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Landkreis Dillingen

26.06.2020

Probleme in Dillinger Wäldern: Wenn ein asiatischer Pilz Bäume auslöscht

Das Eschentriebsterben ist der Grund für die Fällung zahlreicher Eschen im Landkreis Dillingen. Verursacht wird die Krankheit durch einen Pilz namens „Falsches Weißes Stängelbecherchen“, der aus Asien eingeschleppt wurde.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbol)

Plus Es ist Woche des Waldes. In der Region haben Waldbesitzer viele Sorgen. Nicht nur das Eschentriebsterben macht dem Forst im Landkreis Dillingen zu schaffen.

Der Landkreis Dillingen ist reich. Reich an begrünten Auenwäldern entlang der Donau. Fichtenwälder laden zudem im Süden zum Spazieren ein. Im Norden locken vor allem gemischte Laubwälder. Vom 22. bis 28. Juni soll diese Vielfalt gefeiert werden. Denn es ist Woche des Waldes. Ein Jahr reiche überhaupt nicht aus, um die Vielfalt des Waldes auch nur ansatzweise kennenzulernen, heißt es auf der Webseite des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Daher laute das Motto – wie im vergangenen Jahr – „Biodiversität im Wald“.

Woche des Waldes: Keine Veranstaltungen im Landkreis Dillingen

Marc Koch ist Bereichsleiter des Forstamtes in Wertingen. Er kann bestätigen, dass in diesem Zeitraum normalerweise Veranstaltungen und Waldführungen für alle Interessierten organisiert werden. „Wir hatten unter anderem eine Mittsommernacht-Wanderung durch den Wald geplant“, sagt Koch. Doch in Zeiten der Corona-Krise können auch beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten keine Veranstaltungen stattfinden. Zu tun gibt es für die Mitarbeiter jedoch mehr als genug: Sie sind mit dem Waldschutz beschäftigt. Marc Koch nennt hierzu die Stichwörter Eschentriebsterben, Fichten-Borkenkäfer und Eichenprozessionsspinner.

Seit über zehn Jahren breitet sich das Eschentriebsterben unaufhaltsam in Bayern aus und hat inzwischen einen Großteil der heimischen Eschen befallen. Die naturnahen Auwälder entlang der Donau sind sehr eschenreich. Die Wälder setzen sich zu rund 60 Prozent aus dieser Baumart zusammen. Mittlerweile gebe es mindestens zehn Prozent weniger Eschen, sagt Koch. Die Esche galt als robuster, „klimafester“ Baum, der trockene als auch kalte Phasen gut übersteht – bis der aggressive Pilz kam.

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„Falsche Weiße Stängelbecherchen“: Ein aus Asien eingeschleppter Pilz

Schuld ist das „Falsche Weiße Stängelbecherchen“. Ein aus Asien eingeschleppter Pilz. Die Krankheit befällt die Eschen über die Blätter und Triebe, daher der Name Eschentriebsterben. Von dort aus dringt er weiter in die Äste und das Holz der Bäume vor. Man kann die kranken Eschen gut an ihren lichten Kronen mit ihren abgestorbenen Zweigen und Ästen erkennen. Im weiteren Verlauf der Krankheit kommt es häufig zum Absterben des Baumes. An sich könnte man die befallenen Bäume stehen lassen. Besonders alte und große Bäume, an Straßen und Wegen, sind aber ein Problem für die Verkehrssicherheit. Der Forstbereichsleiter beschreibt die Forschungsarbeit nach einer resistenten Esche mit der Suche nach dem Heiligen Gral. „Wir haben noch keine Esche gesehen, die sich von diesem Pilz komplett erholt hat“, sagt er. Für die toten Eschen werden andere heimische Baumarten angepflanzt: Berg- und Spitzahorn, Erlen oder Weiden. Am Waldrand sind zudem neu gepflanzte Kirschbäume eine Augenweide und bieten Insekten Nahrung. Die gefällten Eschen finden immerhin noch eine Verwendung als Brennholz.

