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Dillingen

27.02.2015

Von Rasenmähen bis Fensterputzen

Am 1. März feiert der Bürgerservice Bachtal seinen 5. Geburtstag (von links) Heinz Mack, Tobias Steinwinter, Ingrid Krämmel, Andrea Zink-Edelmann, Bernd Steiner, Otto Kurz und Andreas Raab.
Bild: Gaugenrieder

Seit fünf Jahren gibt es den Bürgerservice im Bachtal. Und die 36 Helfer haben gut zu tun. Vor allem in einem Bereich ist der Bedarf groß

Von Katharina Gaugenrieder

Syrgenstein Er hat den Rasen gemäht, war für ältere Menschen beim Einkaufen oder hat sie zum Arzt gefahren. Julian Bach ist einer von 36 Helfern, die dem Bürgerservice Bachtal Leben verleihen. Und mit 23 Jahren ist er der Jüngste unter ihnen. 2011 begann er sein Engagement. Aus zweierlei Gründen: „Ich habe versucht, mir nebenbei ein bisschen etwas zu verdienen. Und ich wollte etwas für ältere Menschen hier tun“, sagt der junge Mann.

Weil die Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Syrgenstein etwas für ältere Menschen tun wollten, gründeten sie 2010 den Bürgerservice Bachtal. Am 1. März feiert er seinen fünften Geburtstag. Koordiniert wird der Bürgerservice von Anfang an von Andrea Zink-Edelmann. Bei ihr melden sich die Senioren oder auch deren Angehörige, wenn sie einen Helfer benötigen, der im Winter den Schnee vor dem Haus wegschippt, die Fenster putzt oder auch einfach ab und an vorbeischaut, zu einem kleinen Schwätzchen oder einer Tasse Kaffee. Pflegerische Tätigkeiten, sagt Andrea Zink-Edelmann, vermittle man allerdings nicht. Wohl aber den Kontakt zu verschiedensten Institutionen. Sie hat Informationen zu betreuten Wohnanlagen, ambulanten Pflegediensten, dem Hausnotruf oder aber auch dem Essen auf Rädern, bildet sich regelmäßig zum Thema Pflege fort. Vorrangig, so der VG-Vorsitzende Bernd Steiner, sei es bei der Gründung des Bürgerservices im Jahr 2010 darum gegangen, älteren Mitbürgern zu ermöglichen, dass sie möglichst lang in den eigenen vier Wänden leben können. Denn bei einer Umfrage habe sich gezeigt, dass auch die jungen Leute bei der Wahl ihres Wohnortes darauf achten, ob man dort im Alter gut versorgt ist. Das Angebot im Bachtal sei aber nicht nur durch den Bürgerservice, sondern vor allem auch durch den Seniorenbeirat vielfältig.

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Etwa 30 Veranstaltungen stellt der im Jahr auf die Beine – vom Vortrag zur Hausübergabe über Radtouren bis hin zum Seniorentanz. Diese Veranstaltungen sind für Andrea Zink-Edelmann oft der Türöffner, um mit den älteren Menschen in Kontakt zu kommen. Denn immer noch hätten viele Hemmungen, sich an den Bürgerservice zu wenden. Wenn dann erst einmal der persönliche Kontakt geknüpft sei, falle das oft leichter.

Wichtig sei für die Senioren aber auch, dass die Helfer eine Aufwandsentschädigung bekommen. Für Besuchsdienste oder Fahrten zum Arzt sind das beispielsweise 10,50 Euro pro Stunde. „Dadurch fühlen sich die Menschen nicht als Bittsteller und die Helfer fühlen sich nicht ausgenutzt“, sagt Dr. Andreas Raab, der das Projekt als Stadtplaner mitbetreut. Auch er hält die gute Verknüpfung mit dem sehr aktiven Seniorenbeirat für absolut entscheidend. „Da wird den Leuten auch etwas angeboten.“ So seien einige dann auch bereit, wieder etwas zurückzugeben und sich selbst als Helfer zu engagieren. Denn viele der 36 Helfer sind selbst schon im Rentenalter. Gemeinsam sind sie derzeit in etwa 50 Haushalten im Einsatz. 2014 absolvierten sie insgesamt 683 Einsätze und 1511 Gesamtstunden. Gegenüber dem ersten Jahr hat sich die Zahl der Stunden damit mehr als vervierfacht. Besonders sprunghaft stieg zuletzt der Besuchsdienst an. 196 Stunden leisteten die Helfer da im Jahr 2013. Im vergangenen Jahr waren es 369 Stunden. Heute, wo sich auch auf dem Land die traditionellen Familienstrukturen auflösen, bedarf es auch hier manchmal professioneller Lösungen, um ältere Menschen aus ihrer Einsamkeit zu reißen, sagt Andreas Raab. Da ist es manchmal schon Gold wert, wenn sich jemand einfach Zeit nimmt und zuhört.

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