sie, dass vieles einfacher gewesen wäre, „wenn wir uns gleich zusammengehockt hätten“. Aus ihrer Sicht sei nun der Bürgermeister am Zug, außerdem wüssten alle Beteiligten von den konkreten Plänen zweier Interessenten sowie einem dritten Investor. Letzterer, so schildert es Walenta, habe das Ergebnis des Bürgerentscheids abgewartet. „Ich hoffe, dass jetzt alles zügig vorangeht. Man weiß ja nie, was noch kommt“, sagt sie.

So geht der Bürgermeister jetzt vor

Das weiß auch Bürgermeister Jürgen Frank nicht. Aber, und das betont er auch einen Tag nach der Entscheidung deutlich: „Das Ergebnis ist völlig in Ordnung und von der Sache her bin ich ja gar nicht so weit weg.“ Schon vor zwei, drei Jahren habe die Gemeinde bereits versucht, dort einen Supermarkt in Erwägung zu ziehen. Damals, so Frank, habe es keinerlei Interessenten gegeben. „Deshalb war das Thema für uns erst mal vom Tisch“, sagt er. Nun ist es wieder da. Mehr denn je. Beide Seiten, Rats- und Bürgerbegehren, hätten laut Bürgermeister im Vorfeld der Abstimmung viel unternommen und jeder für seine Sache geworben. Deshalb gehe er auch davon aus, dass alle Bürger eine bewusste Entscheidung getroffen hätten. Im ersten Schritt müsse er mit der Stadtverwaltung in Höchstädt nun klären, wie es rechtlich weitergeht. „Denn momentan gibt es noch einen gültigen Beschluss, dass die Fläche an die Firma Miller verkauft werden soll. Den müssen wir vermutlich erst mal aufheben“, so Frank.

Und dann wolle er sich mit den Millers zusammensetzen und besprechen, wie es auch für das Unternehmen weitergehen kann – parallel zur Kontaktaufnahme mit den möglichen Supermarkt-Interessenten. Die wolle er anschreiben, dass die Gewerbefläche „An der Bahn“ frei sei und am Donnerstag bei der Gemeinderatssitzung solle ein grober Fahrplan besprochen werden. Und: „ Ich gehe davon aus, dass die Firma Miller mit der Gemeinde eine Lösung finden wird. Aber natürlich muss sich jeder Unternehmer irgendwann Gedanken machen, wie es weitergeht, wenn die Kommune nicht das bieten kann, was sie will.“

Um diese Fläche geht es: Der Wunsch der Bürger ist es, dass genau dort ein Supermarkt realisiert werden soll.

Bernhard Miller macht sich Gedanken. Das Ergebnis des Bürgerentscheids habe ihn deshalb „nicht ganz so überrascht“. Dennoch, das sagt er gegenüber unserer Zeitung deutlich: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass auf dieser Fläche nichts passieren wird. Aber nun sind die Befürworter des Supermarktes am Zug. Den bisherigen Versprechungen müssen nun Taten folgen. Wir sind auf jeden Fall vorerst ausgebremst“, so Miller. Wie berichtet, hat der Geschäftsführer der Blindheimer Erdbau- und Abbruchfirma auf genau dieser Fläche eine große Bodenreinigungsanlage geplant. Diese Pläne stießen vor allem bei den Anwohnern auf heftige Ablehnung. Und jetzt? Trotz noch gültigen Beschlusses wird die Fläche wohl nun doch nicht an die Firma Miller verkauft werden. „Wir sind ebenfalls Demokraten und halten uns an das Abstimmungsergebnis. Das ist völlig klar. Auch, wenn es uns schon ein wenig weh tut. Wir sind lange hingehalten worden und uns sind bereits auch Kosten entstanden“, sagt Miller.

Ein ganz neuer Vorschlag der Firma Miller

Trotzdem wolle er der Kommune einen weiteren Vorschlag unterbreiten. Einen, so der Firmenchef weiter, der so noch nie diskutiert werde. „Die Fläche ist circa 13000 Quadratmeter groß. Für einen reinen Supermarkt würde auch die Hälfte reichen. Heißt: Die andere Hälfte wäre theoretisch frei“, erklärt Bernhard Miller. Und auch die halbe Fläche würde für ihn als Kauf in Frage kommen, denn er brauche am Standort Blindheim in jedem Fall mehr Flächen. „Aber dann ist auch klar, dass dort auf keinen Fall eine Bodenreinigungsanlage kommt“, so Miller. Dies wolle er dem Gemeinderat vorschlagen, das wäre für ihn ein „gangbarer Weg“.

Bürgermeister Jürgen Frank ist dagegen am Tag nach dem Bürgerentscheid vor allem wichtig, dass die Unruhe in der Gemeinde aufhören müsse. Er spricht sogar von einer Spaltung des Dorfes. „Wir probieren jetzt, dass ein Supermarkt herkommt. Aber seitens des Bürgerbegehrens wurden bei der Bevölkerung hohe Erwartungen geweckt.“ Wagemutigen Aussagen müssten nun Fakten folgen. „Hoffentlich kehrt dann wieder mehr Ruhe ein – auch im Gemeinderat“, so Jürgen Frank.

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