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Bächingen

30.11.2020

Silvester: Die Leute wollen "Corona bestimmt wegschießen"

Seit zehn Jahren verkauft Markus Brose in Bächingen und über seinen Onlinehandel Feuerwerkskörper. Batterien, wie er sie in der Hand hält, sind bei seinen Kunden besonders beliebt. Sie können nach dem Entzünden bis zu fünf Minuten Feuerwerk bieten.
Bild: Tanja Ferrari

Plus Silvester ohne Feuerwerk? Wegen der Corona-Pandemie sind große Zusammenkünfte heuer nicht erlaubt. Warum ein Bächinger Verkäufer trotzdem glaubt, dass Raketen und Co. nachgefragt werden.

Lautes Knallen und bunter Funkenregen am Nachthimmel: Am Silvesterabend wird das alte Jahr traditionell verabschiedet. Normalerweise. Die Corona-Pandemie macht aber auch davor keinen Halt. Um Krankenhäuser zu entlasten und die Infektionszahlen kontrollierbar zu halten, wurde in den vergangenen Tagen über ein komplettes Feuerwerksverbot zum Jahreswechsel diskutiert. Für viele Menschen unvorstellbar. Auch für den Bächinger Markus Brose. Seit zehn Jahren verkauft er Raketen, Böller, Fontänen und sogar ganze Feuerwerksbatterien. Wegen Corona hat er dieses Jahr lange gezögert, bevor er seine Produkte eingekauft hat.

Zuspruch bekam er letztlich von seiner ehemaligen Lebensgefährtin. „Sie hat gesagt, dass die Leute Corona bestimmt wegschießen wollen“, erinnert sich Brose und lacht. Das hatte ihn überzeugt. Nach dem ersten Lockdown im März habe er schon die zweite Welle im Winter befürchtet. Als in den vergangenen Tagen dann über ein mögliches Feuerwerksverbot zu Silvester diskutiert wurde, hatte er sich große Sorgen gemacht. „Es war eine Katastrophe“, sagt er. Wäre der Verkauf nicht möglich gewesen, hätte sein Kapital bis zum nächsten Jahr im Container gelagert.

Ein Verbot auf öffentlichen Plätzen findet der Bächinger Händler in Ordnung

Mit der getroffenen Regelung des Bundes kann der Bächinger nun aber sehr gut leben. „Ich finde ein Verbot auf öffentlichen Plätzen in Ordnung und würde mir sogar wünschen, dass das beibehalten wird“, erklärt er. Gerade illegale Böller aus dem Ausland oder Alkohol könnten in der Silvesternacht zu Unfällen führen. Auch die Idee, dass ein Veranstalter für das Feuerwerk sorgt, gefällt ihm. „Weil es zur Tradition unserer Gesellschaft gehört, darf man es nicht einfach verbieten“, das steht für ihn fest. Dennoch appelliert er, die Konsequenzen und Gefahren nicht aus den Augen zu verlieren. Er habe selbst schon einen Unfall mit einem Querschläger gehabt. Damals, so der Feuerwerksexperte, habe glücklicherweise nur eine Hecke gebrannt. Doch wenn er sieht, wie Menschen auf öffentlichen Plätzen eine Rakete aus der Hand steigen lassen, ist er schockiert: „Da können nicht nur Verbrennungen entstehen; im schlimmsten Fall ist ein Besuch im Krankenhaus notwendig.“

Größere Gruppenansammlungen wird es zu diesem Jahreswechsel coronabedingt nicht geben. Maximal zehn Personen dürfen zusammen das neue Jahr feiern. Das könnte auch das Geschäft von Brose beeinflussen: „Ich glaube, dass heuer mehr Leute einkaufen, dafür aber für kleinere Beträge.“ Die Hoffnung, dass er am Ende genauso viel verkaufen kann, gibt er noch nicht auf. Vielleicht schieße im Corona-Jahr der ein oder andere selbst, der früher nur Zuschauer war.

Der Bächinger war schon früh von Feuerwerken fasziniert. Sein Vater hatte ihn für die bunten Knaller begeistert. Den Entschluss, einen eigenen Onlineshop und Laden aufzumachen, um Feuerwerk zu verkaufen, fasste er vor zehn Jahren. Wenn er in seiner Halle in Bächingen nicht Frästeile herstellt, verwandelt sich das Geschäft zum Jahresende in eine Oase für Raketen und Böller. „Um die Weihnachtszeit haben meine Mitarbeiter Urlaub und ich mache einen Großputz, um alles vorzubereiten“, erklärt er.

Wieso viele schon im Frühjahr Böller bestellen

Inspiration holt er sich auf der Spielwarenmesse in Nürnberg. Dort werden auch Feuerwerkskörper vorgestellt. Seine ersten Kunden waren Freunde und Bekannte. Inzwischen verkauft der Bächinger aber nicht nur zu Silvester seine Waren. „Viele Bestellungen gehen schon im Februar und März ein“, sagt er. Dann, so seine Vermutung, sei die Erinnerung an die Produkte noch frisch. Mit einer Sondergenehmigung könne man es außerdem auch bei Geburtstagen oder Hochzeiten krachen lassen. Sein Verkaufsschlager, sagt Brose, seien die Feuerwerksbatterien. Am 29. Dezember, dem ersten Verkaufstag in seinem Laden, seien bestimmte Exemplare oft schon nach wenigen Stunden vergriffen. Die richtigen Produkte auszuwählen, sei jedoch nicht immer ganz einfach. „Man muss wissen, was gerade modern ist, oder wie das Wetter wird“, erklärt der Feuerwerksexperte. Ein positiver Aspekt ist, dass sich die Ware trocken und dunkel bis zu drei Jahre hält. Der Bächinger lagert seine Produkte beispielsweise in Containern und einem Bunker, um ihre Funktionsfähigkeit zu gewährleisten. Im Corona-Jahr müssen sich seine Kunden auf einige Änderungen einstellen. Brose hofft, dass möglichst viele Menschen die Feuerwerkskörper auf seiner Webseite vorbestellen. „Die Produkte können dann fertig zusammengepackt im Laden abgeholt werden“, sagt er. Das habe auch den Vorteil, dass gewisse Waren reserviert werden könnten.

Heuer dürften sich maximal vier Kunden gleichzeitig vor Ort in seiner Halle umsehen. Einen Beamer, wo der Bächinger seine Produkte den Kunden vorführt, wird es trotzdem geben. Wegen der Auflagen dürften sich aber keine Menschentrauben davor bilden. „Ich versuche, möglichst viele Parkplätze zu schaffen, damit die Leute im warmen Auto warten können.“

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01.12.2020

Ich finde wenn schon Feuerwerk dann sollte es von der jeweiligen Gemeinde gezielt gemacht werden und nicht jeder blöd rumschiessen oft schon tage vorher.Da redet man immer von Umwelt und dann verknallt man diese stinkenden Dinger .An die Tiere und Kleinkinder wird nicht gedacht:Ich habe dafür kein Verständniss.Dafür ist mir auch mein hart verdientes Geld zu schade.

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