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Höchstädt

25.04.2017

Viele Firmen werden gehackt

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Diskutierten bei der Podiumsdiskussion zur Cyberkriminalität, im Bild von links: Manuel Knoll, Werner Biesenberger, Michael George, Klaus Wagner, Anna-Fiora Kilger und Hansjörg Durz.
Bild: Jonathan Mayer

Wirtschaftsspionage wird immer mehr zum Problem. Über mögliche Schutzmaßnahmen wurde in Höchstädt diskutiert.

Weltweit gibt es immer mehr Geräte, die mit dem Internet verbunden sind. Bis 2020 sollen es 50 Milliarden sein. Schon längst sind nicht mehr nur Computer oder Handys internetfähig. Mittlerweile gibt es Kühlschränke, Waschmaschinen und sogar Autos, die rund um die Uhr vernetzt sind. Mit der Industrie 4.0 braucht auch die Wirtschaft immer mehr das Internet. Das birgt allerdings Risiken.

Denn Wirtschaftsspionage und Cyberkriminalität werden immer öfter zum Problem für deutsche Unternehmen. Laut einer Umfrage des IT-Branchenverbandes BITKOM schätzen die betroffenen Firmen den jährlichen Schaden auf 51 Milliarden Euro. Vor allem die Autoindustrie sei davon betroffen. Aber auch mittelständische Unternehmen aus dem Landkreis werden immer öfter Opfer von Angriffen aus dem Internet. Bei einer Podiumsdiskussion der Jungen Union wurde über das Phänomen und seine Folgen debattiert.

Anna-Fiora Kilger von der IHK berichtete von den Schäden, die die Cyberkriminalität anrichtet. So gab es im vergangenen Jahr 934 erfasste Fälle von Internetkriminalität in Nordschwaben. Im Landkreis Dillingen seien wiederum 62 Fälle bekannt. „Die Dunkelziffer ist aber viel höher“, sagt Kilger. Laut einer Hochrechnung würde Cyberkriminalität 745 Euro Schaden pro deutschem Staatsbürger anrichten. Mittelständische Unternehmen könnten sich aber schützen. Neben sicheren Passwörtern seien vor allem Datenschutzbeauftragte, die sich nur um die Sicherheit der betriebsinternen Daten kümmern, wichtig. Und regelmäßige Sicherheitsschulungen der Mitarbeiter. Zudem wäre es notwendig, gewisse Bereiche im Betrieb durch Zugangsbeschränkungen abzusichern, sodass betriebsfremde Personen nicht an sensible Daten herankämen. Auch die Wartung der IT-Systeme und Antivirensoftware sei ausschlaggebend.

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Warum gerade Deutschland ein beliebtes Ziel von Wirtschaftsspionage ist, versuchte der Verfassungsschützer Michael George zu erklären: „Deutschland hat keine Bodenschätze, nur Ideenreichtum und Innovationskraft.“ Deswegen treffe es die deutsche Wirtschaft besonders. „Und das tut weh“, sagt George. Bei Wirtschaftsspionage handele es sich um ausländische Geheimdienste, die deutsche Unternehmen ausspionieren. Der Verfassungsschutz versuche, solche Angriffe abzuwehren. Der stehe aber vor einem enormen Problem: Viele Firmen halten laut George Angriffe auf ihre IT-Systeme geheim. „Das würde ja dem Ruf des Unternehmens schaden“, sagt er. Dadurch könnten die Firmen aber nicht aus den Fehlern anderer lernen. Deshalb gründete die bayerische Staatsregierung 2013 das Cyber-Allianz-Zentrum. Dort können sich Unternehmen, die Opfer eines außergewöhnlichen Hacking-Angriffs wurden, melden. Die Verfassungsschützer würden das Problem untersuchen und die erlangten Erkenntnisse anderen Firmen weitergeben. „Die meisten Unternehmen bemerken Angriffe auf ihr System aber gar nicht“, befürchtet George.

Auf die Frage, was der Staat tun könne, damit Deutschland nicht mehr das Hauptziel ausländischer Sabotageversuche ist, antwortete der CSU-Bundestagsabgeordnete aus dem Nachbarlandkreis Augsburg Hansjörg Durz: „Da können wir nicht viel machen.“ Man müsse dafür sorgen, dass kritische Informationen geschützt sind. Die rechtliche Handhabe bei solchen Angriffen sei gering. „Es ist sinnvoller, die Systeme zu immunisieren, statt Einzelpersonen hinterherzujagen“, sagt auch George. In der realen Welt würde man sein Haus auch vor Einbrechern schützen, fügt Durz hinzu.

Die Firma Grünbeck habe schon einige Erfahrungen mit Cyberangriffen machen müssen, berichteten Werner Biesenberger und Klaus Wagner. Grünbeck sei vor allem Opfer von sogenannten Phishing-Angriffen, bei denen gefälschte E-Mails dafür verwendet werden, sensible Daten zu stehlen. Die Firma schütze sich aber mittlerweile. Es gäbe ein mehrstufiges Abwehrsystem, das E-Mails schütze und Virenangriffe abwehre. „Erste Erfolge zeichnen sich auch schon ab“, sagt Wagner. Aber Biesenberger fügt hinzu: „Technisch kann man immer nur hinterherhinken.“ Denn die Angreifer würden immer raffiniertere Tricks entwickeln.

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