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  3. Seniorenheim Lipp in Höchstädt: Acht Menschen sind gestorben. So sieht der Corona-Alltag aus.

Höchstädt
20.08.2021

Delta-Variante grassiert im Altenheim Lipp: So schlimm ist die Situation in Höchstädt

Vor rund drei Wochen ist im Pflegeheim Lipp in Höchstädt Corona ausgebrochen, seither herrscht dort Ausnahmezustand.
Foto: Simone Bronnhuber

Acht Menschen sind gestorben. Das Personal fehlt an jeder Ecke. Der Alltag im Pflegenheim Lipp ist nur schwer zu meistern. Hinzu kommen kritische Reaktionen von Außenstehenden.

Es ist gespenstisch still. Nur das Sprühen der Desinfektionsflasche, die der Hausmeister gerade benutzt, um die Tische zu reinigen, ist zu hören. Zu dieser Uhrzeit, bei diesem Wetter, wäre der Hof im privaten Pflege- und Seniorenheim Lipp in Höchstädt im Normalfall mit Leben gefüllt. Der große Garten, die kleine Hauskapelle und die vielen Sitzmöglichkeiten im Freien werden von den Bewohnerinnen und Bewohnern gerne genutzt. Doch aktuell ist der Alltag in der Einrichtung alles andere als normal. Die Situation vor Ort ist dramatisch. Die Delta-Variante des Coronavirus grassiert im Höchstädter Heim. Mit schlimmen Folgen.

31 Menschen haben Corona

Stand Freitag sind acht Seniorinnen und Senioren gestorben, 31 Personen gelten aktuell als erkrankt. Fünf davon befinden sich im Krankenhaus. Zudem sind 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erkrankt und daheim in Quarantäne. Seither herrscht in der Einrichtung in Höchstädt absoluter Ausnahmezustand, der, so beschreibt es Miteigentümerin Isabella Lipp, „mit keinen Worten zu beschreiben ist. Es ist einfach nur schlimm. Wir denken von Tag zu Tag. Maximal.“

Frauen und Männer mit kompletter Schutzausrüstung stehen auf dem Balkon im obersten Stock des privaten Pflege- und Seniorenheims Lipp in Höchstädt. Dort grassiert die Delta-Variante. Weil im Heim auch das Personal in großer Anzahl erkrankt ist, helfen unter anderem Soldatinnen und Soldaten der Dillinger Bundeswehr mit. Das reicht bei Weitem aber noch nicht an Personal.
Foto: Bronnhuber Simone

Nachdem, wie berichtet, ein Coronatest einer Mitarbeiterin positiv war, nahm die traurige Entwicklung ihren Lauf. Nahezu täglich hat sich die Zahl der Infizierten, die im Heim leben oder arbeiten, erhöht. Jedes Mal, so bestätigt es auch Isabella Lipp, wurde die Delta-Varian-te nachgewiesen. Vor circa drei Wochen ist es zum Ausbruch gekommen, seither ist das Heim der Hotspot im Landkreis Dillingen – was auch die Inzidenz massiv beeinflusst. „Mir tut das wahnsinnig leid. Alles. Aber ich wüsste nicht, wie wir irgendwas hätten anders machen können. Niemand ist schuld“, sagt sie.

Schon zu Beginn der Pandemie vor eineinhalb Jahren habe man im Heim sofort alle notwendigen Schutzmaßnahmen ergriffen und nie erst auf offizielle Anordnungen gewartet. Und trotz aller Lockerungen, die in den vergangenen Monaten aufgrund der niedrigen Inzidenzen möglich waren, habe man in der Einrichtung daran festgehalten, dass Besucherinnen und Besucher nie ohne Masken, Schutzkittel und Handschuhe ihre Lieben im Haus sehen dürfen. „Aber natürlich können wir nicht kontrollieren, was sich dann in den Zimmern abspielt. Und nachdem es keine offizielle Testpflicht mehr für Personal und Angehörige gab, können wir auch niemanden dazu zwingen“, erklärt Lipp weiter.

