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Landkreis Dillingen

17.01.2021

Von Haunsheim nach Sri Lanka: So lebt es sich im Ausland mit der Pandemie

Das Coronavirus hält die Welt in Atem. Aber jedes Land geht anders mit der Pandemie um.

Plus Das Virus hat die Welt im Griff. Doch wie wird damit in anderen Ländern umgegangen? Vier Menschen, die aus dem Landkreis Dillingen stammen, erzählen von ihren Erfahrungen, die sie im Ausland machen.

Das Coronavirus hat uns fest im Griff. Auch den Landkreis Dillingen. Die Zahl der Infizierten steigt nach wie vor täglich an. Maskenpflicht, Ausgangsbeschränkung, Alkoholverbot, geschlossene Schulen und Läden, keine Veranstaltungen – 2021 beginnt, wie 2020 aufgehört hat. Im Lockdown. Ab sofort sind auch die FFP-2-Masken vorgeschrieben. Alles ganz schlimm?

Manuel Knoll sagt: „Solange die Impfungen nicht durchgezogen sind, bleibt uns wohl nichts anderes übrig. Es ist leider nichts anderes möglich, wenn man Menschenleben retten will.“ Der 30-jährige Stadtrat aus Höchstädt sagt das mit voller Überzeugung. Auch, weil er Freunde hat, die in Frankreich leben. Und dort, so schildert es Knoll, gab und gibt es noch viel härtere Regeln. Er erzählt: „Gerade für Studenten oder junge Berufstätige, die oftmals in kleinen Wohnungen leben, war der erste Lockdown hart, weil man nicht wusste wie lange es gehen wird.“ Knoll hat drei Jahre in Frankreich gelebt und hat als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni Eichstätt bis Ende seines Sommersemesters den deutsch-französischen Studiengang betreut. Er pflegt seine Kontakte mit den französischen Freunden und verfolgt die Medien dort genau.

In New York sind aktuell 200 Schulen geschlossen, berichtet eine Dillingerin

Vor dem Lockdown, so schildert es der Höchstädter, haben viele seiner Freunde versucht, aus der Stadt aufs Land zu flüchten. Es sei bei den Franzosen nicht unüblich, dass die Familien Ferienhäuser haben. „Aber die, die nicht flüchten konnten, für die war es sehr hart“, sagt Knoll. Der Höhepunkt an Fallzahlen sei im November erreicht worden. Zeitgleich zu Deutschland wurde erneut ein harter Lockdown verhängt. „Sie dürfen nur mit Passagierschein raus. Das ist kein Vergleich zu uns“, sagt Manuel Knoll. Seine Freunde erzählen ihm gerade auch, dass der Anteil der Impfskeptiker in Frankreich sehr hoch sei und gleichzeitig die Sorge vor dem mutierten Virus wachse. Knoll: „Es gab schon Fälle. Sie haben ziemlich Angst.“

Angst machen auch die Zahlen, die täglich in Amerika publiziert werden. Weit mehr als 30.000 neue Covid-Fälle binnen weniger Tage allein in New York, knapp 300 Menschen sind gestorben. Janina Ozga lebt seit 14 Jahren in der Weltmetropole. Sie erzählt: „Grundsätzlich herrscht überall Maskenpflicht und die New Yorker halten sich auch sehr gut daran. In geschlossenen Räumen und in öffentlichen Verkehrsmitteln sowieso, aber auch im Freien, zum Beispiel einfach beim Gehen auf der Straße, joggen oder Fahrradfahren – die Maske wird eigentlich sobald man das Haus verlässt getragen.“ Sie selbst arbeitet zwei bis drei Mal in der Woche von Zuhause aus, die meisten ihrer amerikanischen Freunde sind seit März 2019 komplett im Homeoffice. „Die Schulen sind aber offen und werden nur bei Bedarf geschlossen. Von den 1700 öffentlichen Schulen in New York sind momentan 200 wegen Covid geschlossen“, erzählt Janina Ozga.

Momentan dürfen sich in der Stadt nicht mehr als zehn Personen treffen. Bandproben, Teamsport und Ähnliches sind aber in kleinen Gruppen im Freien immer noch möglich. Geschäfte, Kirchen, Fitnessstudios und Friseure haben mit Einschränkungen geöffnet. „Ganz positiv ist, dass die New Yorker nun gezwungenermaßen das Draußensitzen im Restaurant für sich entdeckt haben: Früher war das nur zwischen gefühlten 22 und 25 Grad Celsius möglich und heute sitzen wir bei jedem Wetter draußen und haben auch noch Spaß dabei.“

