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Berufsleben

05.11.2017

Viele Firmen suchen händeringend Nachwuchs

Die Auszubildende Yvonne Kraus wuchtet beim Autohaus Abel + Ruf in Donauwörth Reifen aus.
Bild: Christian Mühlhause

Kammern melden über 3300 abgeschlossene Ausbildungsverträge in Nordschwaben. Was Jugendliche wollen.

Für fast alle Unternehmen sind es zentrale Fragen: Wie gewinnen sie neue Auszubildende und halten sie dann auch im Betrieb. Seit mehreren Jahren gibt es mehr Ausbildungsstellen als Interessenten und die Schere geht immer weiter auseinander, wie die Statistik der Bundesagentur für Arbeit Donauwörth zeigt. Diese ist für Nordschwaben bis hinüber nach Günzburg und Neu-Ulm zuständig. „Letztmals gab es im Ausbildungsjahr 2010/11 mehr Bewerber. Aktuell verzeichnen wir 4683 gemeldete Ausbildungsplätze und 3750 Interessenten“ informiert Richard Paul, Chef der Arbeitsagentur.

Dass sich die Firmen strecken müssen, bestätigt auch Matthias Christ, kaufmännischer Leiter des Autohauses Abel + Ruf. Besonders schwierig sei es rund um Donauwörth, berichtet er. Dort gebe es viele Firmen mit IG-Metall-Tarif, den kleinere Unternehmen wie sein Arbeitgeber nicht bieten könnten, sagt er. Die von seinem Unternehmen ausgebildeten Mechatroniker seien dort sehr gefragt. An den Niederlassungen Dillingen und Nördlingen sei es etwas einfacher, sich im Wettbewerb um den Nachwuchs zu behaupten. Das liege auch an der Nähe von Donauwörth zu Augsburg, ergänzt er. In dem Autohaus stellten gestern die Arbeitsgantur, die Industrie- und Handelskammer Schwaben (IHK) sowie die Handwerkskammer Schwaben (HWK) ihre Zahlen vor. Josefine Steiger, Leiterin des Bereiches Ausbildung bei der IHK, verwies darauf, dass das Autohaus mit seinen 220 Mitarbeitern und 53 Auszubildenden noch relativ gut aufgestellt sei. „Sie haben die personelle Stärke, um sich beispielsweise auf Jobmessen zu präsentieren und wahrgenommen zu werden. Das können Kleinstbetriebe mit wenigen Mitarbeitern und ein oder zwei Lehrlingen nicht leisten.“

Laut Steiger gibt es im Agenturbezirk vor allem in der Gastronomie und Hotellerie Nachwuchsprobleme. Im Allgäu seien viele dieser Stellen mit Asylbewerbern besetzt worden, das sei in Nordschwaben nicht gelungen. Vor allem in Donauwörth und Günzburg ist die Situation demnach sehr angespannt. Die IHK registrierte dieses Jahr im Bereich der Arbeitsagentur Donauwörth rund 2200 Ausbildungsverträge und die HWK über 1100. Während dies bei der IHK ein leichter Rückgang ist, verzeichnet die HWK einen Anstieg um über zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Noch deutlicher fällt die Statistik der Handwerkskammer für den Landkreis Donau-Ries aus. Hier steht ein sattes Plus von über 20 Prozent in der Statistik. Im Landkreis Dillingen nur sechs Prozent mehr Verträge abgeschlossen. „Es gibt von Jahr zu Jahr Schwankungen. 2016 beispielsweise hatten wir einen Rückgang bei den abgeschlossenen Verträgen im Vergleich zu 2015“, sagt Anette Göllner, bei der HWK zuständig für das Thema Ausbildung.

Aus Sicht der Kammern ist nach wie vor ein Problem, dass das Abitur und ein Studium von vielen als beste Option für beruflichen Erfolg angesehen werden und die Verdienstmöglichkeiten in Ausbildungsberufen unterschätzt werden. Viele Firmen stellten zudem inzwischen auch schwächere Kandidaten ein. Diese seien beispielsweise als Maschinen- und Anlagenführer gefragt, berichtet Steiger. Hinzu komme, dass bei diesen Mitarbeitern die Chance größer sei, dass sie nicht nach der Lehre das Unternehmen verlassen und noch mal die FOS/BOS besuchen oder studieren gehen.

Die beste Werbung sei aber immer noch die Mundpropaganda, betont Steiger. „Wenn ein Auszubildender den eigenen Betrieb im Freundeskreis oder Internet positiv bewertet, ist das die beste Werbung von allen. Deswegen ist es wichtig, auf die Bedürfnisse einzugehen.“ Dazu gehört laut Anette Göllner von der Handwerkskammer ebenfalls, dass die aktuelle Generation mehr Anleitung, Feedback und Spaß wolle und ein gutes Betriebsklima oftmals entscheidender sei als das Gehalt.

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