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Bachhagel

25.11.2018

Sie bringen neues Leben in ein historisches Gebäude

Franziska Birkmeir und Moritz Kloevekorn sanieren das alte Mauthaus in Bachhagel. In dem jahrhundertealten Gebäude wohnte und arbeitete einst der Vogt. Sich denkmalgeschützter Objekte anzunehmen, lohne sich, sagen die beiden.

Ein Paar aus Augsburg saniert das alte Mauthaus in Bachhagel. Sie sagen: Zu viele haben Scheu davor, denkmalgeschützte Objekte anzugehen. Dabei lohne es sich, trotz aller Auflagen

Dort, wo Franziska Birkmeir und Moritz Kloevekorn bald einziehen wollen, residierte und arbeitete vor Jahrhunderten ein Vogt. Der richtete über Kriminelle und vermeintlich Kriminelle. Bei Bedarf konnte er die Beschuldigten gleich an Ort und Stelle in eine kleine Gefängniszelle stecken, die an seinem Standort, der Vogtei, mit angeschlossen war. Das Gebäude aus dem 16. Jahrhundert, ehemals Vogtei und Mauthaus, steht nach wie vor – mitten im Zentrum von Bachhagel, einen Steinwurf vom Rathaus entfernt. Und in das denkmalgeschützte Haus kommt neues Leben.

Ein vierstöckiges Gebäude in Bachhagel

Birkmeir (33) und Kloevekorn (40), ein Paar aus Augsburg, hat sich die Immobilie vor knapp einem Jahr gekauft. „Wir wollten ein altes Haus mit Charakter und Geschichte, hier steckt viel mehr Individualität drin“, sagt Kloevekorn. Mehrere Immobilien hatten sie sich damals angeschaut. Als sie vor dem vierstöckigen Gebäude in Bachhagel standen, wussten sie: Das ist ihr Haus. Alleine die Geschichte sei „ehrfurchteinflößend“, sagt Birkmeir. Vor dem Einzug steht einiges an. Bäder, Elektrik, Küche und Heizung müssen neu gemacht werden. Doch das jahrhundertealte Gemäuer ist denkmalgeschützt. Deshalb gibt es Auflagen, an die sich die Bauherren halten müssen. Die beiden stehen in enger Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landratsamtes sowie dem Landesamt für Denkmalpflege. Bei einem Vor-Ort-Termin haben sich alle Beteiligte, inklusive des Heimatpflegers, getroffen und abgeklärt, welche Maßnahmen im Mauthaus möglich sind und welche nicht. Da fängt es bei Kleinigkeiten an, etwa, welcher Putz verwendet wird und welche Inhaltsstoffe die Farben haben. „Wir müssen über alles Buch führen, was wir machen“, sagt Birkmeir. Es sei jedoch kein wesentlicher Wunsch verwehrt worden.

Historischer Charakter soll erhalten bleiben

Für die grundlegenden Arbeiten beauftragt das Paar Handwerksfirmen, mitunter auch welche, die auf historische Bauten spezialisiert sind. Einfache Aufgaben erledigen die beiden selbst, wie Wände abfegen oder den Dreck hinausbringen. Besondere Arbeit machten ihnen die Holzdielen im Wohnbereich, die aus der Barockzeit noch rot lackiert waren. Das wollten die beiden ändern, doch so leicht war das gar nicht. Beim Schleifen wäre historische Substanz verloren gegangen. Und es hätte die Gefahr bestanden, dass der Boden zu dünn wird und nicht mehr trägt. Also haben Birkmeir und Kloevekorn drei Wochen Urlaub genommen und die Farbe mit Heißluft und Spachtel entfernt. „Unsere Rücken waren danach kaputt“, sagt Birkmeir und lacht. Für die Auflagen hätten sie jedoch durchaus Verständnis. „Gewisse Auflagen sind nötig, um die Denkmalsubstanz und den historischen Charakter des Gebäudes zu erhalten“, sagt Christa Marx, Leiterin der Bauabteilung im Landratsamt, die auch der Denkmalschutzbehörde vorsteht.

Für sein Traumhaus muss sich das Paar in eine ganz neue Materie einarbeiten. Außer den gängigen, handwerklichen Kleinigkeiten hätten die beiden keine Erfahrungen gehabt, die ihnen bei der Sanierung eines denkmalgeschützten Hauses helfen könnten. Doch es gibt Hilfe. Die Denkmal-Behörden sind beratend tätig und bieten Kurse an. Die beiden waren bei einem Kurs im Kloster Thierhaupten, bei dem sie zusammen mit Gleichgesinnten lernten, Fenster bei denkmalgeschützten Gebäuden zu reparieren. „So eine Unterstützung ist toll“, sagt Birkmeir. „Und der Austausch mit anderen, die in der gleichen Situation sind, war faszinierend.“

Handwerker sollen heuer im Mauthaus noch fertig werden

Bis zum Ende des Jahres sollen die Handwerkerarbeiten am Mauthaus in Bachhagel abgeschlossen sein. Anfang kommenden Jahres will das Paar in sein neues Heim ziehen. Jetzt, kurz vor Ende der Arbeiten, möchten sie anderen die Scheu vor Projekten mit denkmalgeschützten Gebäuden nehmen. „Wenn wir von Denkmalschutz erzählen, schlägt jeder erst einmal die Hände über dem Kopf zusammen“, sagt Birkmeir. „Das ist schade, denn wir haben bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht.“ Kloevekorn ergänzt: „Wenn ich ein Haus mit Geschichte möchte, muss ich diesen Weg gehen.“ Und nur so könne der Charakter von Städten und Gemeinden erhalten werden.

Der Landkreis ist froh um Leute wie die beiden. „Wir sind dankbar um jeden, der einen Sinn für denkmalgeschützte Objekte hat und bereit ist, dafür auch Kompromisse einzugehen“, sagt Marx. In ein jahrhundertealtes Haus kann man etwa keine großflächige Fensterfront einbauen. „Die öffentliche Hand wäre heillos überfordert, wenn sie alle denkmalgeschützten Objekte selbst sanieren müsste.“ Im Landkreis gibt es laut Marx hunderte solcher Immobilien. Darunter sind etwa Rathäuser und Kirchen, das meiste seien jedoch Privatgebäude. Der Bedarf, sich dieser Objekte anzunehmen, sei groß. Der Staat unterstützt solche Investoren mit diversen Fördergeldern. Um Interessenten einen Ansporn zu geben, vergibt der Landkreis seit mehreren Jahrzehnten Preise für besonders gelungene Beispiele der Denkmalpflege.

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