Janina Ozga

Richtig gut geht es auch Katharina Kraus, wie sie sagt. Trotz Corona. Die gebürtige Haunsheimerin lebt seit August 2019 in Sri Lanka. Nachdem sie ihren Bürojob in München gekündigt hatte, wollte sie eigentlich ein Jahr durch Südostasien reisen. Die Liebe funkte dazwischen und seither lebt sie auf dem Inselstaat im Indischen Ozean. Dort arbeitet Katharina Kraus als Yoga-Lehrerin und ist als gelernte Innenarchitektin und Designerin für mehrere Büros in Deutschland als Freelancerin tätig. Sie sagt: „Ich bin so dankbar, dass ich hier sein kann.“ Denn nachdem sie im Februar 2020 für einen Monat auf Heimatbesuch im Landkreis Dillingen war, durfte sie gerade noch rechtzeitig vor dem harten Lockdown in ihre Wahlheimat wieder einreisen. Seither sind die Grenzen dicht. Nachdem die erste Corona-Welle ausgebrochen sei, sei mit sofortiger Wirkung ein Inselweiter Lockdown verhängt worden. Teils bis zu fünf Tage am Stück durften die Menschen, auch Katharina Kraus, nicht vor die Tür. Nur für ein paar Stunden, um Lebensmittel und Co. zu besorgen. „So wurde das Virus hier relativ gut eingedämmt und es war schnell wieder alles beim Alten – bis auf die Maskenpflicht. Die gilt, sei Ausbruch der Pandemie, sobald man das Haus verlässt.“

Eine Haunsheimerin erlebt den Insel-Lockdown auf Sri Lanka

Doch die Zahlen sind auch in Sri Lanka wieder nach oben geschnellt. Unter anderem weil mehr als 55.000 Inselbewohner im Ausland waren – Gastarbeiter im Ausland, schildert Kraus. So habe es im Oktober einen „krassen Ausbruch“ gegeben. Mehr als 40000 Infizierte, rund 250 Todesfälle. Immer wieder sind seither einzelne Bezirke komplett im Lockdown, das inselweite Reisen ist stark eingeschränkt. Wer in ein Restaurant oder auch in einen Supermarkt will, der muss am Eingang Fieber messen lassen und seine Adresse angeben. „Ich persönlich lebe ganz im Süden der Insel, da gibt es kaum Fälle. Und ich nutze diese Zeit und muss ehrlich zugeben, dass sie viele positive Seiten für mich hat“, sagt die Haunsheimerin. Sei es, dass sie in Ruhe weitere Online-Fortbildungen absolvieren konnte oder den Strand für sich alleine hat. Und: „Das Meer war wohl schon lange nicht mehr so sauber wie jetzt.“ Einen Wermutstropfen gibt es aber: Besuche von oder bei der Familie gibt es nicht.

Mit ihrer Mama hat Katharina Kraus täglich Kontakt und die würde ihre Tochter bestärken. „In die Heimat fliegen macht derzeit keinen Sinn, zum Einen, weil ich das Risiko zum Schutz meiner Familie nicht auf mich nehmen will und zum Anderen, weil ich sonst nicht mehr nach Sri Lanka zurück kann. Und das ist nun mal momentan meine Wahlheimat.“

Katharina Kraus

Circa fünf Stunden mit dem Auto braucht Felix Wagner nach Hause nach Steinheim. Aktuell lebt der 21-Jährige in der tschechischen Hauptstadt Prag. Seit September verbringt er im Rahmen seines Jura-Studiums die Zeit im Ausland. Und das mitten in der Corona-Pandemie. Er erzählt: „Tschechien hatte die erste Welle recht gut im Griff, die Grenzen waren schnell geschlossen und es gab früh Maskenpflicht.“ Im Sommer sei alles wieder gelockert worden, sogar ein großes Fest wurde auf der berühmten Karlsbrücke gefeiert. „Es war also nur eine Frage der Zeit, bis ich mich infiziere“, sagt Felix Wagner. Und es ist passiert – obwohl er sich an alle Regeln gehalten hat. Er kann sich noch genau erinnern, wie es losging: leichte Grippesymptome und am nächsten Morgen verschwitzt aufgewacht. „Ich musste dann zehn Tage in Quarantäne und anders als in Deutschland aber keinen zweiten Test mehr machen. Es reicht, wenn man die letzten drei Tage in der Quarantäne kein Fieber mehr hat“, schildert es der Steinheimer. Ihm gehe es mittlerweile wieder gut, er habe keine Spätfolgen. So konnte er auch über Weihnachten auf Heimatbesuch nach Steinheim kommen – mit Test bei Einreise in Deutschland und zweitem Test bei Einreise nach Tschechien. Zwischenzeitlich wurde der Posten des Gesundheitsminister drei Mal neu besetzt.

Aktuell ist auch dort wieder ein Lockdown verhängt worden. Die Regelungen sind ähnlich wie in Deutschland, erzählt Wagner weiter. Ausgangsbeschränkung, Maskenpflicht, eine Kontaktperson und nur die notwendigsten Geschäfte sind geöffnet.

Weil das Coronavirus Menschen auf der ganzen Welt im Griff hat.

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