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18.07.2010

Strenge Stimmigkeit und exquisite Klangfarben

Der Fuldaer Domorganist Hans-Jürgen Kaiser an der Sandtner-Orgel der Basilika St. Peter. Foto: Walter
Bild: Walter

Dillingen Mit einem spannungsgeladenen Programm wartete der Fuldaer Domorganist Hans-Jürgen Kaiser bei der 4. Orgelmatinee auf. Johann Sebastian Bach eröffnete den Reigen, Bach beschloss ihn in der Version von Franz Liszt. Dazwischen mit Max Reger ein Neuromantiker und mit Sigfrid Karg-Elert ein Jugendstilkomponist, der Max Reger in Leipzig nachfolgte. Von Karg-Elert präsentierte H.-J. Kaiser den Triumphmarsch "Nun danket alle Gott", der als Einzugsmusik bei Hochzeiten beliebt geworden ist.

Schlüssig dargeboten

Das reizvolle tänzerische Stück im Stil einer Rigaudon brachte der Organist lebendig und mit durchsichtigem Klang zu Gehör, festlich im Glanz und trotzdem bewegt. Aus Bachs Jugendwerken, die Joh. Gottfried Neumeister gesammelt hat, stellte Kaiser die drei Choräle "Jesu, meines Lebens Leben", "Mach's mit mir Gott, nach deiner Güt" und "Christ, du bist der helle Tag" vor. Dort war die Verwendbarkeit zum gewöhnlichen Gottesdienst vorrangig, weniger die kompositionstechnische Repräsentanz.

Der Domorganist machte den Ausdruckscharakter in den Choralbearbeitungen bewegend nachvollziehbar. Bachs Satzpaar "Präludium und Fuge in C-Dur" BWV 547 ist eine außergewöhnliche Komposition, die höchste Konzentration und Meisterschaft erfordert. Die Motive im 9/8-Takt des Präludiums, die absteigende Kadenzfloskel im Pedal, Stimmtausch und Stimmkombination wusste der Konzertorganist schlüssig darzubieten. Die motivische Dichte der anschließenden vierstimmigen Fuge in dem manualiter formulierten Satz entwarf Kaiser exemplarisch hin zur Fünfstimmigkeit mit dem Eintritt des Pedals und der Vergrößerung des Themas.

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Max Regers "Toccata" in a-Moll nahm die barocken Gesten und Figurationen auf und kontrastierte sie zur Bachschen Welt. Pedalsolo, filigranes Laufwerk, massive akkordische Einschübe zum dichten "Organo pleno" kennzeichneten dieses Werk. Die Fülle der klanglichen Möglichkeiten der Sandtner Orgel durchströmte die Basilika. Den Übergang von der Polyfonie zur frei sinfonischen Schreibart erschloss sich den über 100 Zuhörern in Franz Liszts Hauptwerk über den Namen Bach. Die Interpretation durch Kaiser unterwarf dem Orgelsatz, der von strenger Stimmigkeit bis zum Virtuosen reichte, dem Gesetz der einheitlichen Wirkung, ohne zum Selbstzweck zu werden.

Die Spieltechnik des Domorganisten basiert auf einer fabelhaften Geschmeidigkeit des Hand- und Fußgelenks, einem tadellos klarem Legato und größter Präzision im rhythmischen Bereich. Sein Spiel zeichnete sich durch Sachlichkeit in der Phrasierung und Genauigkeit im Hörbarmachen des formalen Aufbaus aus. Eigenschaften, die der Künstler bei seiner ihm vorgegebenen Improvisation über das Dillinger Wallfahrtslied "Unserer lieben Frau von Lourdes" wirkungsvoll einsetzte.

Wie schon bei Liszt überraschte der Domorganist mit ungewohnten Registrierungen, die den mystischen Charakter unterstrichen und in der Improvisation durch impressionistische Klänge die Süße des einfachen Liedes in eine musikalisch wertvollere Höhe erhob.

Starker Beifall

Dank ging an Stadtpfarrer Gottfried Fellner für seine einführenden Worte und den geschichtlichen Bezug, den er zwischen dem Kloster Fulda und Dillingen-Hausen herstellte. Sehr starker Beifall gab es für eine Stunde festlicher Orgelmusik.

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