1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Oarawuara aus’m Schwoba-Neabl

Bühne

25.02.2019

Oarawuara aus’m Schwoba-Neabl

Die Burgauer Mundart-Truppe „8872“ gastierte zur Premiere ihres neuen Programms „Aufgetaucht“ in Lauingen. Von links: Hermann Skibbe, „Schorsch“ Karl Bader, Elias Smalko, Markus Kraus, Michael Smalko, Thommi Stottrop und Martin Köhler.
Bild: Hans Gusbeth

Wie die Burgauer Mundartgruppe „8872“ zwischen Moscht und Läbrwurscht mit ihrem neuen Programm wieder im Lauinger Stadeltheater auftaucht. Und wie dieser schräge Auftritt beim Publikum ankommt

Vor gut einem Jahr tauchten sie in unseren Gefilden zum ersten Mal auf. Emporgewirbelte Mindel-Sedimente entstiegen als anachronistische Postleitzahlen den (sch)wabernden Donaunebeln. Am Samstagabend landeten sie gar auf Harry Belafontes „Banana Boat“, verschwäbelt und vernebelt versteht sich, im Lauinger Stadeltheater. Nebel verbindet, bildet gar eine Nebel-Autobahn von der Mindel zur Donau bis hin in die ersten Reihen des Stadeltheaters. Und der dichte Bühnennebel bot dem Schorsch die Gelegenheit zu seinem Tractatus philosophicus über Nebel, Moscht, Läbrwurscht und sonstige Dinge in und um seine Inge aus Ingingen und Schwablantis. Als „8872“ mäandert er mit Markus Kraus, Michael Smalko, Elias Smalko, Martin Köhler, Thommi Stottrop und Mastermind Hermann Skibbe musikalisch und poetisch durch ein mundartliches Mindelwertigkeits-Tal.

Dabei versuchen sie den wahren schwäbischen Dialekt vom Niederalemannischen, vom Bairischen, vom Fränkischen und besonders vom Württemberger-Schwäbisch („keine Kehrwoche“) zu schützen. Das ist nicht einfach. Denn fast genau dort, wo die Mindel von der Donau geschluckt wird, mündet auch die württembergische Brenz, mundartliche Migrationsprobleme sind programmiert. Schorsch (Karl Bader), der Philosoph unter den Blaumann- und Gummistiefelträgern, ist zudem sauer auf den Zauberer vom Zuckerberg (sprich: Sackerbörg), der seine analoge Inge aus Ingingen mit digitalem Instagram, Twitter und Facebook verzaubert hat. Und während lokale Realpolitiker ruhelos nach einem Anschluss an Highspeed-Netze rufen, ist er mit seiner Inge auf der Suche nach einem Funkloch, um endlich Ruhe zu finden.

Doch der Nebel lichtet sich, als 8872 „Schwäbischen Wein“ in alte Udo-Jürgens-Melodien fließen lassen. Jürgens Drews Ballermann-Gassenhauer wird zum „Bett im Maisfeld“ („Let your love grow“), der „Schnitzeltango“ (Hernando´s Hideaway“) zum Loblied auf Panade und Remoulade und „Mei komm i heit mea schlecht drher“ zur Nationalhymne aller Apothekenumschau-geschädigten Hypochonder. Nicht fehlen dürfen natürlich auch die alten „8872“-Schwablantis-Hits wie „Drecksglomb“ (Sexbomb), „Gommistiefblues“, „Er wohnt bei dr Mama“ (Sweet home Alabama), „Des gaht et“ (Venus – she´s got it). Doch die Skibbe-Truppe mixte bei der Premiere ihres neuen Programms geschickt Altes mit Neuem, Eigenes mit Adaptierten, wagt sich in Standup-Comedy, in Poetry-Slam und Improvisationstheater und bietet eine authentische Bühnen-Spontanität.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Sie blödeln so intelligent etwa über die „Blaualge vom Auwaldsee“, dass die Geschichte des amerikanischen Jazz (Bluegrass-Musik) wohl neu geschrieben werden muss. Man nimmt es „8872“ ab, dass es ihnen selbst auch Spaß macht. Und deshalb macht es auch dem Publikum im ausverkauften Lauinger Stadeltheater Spaß. Der Funke springt über.

Was will ein Künstler mehr, was will ein Publikum mehr? Höchstens mehr vom Schorsch seiner Läbrwurscht. Selbst die konnte man nach der Vorstellung erwerben.

im Stadeltheater: 16. März, Wellküren, 5. April, Pimento – Drum Light Show, 12. April, Couplet-AG. Und ganz neu: 11. Mai, Chris Kolonko – Unerfüllte Träume.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren