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Schicksal

19.04.2019

Nach Messerattacke in Wien: "Ich hatte Glück, dass ich noch lebe"

Der Wirt der Wallfahrtsgaststätte Maikäfer in Buggenhofen, Meinhard Steinle, wurde in Wien Zufallsopfer einer Messerattacke.
Bild: Bertold Veh

Plus Meinhard Steinle, der Wirt der Wallfahrtsgaststätte Maikäfer in Buggenhofen, wird in Wien zufällig Opfer einer Messerattacke. Wie es ihm geht.

Das zarte Licht der Frühlingssonne gibt dem Gasthaus Maikäfer in Buggenhofen an diesem Spätnachmittag einen besonderen Glanz. Nebenan grüßt die Wallfahrtskirche, die vor Kurzem wiedereröffnet wurde. Schäferhündin Finni trottet über den Hof der Ausflugs-Gaststätte. Und Maikäfer-Wirt Meinhard Steinle sitzt auf einem Stuhl und genießt die Idylle. Die friedliche Atmosphäre steht jedoch in krassem Gegensatz zu dem, was der Kesseltaler vor wenigen Tagen in Wien erlebt hat. Denn der 53-Jährige wurde auf dem weltberühmten Zentralfriedhof Opfer einer Messerattacke. Und Meinhard Steinle sagt: „Ich hatte Glück, dass ich noch lebe.“

Rückblende. Es ist Ende März – und noch Vorsaison in der Wallfahrtsgaststätte Maikäfer, die Steinle seit 18 Jahren betreibt. Der Kesseltaler entschließt sich unter der Woche zu einem Kurzurlaub. Und Steinle ist sich nicht ganz sicher, ob er Skifahren gehen oder sich für eine Städtereise entschließen soll. „Da habe ich mich dann für einen Kulturtrip nach Wien entschieden, weil ich Angst hatte, dass ich mir beim Skifahren etwas brechen könnte“, berichtet Steinle. Der Kesseltaler reist nach Wien – und am Mittwoch, 27. März, steht für ihn der Besuch des Zentralfriedhofs auf dem Programm.

Der Mann sticht mehrfach mit dem Messer zu

Der Gastwirt geht gleich morgens um 8 Uhr los. „Ich wollte die Ruhe genießen.“ Zwei Stunden lang sieht er sich auf der Kultstätte um, in der Legenden wie Beethoven, Schubert, Hans Moser, Udo Jürgens oder Falco begraben sind. Steinle will den Zentralfriedhof gegen 10.15 Uhr gerade verlassen, als das Unfassbare geschieht. Ein Unbekannter kommt ihm entgegen und schaut ihn „mit einem stechenden Tunnelblick voller Hass und Aggression“ an. In diesem Moment ahnt der Wirt, dass etwas Schreckliches passieren wird.

Ein Österreicher, der laut Steinle Migrationshintergrund habe, schlägt auf ihn ein, zückt schließlich ein Messer und sticht mehrfach zu. Der Kesseltaler schützt sich mit seinem linken Arm, der Angreifer habe auf Herz und Hals gezielt. Mit einem Autofahrer verfolgt Steinle den 30-Jährigen, der auch noch Friedhofswärtern ins Gesicht geschlagen habe. Die Polizei nimmt schließlich den Tatverdächtigen fest. Er sei in einem psychischen Ausnahmezustand gewesen, informiert die Landespolizeidirektion Wien. Die Ermittler werten die Tat als Mordversuch, sagt Steinle.

Steinle wird drei Mal in Wien operiert

Der Maikäfer-Wirt merkt erst während der Verfolgung, dass er viel Blut verloren hat. „Es wurde auf einmal nass und warm.“ Der Rettungsdienst bringt den Schwerverletzten in das Allgemeine Krankenhaus Wien. Die Verletzung erweist sich als schwer, der Tatverdächtige hat Steinle längs durch den Arm gestochen. Der Kesseltaler muss drei Mal operiert werden. Inzwischen ist er nach Hause zurückgekehrt.

Meinhard Steinle hat anfangs mit seinem Schicksal gehadert. „Ich habe mich schon gefragt, warum das ausgerechnet mir passieren musste.“ Die Zufälligkeit mache ihm zu schaffen, denn nach Mitteilung der Landespolizeidirektion Wien hat der Tatverdächtige Steinle in der Tat wahllos attackiert. Der Kesseltaler war zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort. Und jetzt sorgt sich Steinle, der vor fast 30 Jahren seine Lehrerlaufbahn aufgegeben hat und Gastwirt wurde, um seine Existenz. Und das nicht nur, weil sich seine Krankenkasse bisher weigerte, die Behandlungskosten von etwa 20000 Euro zu übernehmen.

Glaube an Gott hilft dem Kesseltaler

Steinle hofft, dass die Verletzung wieder vollständig verheilt. Denn der 53-Jährige hat zwar Helfer, den Großteil der Arbeit in der Gaststätte erledigt er aber selbst. „Ich hoffe, dass ich bald wieder richtig zupacken kann“, sagt der gebürtige Unterliezheimer. Steinle hat in dieser Krise viele ermutigende Erfahrungen gemacht. Es habe ihn sehr bewegt, wie ihn sein Team unterstützt habe. Und auch der Zuspruch von seinen treuen Gästen habe ihm sehr gutgetan. Steinle ist ein gläubiger Mensch, er war Ministrant, Organist, Mesner und Theologie-Student im Priesterseminar. Und nach der Todesangst empfindet der Kesseltaler die Heilungsfortschritte als eine Art Wiederauferstehung. „Für mich hat dieser Tiefschlag auch eine Rückbesinnung auf die Erfahrung gebracht, dass wir doch von Gott getragen sind“, sagt Steinle. Solche Gedanken gingen im Alltag leider oft unter.

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