Newsticker

Höchster Stand seit Mai: Robert-Koch-Institut meldet 1226 Corona-Neuinfektionen
  1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Nicht nur Corona bereitet Dillinger Arbeitsmarkt Probleme

Landkreis Dillingen

17.06.2020

Nicht nur Corona bereitet Dillinger Arbeitsmarkt Probleme

Im Landkreis Dillingen reicht nicht jeder Job zum Leben.
Bild: Anne Wall (Symbol)

Plus Der Dillinger Jobcenter-Chef Michael Künast berichtet über Probleme. Corona allein ist es nicht. Aber es gibt auch Hoffnung.

Seit Dienstag kann man mit Termin wieder das Dillinger Jobcenter betreten. Wochenlang war die Einrichtung am Bayerisch-Hof-Platz in Dillingen coronabedingt geschlossen. Doch Arbeit hatten die 41 Mitarbeiter mehr als genug.

Aktuelle Zahlen des Dillinger Jobcenters

Der Geschäftsführer des Dillinger Jobcenters, Michael Künast, stellte im Sozialbeirat des Dillinger Landkreises am Montagnachmittag aktuelle Zahlen vor. Demnach sind vor zwei Jahren 1243 Bedarfsgemeinschaften vom Jobcenter unterstützt worden. Rund 17 Millionen Euro gibt das Jobcenter pro Jahr aus. Der größte Anteil davon mit 6,1 Millionen Euro macht das Arbeitslosengeld II aus. Kosten für Unterkünfte belaufen sich auf 4,9 Millionen Euro. Außerdem wird jährlich rund eine Million Euro in Eingliederungsleistungen stecken. Mit Blick auf den latenten Mangel an Pflegekräften könnte man Arbeitslose auch dahingehend qualifizieren, sagte Künast. „Nur, die Kunden wollen nicht.“

Landkreis Dillingen: Arbeitsmarkt erholte sich im Mai

Die Verwaltungskosten des Jobcenters betragen rund drei Millionen Euro pro Jahr. Davon trägt der Bund knapp 85 Prozent der Kosten, der Landkreis etwa 15 Prozent. Das entsprich etwa 460.000 Euro. Die Daten seien veraltet, weil die Mitarbeiter, die sich sonst mit der Statistik beschäftigen, zurzeit mit Kurzarbeitsanträgen ausgelastet sind. So seien die Anträge zur Sicherstellung des Lebensunterhalts in der Corona-Krise um 250 bis 300 Prozent angestiegen. Nahezu jeder Fall bedarf einer Prüfung. Binnen zwei bis drei Tagen sei das allerdings erledigt und das entsprechende Geld fließe. Parallel dazu sei der Arbeitsmarkt kaum aufnahmefähig gewesen, das Jobcenter war für die Öffentlichkeit nicht zugänglich und Beratungsgespräche konnten nicht wie gewohnt stattfinden. Doch zumindest die letzten zwei Punkte haben sich inzwischen geändert: Seit Dienstag können Kunden mit vereinbartem Termin wieder das Jobcenter betreten. Und auch der Arbeitsmarkt erholte sich im Mai spürbar.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Von einer Unterstützung über das SGBII seien viele unterschiedliche Bevölkerungsgruppen betroffen. Ein fehlender Berufsabschluss, eingeschränkte Arbeitszeit und vor allem gesundheitliche Einschränkungen würden das Risiko eines Verbleibs im SGB-II-Bezug erhöhen.

Zu schlecht bezahlt, um eine Familie zu ernähren

In den 1125 Bedarfsgemeinschaften würden knapp 950 Kinder unter 18 Jahren leben. 17 Prozent der Erwerbsfähigen in den betroffenen Haushalten seien alleinerziehend. Etwa 25 Prozent haben laut Künast einen Flüchtlingshintergrund. „Wir haben im Landkreis Dillingen weniger ein Problem mit Langzeitarbeitslosen, als vielmehr mit Langzeitleistungsbezug.“ Das heißt, die Kunden des Jobcenters haben zwar Arbeit, aber sie reicht nicht. So würden auch Flüchtlinge schnell Arbeit finden, die aber zu Anfang zu schlecht bezahlt sei, um eine Familie zu ernähren. Es beginne mit Zeitarbeit und Helferdiensten. Eine eigene bezahlbare Wohnung sei so noch schwerer zu finden – zumal, wenn einer eine ganze Familie versorgen muss. „Die Schwierigkeit ist auch hier, einen festen, gut bezahlten Job zu finden. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich die Situation verbessert, weil die Nachfrage nach Arbeitskräften weiter besteht“, sagte Künast.

Schwerpunktthemen vor Corona seien Aktivitäten zur Vermeidung und zum Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit und Leistungsbezug gewesen. Zudem wird durch Qualifizierung versucht, „Hartz-IV-Karrieren“ von jugendlichen und jungen Erwachsenen, deren Eltern selbst Bezieher sind, zu verhindern. Und zuletzt geht es um die Fachkräftesicherung – „auch im Bereich Pflegekräfte“. Künast betonte abschließend, für Wohnen, Nahrung und Leben müsse gesorgt sein, sonst sei der Kopf für die Arbeit gar nicht erst frei. (corh)

Das könnte Sie auch interessieren:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren