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Landkreis Dillingen

24.01.2017

Sigmar Gabriel will nicht

Sigmar Gabriel
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Sigmar Gabriel
Bild: Ralf Lienert

Der SPD-Politiker lässt einen anderen ran. Was die Genossen im Landkreis davon halten.

Auch für Sozialdemokraten im Landkreis Dillingen war das ein Paukenschlag. SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel hat am Dienstag angekündigt, sein Amt als Parteivorsitzender abzugeben und auf eine Kanzlerkandidatur zu verzichten. An seine Stelle soll der bisherige EU-Parlamentspräsident Martin Schulz treten. Er soll im Herbst Kanzlerin Angela Merkel herausfordern.

SPD-Kreisvorsitzenden Dietmar Bulling hat die Entwicklung am Dienstag sichtlich überrascht. Und der Lauinger ist darüber nicht sonderlich begeistert. „Ich dachte, dass Sigmar Gabriel als Kanzlerkandidat der SPD in den Wahlkampf geht“, sagt Bulling. „Wenn er jetzt ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl Knall auf Fall auch den Vorsitz abgibt, dann ist dies ein Rückschlag für die Partei“, glaubt der Sozialdemokrat. Innerhalb der SPD sei ja darüber diskutiert worden, ob Martin Schulz nicht der bessere Kanzlerkandidat sei. Und er gehe fest davon aus, dass jetzt Schulz antritt, sagt Bulling. Der frühere EU-Parlamentspräsident habe den Vorteil, dass er von außen komme und nicht für die Politik der Großen Koalition verantwortlich gemacht werden könne. Unterm Strich werde das Wahljahr 2017 durch den Rücktritt Gabriels aber schwieriger.

Der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion Bernd Steiner hält Gabriels Entscheidung für eine gute. Martin Schulz sei populärer und könnte, weil er nicht in der Regierung ist, viel freier auftreten. Außerdem habe er Sigmar Gabriel auf internationaler Ebene auch etwas voraus. Dabei betonte Steiner, Gabriel sei kein schlechter Politiker.

Sigmar Gabriel will nicht

„So ein Ruck, das hätte ich nicht gedacht.“ Völlig überrascht reagierte am Dienstag Otto Horntrich, SPD-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat Wertingen, kurz nach Bekanntwerden auf die Nachricht. Dennoch hält Horntrich die Entwicklung für gut: „Gabriel hat viele Entscheidungen von Angela Merkel mitgetragen – auch unpopuläre im sozialen Bereich.“ Dies habe Gabriel der Großen Koalition geschuldet. Als Kanzlerkandidat wäre Gabriel deshalb immer angreifbar gewesen, denkt Horntrich. Martin Schulz „ist eine gute Entscheidung“ – Schulz sei bekannt und populär. Dass Schulz nun SPD-Vorsitzender und Kanzlerkandidat werden soll, hält Horntrich für gut. „Es ist ein Vorteil, wenn er alle wichtigen Ämter auf sich vereint.

Höchstädts SPD-Ortsvorsitzender Wolfgang Konle hatte sich so etwas schon gedacht. „Die SPD ist nicht blöd, die schaut schon, was der Trend ist und der ging, was ich gesehen habe, Richtung Martin Schulz. Ich rechne uns damit gute Chancen aus“, freut sich Konle. Schulz stehe für den Frieden in Europa und könne Merkel aufgrund seiner Erfahrung im EU-Parlament auf Augenhöhe begegnen.

Großen Respekt zollt Bernd Kneuse, langjähriger SPD-Ortsvorsitzender in Wertingen, Sigmar Gabriel. Die SPD sei die treibende Kraft in der Koalition gewesen, Gabriel habe sich nicht richtig gewürdigt gefühlt. „Zuerst war ich bedrückt über Gabriels Entscheidung“, sagt Kneuse. Jetzt aber findet er es „einen ganz tollen Zug von Gabriel, dass er den Weg frei gemacht hat für Schulz“. Dieser habe sich in ganz Europa profiliert. Logischerweise müsse Schulz nun SPD-Vorsitzender und Kanzlerkandidat sein.

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