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Dillingen

12.01.2020

Nach Schlaganfall gemeinsam wieder am Leben teilnehmen

Mathilde Hafner, Aloisia Dudik, Marianne Hurler, Susanne Schmidt-Fischer, Rosmarie Schütz und Gertrud Gebele (von links) sind seit vielen Jahren Mitglieder der Selbsthilfegruppe Schlaganfall.
Bild: Tanja Ferrari

Plus Laufen, sprechen, essen: Nach einem Schlaganfall müssen Betroffene oft alles neu erlernen. Ein schwerer Weg, den sie aber nicht alleine gehen müssen. Eine Dillinger Selbsthilfegruppe bietet Halt.

Es ist ein ganz normaler Morgen vor rund 20 Jahren, der für Susanne Schmidt-Fischer zu einem Albtraum wird. Ihr damals 14-jähriger Sohn hatte noch geschlafen, als es ihr auf einmal schwindelig wurde. „Ich habe gemerkt, dass es mir nicht gut geht und etwas nicht stimmt“, erinnert sich die gelernte Diplom-Ingenieurin. Doch als sie den Notruf alarmieren wollte, konnte sie sich nicht mehr an die richtige Telefonnummer erinnern. Ihr Sohn, der inzwischen aufgewacht war, merkte sofort, dass etwas mit seiner Mama nicht stimmte. Entschlossen kontaktierte er die rund 150 Kilometer entfernt lebenden Eltern von Schmidt-Fischer. „Denen hat er damals erzählt, dass ich mich benehme, als wäre ich betrunken“, erzählt sie. Es ist nicht das letzte Mal, dass die Dillingerin ihrer Krankheit wegen für eine Alkoholikerin gehalten wird. Selbst heute würde ihr das noch regelmäßig passieren. „Gerade am Telefon werde ich häufig gefragt, ob ich getrunken habe“, sagt sie und verzieht die Lippen zu einem gezwungenen Lächeln. Doch es ist nicht der Alkohol, der ihr zu schaffen macht, sondern die Folgen eines Schlaganfalls. Aufgrund ihres Hirnschadens hat Schmidt-Fischer sowohl mit der Sprachverarbeitung, als auch dem Sprechen Probleme: Sie ist Aphasikerin.

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Sie brachte kein Wort über die Lippen

Sprechen, Schreiben, Lesen und Verstehen: Alles was selbstverständlich scheint, musste sie wieder neu erlernen. „Ich konnte die einfachsten Dinge nicht mehr sagen, als ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde“, erinnert sie sich. Zwar konnte sie die Sonne auf einem Bild erkennen, doch über die Lippen brachte sie das Wort in der ersten Zeit nach ihrem Schlaganfall nicht. Für die gelernte Diplom-Ingenieurin brach eine Welt zusammen. Sie wünschte sich einen Austausch mit anderen Betroffenen und gründete deshalb eine Selbsthilfegruppe. Zunächst fanden die Treffen in Günzburg statt und seit elf Jahren in Dillingen. Sie treffen und helfen sich.

Wieder Lebensqualität gewinnen

Im vergangenen Jahr feierte die Gruppe ihr Jubiläum. „Es ist wichtig, dass man mit seiner Krankheit nicht alleine gelassen wird“, betont Schmidt-Fischer. Egal, ob Betroffene oder Angehörige – jeder ist bei den monatlichen Treffen willkommen. Neben den Gesprächen mit den anderen Mitgliedern und gemeinsamen Übungen bietet die Gruppe auch immer wieder Vorträge und Ausflüge an. Das Ziel dabei sei es, die Sprachlosigkeit zu überwinden und wieder mehr Lebensqualität zu erlangen, erklärt Schmidt-Fischer. Immer weniger Menschen finden allerdings den Weg zur Gruppe. „Auf der einen Seite ist das erfreulich, weil die Medizin heute viel besser helfen kann“, sagt die Dillingerin. Viele Menschen würden sich aber auch einfach nicht trauen vorbeizuschauen.

Betroffene und Angehörige sind willkommen

Für Aloisia Dudik war die Selbsthilfegruppe allerdings eine große Stütze. Sie sagt: „Ich habe wieder aus meinem Loch herausgefunden und neuen Mut schöpfen können.“ Nach ihrer Hirnblutung fällt sie zunächst in ein Koma. Als sie nach rund vier Wochen wieder aufwacht, beginnt ein harter Weg. „Laufen, sprechen – alles musste ich neu lernen“, erzählt sie. Ausgelernt hat sie, wie alle anderen Betroffenen, noch lange nicht. Doch inzwischen hat sie ihre Selbstständigkeit Stück für Stück zurückgewonnen. Besonders das Autofahren war dabei ein großer Schritt, bei dem sie die Gruppe unterstützt hatte. Den Zusammenhalt und den gegenseitigen Austausch über die Probleme des Alltags schätzt sie besonders.

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