Soldaten der Bundeswehr Dillingen helfen in Höchstädt

Deshalb sei die Suche nach einer Erklärung, warum die Situation nun so schlimm ist, sinnlos, gar fehl am Platz. Denn: „Das ist aktuell nicht das Problem“, so die 38-Jährige. Viel mehr brauche sie Personal. Dringend. So schnell wie möglich. Zwar übernehmen, wie berichtet, Frauen und Männer der Bundeswehr Schichten, und auch die Lauinger Elisabethenstiftung hat Unterstützung geschickt. Aber das reiche bei Weitem nicht aus, zumal mit der Rückkehr der vielen erkrankten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so schnell nicht zu rechnen sei. Isabella Lipp ist deshalb umso dankbarer, dass diejenigen, die können, „da sind und alles geben. Ich bin stolz auf mein Team und dankbar. Nur so schaffen wir es.“

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Foto: Simone Bronnhuber

Auch als es galt, so schnell wie möglich gesunde und erkrankte Seniorinnen und Senioren zu trennen, separate Räume zu gestalten und einzurichten, habe das Heim wertvolle Hilfe bekommen. Ebenso von Außenstehenden. Angefangen von Bürgermeister Gerrit Maneth, dem Bauhof-Team, der Höchstädter Feuerwehr, Notfallseelsorgern und anderen freiwilligen Helfern. „Alle haben mitangepackt, keiner hat gezögert. Das war und ist toll“, schildert Lipp weiter. Dankbar ist sie zudem über die Reaktionen der Angehörigen, die sich um ihre Lieben sorgen und auf die Kommunikation mit dem Personal angewiesen sind. „Viele sprechen uns Mut zu, wir haben auch schon einen Kuchen bekommen und geweihte Kräuterbuschen. Die meisten zeigen Verständnis. Das tut gut.“

Es sind dringend Pflegekräfte gesucht

Denn neben den großen Sorgen um das erkrankte Personal und die erkrankten Bewohnerinnen und Bewohner kommt ein kaum zu bewältigender Alltag hinzu. Wer ist da und kann wie Dienst machen? Wann kommt das Gesundheitsamt? Was sind die neuen Testergebnisse? Wann wird der Container mit den gebrauchten Hygieneartikeln wieder geleert? Braucht es heute einen Notarzt? Wer koordiniert die Anrufe? „Bei uns gibt es jetzt reine und unreine Räume, bis ins kleinste Detail sind sämtliche Hygienemaßnahmen noch mal verschärft worden, es gibt Schleusen, alles wird ständig desinfiziert und jeder zieht sich zig mal an und aus. Jeder der kommt, wird mehrfach getestet – vor und nach der Arbeit, mit Schnelltest und PCR-Test. Jetzt können wir nur noch hoffen“, sagt Isabella Lipp.

Sie übernimmt im Höchstädter Heim offiziell die Aufgaben als stellvertretende Pflegedienstleitung, befindet sich momentan eigentlich in Elternzeit. „Aber natürlich ist das momentan nicht möglich. Ich versuche, mich um Personal und Dienstpläne zu kümmern, und am Wochenende übernehme ich Schichten bei der Pflege der Menschen. Wir müssen und wollen auch alle anpacken. Nur so schaffen wir es“, sagt sie.

Die Kinder wurden ausgegrenzt

Denn bei aller Unterstützung, die die Einrichtung bislang erfahren habe, so gebe es durchaus auch andere Redaktionen. Nicht alle Menschen reagieren mit Zuspruch. Im Gegenteil. Zwei Beispiele, die die 38-Jährige erzählt: Eine Mama, die sofort im Heim mitgeholfen habe, musste wieder aufhören, weil ihre Kinder jeden Tag weinen mussten. Denn Eltern von befreundeten Kinder haben den Kontakt gemieden, nachdem sie wussten, dass die Frau im Pflegeheim Lipp half. Ein weiteres Beispiel: Einer Schülerin einer Klinik im Nachbarlandkreis wurde die Arbeit im Höchstädter Heim ebenfalls untersagt.

Sie wollte freiwillig helfen. Der Chef war dagegen. „Ich kann die Befürchtungen nachvollziehen und habe totales Verständnis für diese Reaktionen. Auch, wenn das nicht immer leicht ist“, so Lipp. Sie selbst musste sich schon den Vorwurf anhören, dass sie schuld sei, dass die Regeln im Landkreis wieder strenger seien. „Da bin ich dann auch heulend nach Hause gekommen.“ Dabei, das betont sie immer wieder, stehe doch etwas ganz anderes im Mittelpunkt: Dass die erkrankten Menschen im Heim und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schnell gesund werden. Dass der Spuk im Heim bald ein Ende hat. Dass wieder Leben einkehrt.

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