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Tag der Arbeit

30.04.2019

Was macht Sie glücklich im Job?

Am 1. Mai ist Tag der Arbeit. Wir haben mit vier Menschen aus dem Landkreis Dillingen gesprochen, die alle jeweils seit Jahrzehnten in ihren Betrieben arbeiten und dort wenn möglich bis zur Rente bleiben – weil sie dort mit ihrer Arbeit zufrieden sind.

Hans-Peter Heinle, Hubert Preiß, Michael Friegel und Johanna Öxler haben seit ihrer Ausbildung nie das Unternehmen gewechselt. Seit Jahrzehnten bleiben sie ihrem Arbeitgeber treu. Hier verraten Sie uns ihre Gründe.

Er hat beim Hausbau seines Sohnes viel mitgeholfen und die Enkelkinder freuen sich auch, dass der Opa jetzt mehr Zeit hat. Hans-Peter Heinle schmunzelt, als er das erzählt. Seit einem Jahr befindet sich der Haunsheimer in der passiven Phase seiner Altersteilzeit. „Aber so zwei, drei Mal habe ich meine Kollegen schon besucht und eine Brotzeit ausgegeben“, sagt er und lacht. Wen wundert’s: Hans-Peter Heinle hat am 2. September 1968 seine Ausbildung als Maschinenschlosser bei Ködel und Böhm in Lauingen gestartet. Bis zur Rente ist er der Traktorenfirma, die sich mittlerweile Same Deutz-Fahr Deutschland GmbH nennt, treu geblieben. 50 Jahre hat der Haunsheimer dort gearbeitet. „Und ich bereue es keinen Tag“, sagt er.

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Vor genau hundert Jahren wurde der Tag eingeführt

Am Mittwoch, 1. Mai, ist Feiertag. Vor genau hundert Jahren wurde dieser Tag zum internationalen Arbeiterschutz eingeführt. Ursprünglich ist der Tag der Arbeit als Kampftag für Arbeitnehmerrechte gedacht gewesen – begleitet von Demonstrationen. Die gibt es heute vereinzelt auch noch bei uns im Landkreis. Aber Menschen wie Hans-Peter Heinle, Johanna Öxler, Hubert Preiß und Michael Friegel nutzen diesen Tag vermutlich seit jeher schlicht als zusätzlichen freien Tag. Denn alle vier sind gerne in der Arbeit – vor allem in ihren jeweiligen Betrieben. Und das seit vielen Jahrzehnten am selben Standort. Warum?

Hans-Peter Heinle
Bild: Simone Bronnhuber

Hans-Peter Heinle sagt ganz pragmatisch: „Ich wohne immer schon in Haunsheim, und nach Lauingen war es nicht weit. Als junger Bub hatte ich ja kein Auto.“ Weil er von klein an auf einem Bauernhof im Dorf mithalf, dort früh Schlepper gefahren ist und so Kontakt zur Landwirtschaft hatte, war für ihn die Ausbildung in dem Lauinger Betrieb logisch.

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Der 65-Jährige ist ein Spezialist bei SDF

Bei der heutigen SDF-Gruppe wurde der 65-Jährige schnell ein Spezialist für Mähdrescher und damit ein wichtiger Baustein für alle Neuentwicklungen und Prototypen. Später war er eine Schlüsselfigur in der Versuchswerkstatt für Traktoren. Als Führungskraft mit Meisterposition hatte er teils bis zu 20 Mitarbeiter. „Als das Unternehmen vor einem Umbruch stand, habe ich einmal kurz überlegt, dass ich meine Fühler anderweitig ausstrecke. Aber ich bin geblieben. Die Arbeit war sehr abwechslungsreich und hat mir immer Spaß gemacht. 50 Jahre lang“, sagt er. Mittlerweile arbeitet auch einer seiner Söhne bei SDF.

