1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Schwarz: Insolvenzverwalter übernimmt das Ruder

22.03.2010

Schwarz: Insolvenzverwalter übernimmt das Ruder

Gundelfingen Die langen Tage und Wochen des Bangens sind vorbei. Gestern wurde für die Fleisch- und Wurstwarenfabrik Schwarz in Gundelfingen die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet. Dies bestätigte Helmut Beyschlag, Direktor des Amtsgerichts Nördlingen, gegenüber unserer Zeitung. Er erklärte zudem, es habe kein Eigenantrag vorgelegen. Doch es soll schon einen Interessenten geben.

Nicht Inhaber Thomas Urmann selbst, sondern die Krankenkasse hatte vergangenen Freitag wegen ausstehender Beiträge einen Antrag beim Insolvenzgericht gestellt, wie Werner Weinmann von der AOK Günzburg gestern gegenüber unserer Zeitung erklärte. "Wir haben, auch im Interesse der Arbeitnehmer, keinen anderen Weg mehr gesehen", sagte Weinmann. Die Krankenkasse sei, wie jeder Gläubiger, in der Lage einen entsprechenden Antrag zu stellen. "Hätten wir noch eine Möglichkeit für die Firma gesehen, hätten wir es nicht getan."

Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde der Neu-Ulmer Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz bestellt. Er prüft eigenen Angaben zufolge derzeit die Unterlagen von Schwarz, von denen sich ein Großteil in Regensburg befindet. "Wir sind noch in der Aufklärungsarbeit und derzeit ist der Betrieb stillgelegt", sagt Geiwitz, der im Fall von Schwarz von einem ungewöhnlichen Verlauf und einem "Tod auf Raten" spricht. Er möchte sich nun in einem ersten Schritt mit den knapp 60 Mitarbeitern in Verbindung setzen und sie über die Situation informieren. Zudem gehe es zunächst um eine Analyse, wie die Firma in diese Schieflage geraten konnte. Allerdings gebe es auch einen kleinen Hoffnungsschimmer: "Es gibt nach Angaben des Geschäftsführers wohl einen Interessenten. Hier wollen wir natürlich alles versuchen und hoffen darauf."

Bürgermeister hofft auf Lösung

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Gundelfingens Bürgermeister Franz Kukla erklärte gestern gegenüber der DZ, es sei bitter und traurig, dass Schwarz nun abermals vor dem Abgrund stehe. "Es ist sehr schade, dass es sich so entwickelt hat, aber auf der anderen Seite besteht jetzt wenigstens Klarheit für die Beschäftigten." Kukla bezeichnete die unklare Situation innerhalb der Firma, die sich nun über Wochen hingezogen habe, als "unwürdiges Gezerre". Es sei hart für die Stadt, wenn nun ein solches Traditionsunternehmen wegzubrechen drohe. "Ich hoffe jetzt, dass die Beschäftigten schnell irgendwo unterkommen oder dass sich doch noch eine andere Lösung findet."

Firmeninhaber Thomas Urmann selbst war auch gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Der Rechtsanwalt aus Regensburg hatte die Fleisch- und Wurstwarenfabrik nach der ersten Insolvenz im Jahr 2008 übernommen. Damals keimte sowohl bei den Mitarbeitern als auch bei der örtlichen Politik die Hoffnung auf, der Standort könne nun doch dauerhaft erhalten werden. Doch bereits nach einem Jahr kämpfte Schwarz wieder mit Schwierigkeiten.

Seit September 2009, so erzählten mehrere Mitarbeiter, habe es wiederholt Probleme mit den Lohnzahlungen gegeben (DZ berichtete). Zuletzt hatten die Lieferanten dann die Warenlieferungen eingestellt, defekte Maschinen wurden nicht mehr repariert, die Telefonrechnung war nicht bezahlt. Für die Mitarbeiter war die gestrige Entwicklung wohl keine Überraschung mehr. Sie hoffen jetzt auf den möglichen Investor und darauf, dass die Lichter bei Schwarz nicht für immer aus bleiben. "Kommentar

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren