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Berufsschule Höchstädt

10.12.2019

Von der Gastronomie zur Grünen Schule

Gerhard Weiß aus Donauwörth leitet seit diesem Schuljahr die Höchstädter Berufsschule.
Bild: Homann

Plus Gerhard Weiß leitet seit diesem Jahr die Höchstädter Berufsschule. Über Pläne, neue Angebote und den Plätzchentest.

Wie ist das, wenn man als Erwachsener seinen Lehrern von damals wiederbegegnet? Gerhard Weiß kennt sich da aus – ihm ist das gleich zweimal passiert. Seit diesem Schuljahr leitet der Donauwörther die Berufsschule in Höchstädt.

Doch ursprünglich lernte der 59-Jährige Koch. Dafür zog er nach Pfronten und besuchte die Berufsschule in Bad Wörishofen. Nach der Ausbildung arbeitete Weiß noch einige Zeit im Ausbildungsbetrieb. Weitere Stationen seiner Karriere waren die Berufsoberschule in Nürnberg, das Studium in München und schließlich Rothenburg ob der Tauber. Da war Weiß schon Lehrer mit den Fachbereichen Nahrung und Sozialkunde und hatte sich in Franken verliebt. Die Begeisterung für den Nürnberger Fußballclub hat seitdem nicht nachgelassen. Im Gegenteil – inzwischen würden die drei Töchter, die früher mitgeschleift wurden, sogar gerne mitgehen, erzählt Weiß und lacht verschmitzt.

Doch dann ging es zurück nach Donauwörth – an Weiß’ alte Schule. „Ein Lehrer hat sich noch an meine Prüfung erinnert. Ich musste damals das Verb‚fallen‘konjugieren. Irgendwann hat er mir ein Taschentuch gereicht, weil mir die Schweißperlen auf der Stirn standen – ich habe mich auch an die Prüfung erinnert!“, erzählt Weiß gut gelaunt. 20 Jahre lehrte der Donauwörther in seiner Heimat. Dann ging es zurück, nach Bad Wörishofen.

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Ein skurriler Moment

Als Schulleiter landete der 59-Jährige wieder genau dort, wo er viele Jahre vorher selbst beschult worden war. „Das war vielleicht ein Hallo“, erinnert er sich. Wieder traf er auf die gleichen Lehrer, wieder lief er durch die gleichen Räume wie damals als Schüler. Das sei schon skurril gewesen. Der ehemalige Schulleiter von Bad Wörishofen hatte den Koch Weiß viele Jahre zuvor erst überhaupt dazu gebracht, selbst Lehrer zu werden. Sechseinhalb Jahre nach seiner erneuten Rückkehr nach Bad Wörishofen bewarb sich Weiß schließlich in Höchstädt, um näher an der Familie zu sein. Dass er eineinhalb Jahre später Schulleiter wurde, sei besonderes Glück gewesen. Auch wenn der Bereich Garten-/Landschaftsbau doch ein ganz anderer sei als Gastronomie.

Weiß unterrichtet selbst vier Stunden in der Woche. Sozialkunde und Ethik. Weil es ihm Spaß macht, aber auch, weil die Höchstädter Einrichtung unter einem enormen Lehrermangel leide. Von 1300 Schülern seien allein 750 vom Bereich Gartenbau und 70 vom Bereich Baumschule. Und es werden immer mehr. Doch es gebe eben nicht viele Lehrkräfte. „Aber wir sind die Gartenbauschule in Bayern und als Kompetenzzentrum anerkannt.“ Er erinnert an den Erfolg der beiden Gartenbauer bei der WM der Beruf in Russland (Wer baut weltweit den besten Vorgarten?). Eigene Schüler, und dann noch aus der Region, da könne man schon stolz drauf sein als Schule.

Es geht nicht um den Zustand der Schule, sondern vielmehr um ein Ziel

Doch genau die macht auch Probleme. Wie berichtet, müsste die Berufsschule dringend saniert werden. Sachaufwandsträger der Schule ist der Landkreis. Und dessen Haushalt wird gerade von anderen Sanierungsprojekten, etwa dem Dillinger Sailer-Gymnasium(Am Sailer-Gymnasium wird gefeiert - aus Erleichterung) , belastet. Also hat das Höchstädter Kollegium unter fachkundiger Anleitung ein Raumfunktionsbuch erstellt. So soll dokumentiert werden, was im Unterrichtsalltag gebraucht wird. Außerdem konnte so die Belegungszahl der Räume erhöht werden. „Teilweise braucht man jetzt statt bislang zwei Räumen nur noch einen“, erklärt Weiß.

Er wolle nicht über den Zustand jammern, sondern ein Ziel formulieren, das man gemeinsam erreichen will. „Ich sehe uns als Optimisten. Wir kriegen das hin, weil wir eine gut funktionierende Schulfamilie haben. Aber es wird Zeit, dass man mit der Kosmetik anfängt, damit man das, was wir als Schule haben, auch nach außen darstellen kann. Da gehört ein entsprechendes Schulhaus dazu.“ (Die grüne Schule in Höchstädt hat große Probleme) Eine bessere Vermarktung ist auch in einem anderen Bereich notwendig, meint der Schulleiter. Im Bereich Umweltschutztechnik schwächelt die Technikerschule, sagt er. Dabei sei Höchstädt die einzige in Bayern, die diesen Zweig anbietet. Dafür soll nun an benachbarten Schulen und bei Infoveranstaltungen im eigenen Haus geworben werden. Auch personell werde der Bereich aufgestockt. Doch Weiß fürchtet, solange der Druck auf umwelttechnische Änderungen in Deutschland nicht steige, werde der Zweig nicht stark besucht werden. „Es braucht Gesetze zum Umdenken.“

So können auch Förderschüler die Ausbildung machen

Auch die Bäckerlehrlinge werden nicht mehr mehr (Der Landkreis Dillingen hat jetzt 14 neue Bäcker). In diesem Bereich hat sich die Höchstädter Berufsschule nun etwas Neues einfallen lassen: Schüler mit einem besonderen Förderbedarf bekommen von eigens geschulten Fachkräften extra Unterricht. Weiß will Betriebe so dazu ermuntern, auch Förderschüler einzustellen. In einem Fall hätte sich das neue Angebot schon rentiert. Und im Bereich der Berufsfachschule Ernährung und Versorgung will Höchstädt inklusiv werden. Schließlich würden dort auch viele Schüler mit Migrationshintergrund unterrichtet.

Der Schulleiter selbst lernt übrigens auch. „Ich muss ja auch mehr in die Materie reinkommen“, meint er und lacht. So rückten die grünen Themen mehr in den Vordergrund. Sein erster Beruf spielt weniger eine Rolle. Gekocht werde nur noch am Wochenende, am liebsten die eigene Leibspeise Ossobuco mit Polenta. Das hatte Weiß einst im Urlaub in Italien gegessen. „Das war so gut – ganz Italien war in diesem Gericht. Das will ich eines Tages auch hinkriegen.“

Im Schulalltag in Höchstädt dreht es sich derzeit kulinarisch um die Plätzchen der Schüler. Es läuft ein Wettbewerb, und Weiß ist einer der Prüfer. „Ich habe ja auch ein gewisses Qualitätsverständnis durch meine Ausbildung. Ich merke auch, wenn was zu lange im Ofen war“, sagt Weiß und ist schon sehr gespannt, welche kleine Köstlichkeit sich in der nächsten Testschachtel verbirgt.

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