Hubert Preiß
Bild: Jan Koenen/Stadt Dillingen

Ob Hubert Preiß die 50 Jahre auch vollmacht? Er ist auf jeden Fall der derzeit langjährigste Mitarbeiter der Stadt Dillingen – 46 Dienstjahre. 1973 begann er seine Ausbildung bei der Stadt. Nach der dreijährigen Lehre zum Verwaltungsangestellten schlug er die Beamtenlaufbahn ein. Nach beruflichen Stationen im Meldeamt, in der Kämmerei und langjährig in der Bauverwaltung ging es 2010 zur Liegenschaftsverwaltung. Hier kümmert sich Preiß seither federführend unter anderem um die Grundstücksgeschäfte der Stadt. Zudem wirkt der gebürtige Dillinger gemeinsam mit Kämmerer Michael Bregel als gleichberechtigter Vorstand im Kommunalunternehmen. Als Vorsitzender des Personalrats macht sich Preiß seit 1986 für die Belange der Belegschaft im Rathaus und in den Außenstellen stark.

Dieser Mann stand schon immer auf Zahlen - und hat ein irres Gedächtnis

Für Michael Friegel stand schon in seiner Schulzeit fest: „Ich will mich beruflich mit Zahlen beschäftigen.“ Deshalb habe er sich schnell für die Bankkaufmannslehre entschieden – bei der Raiffeisenbank Aschberg eG mit Sitz in Holzheim. Und dort arbeitet Friegel seit 40 Jahren und will dort auch bis zur Rente bleiben. „Ich kenne die Kontonummern meiner Kunden auswendig und meine Kunden kennen mich und vertrauen mir“, sagt er. Schon als junger Bankkaufmann hätten ihn alle zur Fernsehsendung „Wetten, dass …?“ anmelden wollen, weil er fast alle Bankleitzahlen auswendig wusste – deutschlandweit.

Michael Friegel
Bild: Geißler

Dass Michael Friegel bei der Bank in Holzheim gelandet ist, war auch kein Zufall. Er hat beim FC Weisingen Fußball gespielt und beim Verein waren zwei Raiffeisenbank-Mitglieder ebenfalls aktiv. „Außerdem wollte ich nie in einem großen Unternehmen arbeiten, wo man sich nicht kennt. Ich schätze das Vertrauen der Kunden und mag den Umgang mit meinen Kollegen. Man kennt sich und plaudert in den Mittagspausen auch Privates“, erzählt Friegel, der zwischenzeitlich von Holzheim nach Wörnitzstein bei Donauwörth gezogen ist, trotzdem den vertrauten Umgang im Landkreis schätzt – wie seine Bürgermeisterbrüder Klaus und Erhard. Michael Friegel war in seiner beruflichen Karriere unter anderem im Service, damals Schalter, und später in der Kundenberatung tätig. Seit vielen Jahren ist sein Steckenpferd die Vermögensberatung, der 57-Jährige leitet die Abteilung der Holzheimer Bank. „Den Gedanken, dass ich mal die Arbeitsstelle wechsle, den gab es nie.“

Gutes Essen, nette Kollegen - und Gratiswasser

Auch Johanna Öxler weiß, warum sie ihrem Betrieb ebenfalls seit 40 Jahren treu ist. „Es gibt mehrere Gründe: Mit dem Fahrrad bin ich in circa acht Minuten da, die Tätigkeit ist interessant, es ist ein gutes Arbeitsklima und ich habe nette Kollegen“, erzählt Öxler, die seit Beginn ihrer Ausbildung zur Bürokauffrau im Jahr 1978 bei der Höchstädter Firma Grünbeck Wasseraufbereitung GmbH tätig ist. Noch während ihrer Lehre ist sie zum damaligen Firmengründer Josef Grünbeck ins Sekretariat gekommen – sie war direkt für den mittlerweile verstorbenen FDP-Politiker tätig. Heute arbeitet sie als Referentin für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Marketing und Kommunikation. „Ende der 70er-Jahre war das Angebot an Ausbildungsplätzen nicht so groß. Viele meiner Schulfreundinnen sind daher auf eine weitergehende Schule gegangen. Ich hatte das Glück, bei Grünbeck einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Mir haben die Ausbildung und die Arbeit sehr gut gefallen“, erzählt die 55-jährige Deisenhofenerin. Bis heute und, so vermutet sie es selbst, bis zum Rentenbescheid.

Johanna Öxler
Bild: Grünbeck Wasseraufbereitung

Johanna Öxler begründet ihre Treue zu Grünbeck auch damit, dass sie dort einen sicheren Arbeitsplatz hat, es gibt gute und flexible Arbeitsbedingungen, Angebote zu Weiterbildung sowie einen menschlichen und fairen Umgang mit dem Arbeitgeber. Und gutes Essen und Gratiswasser gibt es auch.

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