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Dillingen

06.11.2019

Prozess: Renitente Senioren trauen der richtigen Polizei nicht

Zwei Rentner mussten sich vor dem Dillinger Amtsgericht verantworten.
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Plus Zwei renitente Rentner rangeln mit Beamten im Einsatz. Selbst vor Gericht sind die beiden weiterhin misstrauisch.

Dass sich Betrüger als Polizisten ausgeben, um so Menschen hinters Licht zu führen, ist eine altbekannte Masche. Auch in der Region meldet die (richtige) Polizei regelmäßig Fälle von falschen Ordnungshütern.

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Dies hatten zwei misstrauische Senioren offenbar im Hinterkopf, als sie Mitte März dieses Jahres Zeugen eines Polizeieinsatzes wurden. Damals waren nach Angaben des Dillinger Amtsgerichtes zwei Beamte der Polizei in zivil in einer Gemeinde im westlichen Landkreis Dillingen, um einen Haftbefehl zu vollstrecken. Auf der Suche nach dem Mann schlichen die Beamten um dessen Grundstück, leuchteten mit ihren Taschenlampen und wollten schauen, ob man durch das Fenster etwas erkennen könnte. Das kam dem jüngeren der beiden Senioren, der zufällig mit dem Fahrrad vorbeikam, verdächtig vor. Er sprach die Beamten, die er nicht als Polizisten erkannte, an und forderte eine Erklärung für das aus seiner Sicht verdächtige Verhalten der beiden.

Polizisten müssen Rentner fesseln

Den vorgezeigten Dienstmarken schenkte er keinen Glauben und unterhielt sich fleißig weiter mit den Polizisten. Diese erklärten, dass sie auf der Suche nach einem bestimmten Mann sind. Der Angeklagte erklärte dann spontan „als Test“, er sei dieser Mann. Um diese Identität zu bestätigen, forderten die Beamten den Senior auf, sich auszuweisen, was er verweigerte. Dann wurde ihm – nach langem Gutzureden – unmittelbarer Zwang zur Durchsuchung nach seinen Papieren angedroht. Nun eskalierte die Situation. Der Senior griff einem der beiden Polizisten ins Genick, beide fielen gemeinsam zu Boden, der Polizist erlitt leichte Schmerzen im Nacken. Der Rentner wehrte sich so heftig, dass er am Boden liegend gefesselt wurde.

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Wie es der Zufall will, fuhr genau in diesem Moment der Bruder des Seniors mit dem Fahrrad vorbei. Er stieg ab, forderte die Beamten – die auch er nicht als solche erkannte oder für solche hielt – auf, seinen Bruder in Ruhe zu lassen. Er schob sein Rad leicht gegen den am Boden knienden und seinen Bruder fesselnden Polizisten und griff ihm mit der Hand an die Stirn, wodurch dieser leichte Schmerzen erlitt.

400 Euro Schmerzensgeld

Nun mussten sich die beiden Senioren (Jahrgang 1943 und 1950) vor dem Dillinger Amtsgericht verantworten. Nach Angaben des Gerichts machten die Angeklagten selbst in der Verhandlung den Eindruck, als würden sie nicht glauben, dass es sich um echte Polizisten handelte. Die im Gerichtssaal gemeinsam in Augenschein genommene Dienstmarke „könne doch jeder gefälscht haben“, sollen die Angeklagten geäußert haben.

Das Gericht verurteilte beide wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu Geldstrafen von 375 für den älteren beziehungsweise 450 Euro für den jüngeren der beiden Angeklagten. Letzterer muss dem Polizeibeamten für die Schmerzen im Genick darüber hinaus 400 Euro Schmerzensgeld zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Kuriose Randnotiz: Der Mann, den die Polizisten damals gesucht hatten, war nach Angaben des Gerichts bereits einige Tage vor diesem Abend in seiner Wohnung eines natürlichen Todes gestorben und hätte nicht mehr verhaftet werden können. (pm, ands)

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