Eichenholz, das vom Eichenprozessionsspinner befallen ist, kann hingegen nicht mehr als Brennholz verwendet werden. Beim Eichenprozessionsspinner handelt es sich um einen Nachtschmetterling, der von Ende Juli bis Anfang September schwärmt. Die älteren Raupen bilden große Gespinstnester an Stämmen und in Astgabelungen, die toxische und allergische Reaktionen hervorrufen können. Seit einigen Jahren weitet sich das Verbreitungsgebiet des Eichenprozessionsspinners in Bayern erheblich aus. Der Schädling kommt mittlerweile im Landkreis Dillingen flächendeckend und mit deutlich erhöhten Populationsdichten vor, heißt es aus dem Landratsamt Dillingen. Das ist besonders tragisch, wenn man bedenkt, dass die Eiche einen wichtigen Lebensraum für viele Tiere darstellt. Es kreucht und fleucht auf der Eiche: „Rund 500 Tierarten haben sich auf diesen Baum spezialisiert“, sagt Koch.

Gar nicht einfach, den Eichenprozessionsspinner zu bekämpfen

Das Bekämpfen des Eichenprozessionsspinners ist gar nicht so einfach: Mit Spritzen wird ein zugelassenes Biozid auf die frischen Blätter gesprüht. „Die Jahrgangsraupe kriegt man damit klein, die Nester vom Vorjahr jedoch nicht. Diese können fünf bis sechs Jahre später noch Allergien auslösen“, erklärt Koch. Dann helfe nur noch das Absaugen der Nester mit einem Spezialgerät sowie Schutzmontur und Atemmaske. Dass manche Eichen bis zu 30 Meter hoch sind, macht es nicht einfacher. „Das würde doppelt so viel kosten, wie ein Baum wert ist“, gibt Koch zu verstehen, „das kann sich keiner leisten“. Dass manche Gebiete in den Auwäldern, wie in Lauingen, deshalb für längere Zeit gesperrt werden müssen, sei daher unvermeidlich.

Beim Pflanzen neuer Bäume gebe es jedoch Einschränkungen, merkt Koch an: „Vielen Baumschulen, die von uns Aufträge übernehmen, fehlt wegen Corona das Personal, welches oftmals aus Osteuropa kommt.“ Nicht nur die Arbeitskapazität sei ein Problem. Es gibt zwei Pflanzzeiten: im Frühjahr von März bis Ende April und im Herbst von Oktober bis zum Wintereinbruch. Doch im April war es deutlich zu trocken zum Pflanzen.

Auch Fichtenwälder bleiben nicht verschont

Auch die Fichtenwälder der Region bleiben nicht verschont. „Der Fichten-Borkenkäfer ist jedes Jahr ein Problem“, sagt der Leiter der Forstverwaltung. Im April war es besonders trocken – das bot dem Käfer perfekte Bedingungen. Der Borkenkäfer konzentriert sich vor allem auf schwache Bäume. Er könne unterscheiden, ob eine Fichte gute oder schlechte Abwehrkräfte habe, so Koch, der betont, dass es im Gegensatz zum Eschentriebsterben Handlungsmöglichkeiten gebe. Die vereinzelt angegriffenen Fichten müssen gefällt und mindestens 500 Meter vom Wald entfernt gelagert werden.

Gefährlich wird es erst, wenn der Käfer nicht gefunden wird und viele schwache Bäume im Wald stehen. Für die unermüdliche Arbeit der Waldbesitzer spricht Bereichsleiter Koch ein Lob aus. Denn über die Hälfte der Wälder in Bayern ist in Privatbesitz. So ist es auch im Landkreis Dillingen. „3500 Waldbesitzer im Landkreis leisten Unglaubliches“, betont Marc Koch. Sie würden mit großem Aufwand dafür sorgen, dass ihre Wälder sicher sind – und das, obwohl sie nicht vom Wald leben könnten. Daher biete die Forstverwaltung den Waldbesitzern eine kostenlose Beratung und Förderprogramme an.

Forstbereichsleiter Marc Koch hat übrigens einen Lieblingsbaum: den Birnbaum. „Nicht nur, weil ich gerne Birnen esse, sondern weil das Holz eine sehr schöne Maserung hat“, erklärt Koch.

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