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Firmenjubiläum

14.06.2013

Traktoren seit 100 Jahren: Es begann mit einer Werkstatt

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3 Bilder
So sieht der Lauinger Standort der Firma heute aus.
Bild: Gaugenrieder

Aus einer kleinen Firma wurde ein Großunternehmen: Das Lauinger Traktoren-Unternehmen Deutz-Fahr feiert sein hundertjähriges Jubiläum

Lauingen Wenn Wilhelm Ködel an seine Kindheit zurückdenkt, hat er den würzigen Geruch von Buchenholz sofort wieder in der Nase. Als kleiner Junge spielte er damals in den Holzhallen, fuhr auf einem kleinen Bähnchen, das das Holz für die Dreschmaschinenfertigung transportierte, über das Werksgelände von Ködel & Böhm – dem heutigen Lauinger Großunternehmen Same Deutz-Fahr. Vor 100 Jahren war der Vater von Wilhelm Ködel, der auch Wilhelm Ködel hieß, mit seiner Fabrik auf das heutige Deutz-Fahr-Gelände gezogen.

Im Jahr 1936 produzierte das Unternehmen seine 100.000ste Drehmaschine

„Ich wurde da hineingeboren und bin als Kind in der Firma meines Vaters aufgewachsen“, erzählt Ködel, der 1938 zur Welt kam. Und er erzählt, wie eigentlich alles anfing: Bereits 1870 gründete Michael Ködel eine kleine Werkstatt für Landmaschinen. 1887 wurden die Räume zu klein, Ködel zog an die Dillinger Straße und baute 1890 die erste Dreschmaschine. 1909 übergab Michael Ködel das Geschäft an seinen Sohn Wilhelm Ködel und seinen Schwiegersohn Paul Böhm. 1913 zog das Unternehmen dann auf das heutige Betriebsgelände, weswegen an diesem Sonntag das 100-jährige Jubiläum gefeiert wird. Bereits 1915 arbeiteten 250 Menschen in der Firma, drei Jahre später waren es schon 600. Das Unternehmen war so erfolgreich, dass schon 1936 die 100000ste Dreschmaschine produziert wurde.

Mit nur 23 Jahren wurde Wilhelm Ködel Geschäftsführer

Wilhelm Ködel, der sich noch gut erinnert, wie er oft mit seinem Vater über das Gelände spazierte, oder wie seine Mutter während des Krieges neben den Hallen ein kleines Erdbeerbeet anlegte, wurde 1961 Geschäftsführer, weil der Vater schwer krank wurde. Noch heute, so erzählt er, werde ihm schlecht, wenn er daran denkt. Er war gerade einmal 23 Jahre alt, stand kurz vor dem Examen und sollte auf einmal der Chef von 1800 Menschen werden. Acht Jahre lang war Ködel Geschäftsführer. 1969 wurde das Unternehmen an die Klöckner-Humboldt-Deutz AG verkauft. 1970 übernahm dann die Maschinenfabrik Fahr AG die Belegschaft und richtete die Firma als Zweigwerk zur Herstellung von Mähdreschern ein. „Die großen Konzerne drängten damals auf den Markt. Behaupten konnten sich damals nur Großunternehmen mit vollem Programm“, berichtet er über die Zeit des Verkaufs. Ködel weiß noch genau, wie er im August 1970 seinen Schreibtisch geräumt hat. „Das ist mir wirklich nicht leichtgefallen, das muss man erst mal verarbeiten“, sagt er. Seitdem hat er das Firmengelände nie wieder betreten.

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Das Unternehmen hat mittlerweile einen Jahresumsatz von rund 1,2 Milliarden Euro

Was nach Ködels Ausscheiden geschah, weiß Hinderikus Damm, der gerade dabei ist, eine Unternehmens-Chronik zu erstellen. Vor ihm auf dem Tisch liegt ein dicker Ordner, in dem alte Zeitungsartikel, Verträge und Urkunden liegen, die von der Vergangenheit des Unternehmens erzählen. „Schon sehr früh war die Firma ein Weltunternehmen, das bis heute kontinuierlich gewachsen ist“, sagt er. Vor Damm auf dem Tisch liegt ein Blatt, auf dem unter anderem alle wichtigen Ereignisse aufgelistet sind, die nach dem Verkauf 1969 die Firmengeschichte weiterschrieben: Der ersten Fahr-Mähdrescher, der 1971 vom Band lief, der Start der Full-Line-Produktion unter der gemeinsamen Marke Deutz-Fahr 1981, die Übernahme durch die italienische Firma Same 1995 und schließlich die Integration der Traktorenherstellung in Lauingen.

Dass heute weltweit etwa 700000 Deutz-Fahr-Traktoren über die Felder fahren, dass das Unternehmen einen Jahresumsatz von rund 1,2 Milliarden Euro und einen Gewinn von über 50 Millionen Euro erwirtschaftet, hätte Michael Ködel damals sicher nicht gedacht, als er 1870 in Lauingen eine kleine Werkstatt eröffnete.

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