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Lauingen

21.04.2019

Was man im Leben unbedingt tun sollte

Anneliese Grotz, die langjährige Heimbeiratsvorsitzende des Lauinger Seniorenheims, hat sich trotz ihrer schwierigen Lage den Lebensmut bewahrt.
Bild: Veh

Anneliese Grotz, langjährige Beiratsvorsitzende des Lauinger Seniorenheims, ist inzwischen ganz auf die Pflege durch andere angewiesen. Wie sie mit dieser Hilflosigkeit umgeht.

Sie war die „Mutter Courage“ des Lauinger Seniorenheims und dort langjährige Heimbeiratsvorsitzende: Für ihren Einsatz ist Anneliese Grotz mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem mit der Silberdistel der Augsburger Allgemeinen, dem Bürgerbrief der Stadt Lauingen und dem „Weißen Engel“ des Bayerischen Gesundheitsministeriums. Wenn es um die Interessen der Senioren ging, konnte Anneliese Grotz energisch sein. Dabei hat sie viel erreicht.

Wie geht es ihr im Pflegeheim Lauingen?

Im Lauinger Pflegeheim etablierte sie eine Cafeteria. Wiederholt hat sich die heute 95-Jährige mit einer überraschenden Forderung an den Bayerischen Landtag gewandt: Der Pflegeschlüssel in Senioreneinrichtungen sollte nicht weiter verbessert werden, denn sonst würden Heimplätze für noch mehr ältere Menschen unbezahlbar, argumentierte die Seniorin. Und als die damalige Justizministerin Beate Merk einmal wegen Krankheit einen Termin im Lauinger Pflegeheim absagte, aber am gleichen Tag in einer Live-Talkshow zu sehen war, bekundete Grotz öffentlich ihr Missfallen. Mit dem Ergebnis, dass Beate Merk wenig später ihren Besuch nachholte. Inzwischen ist Anneliese Grotz ans Bett gebunden, sie kann nicht mehr aufstehen. Wir sprachen mit ihr bei einem Besuch über ihre Situation.

Wie ist es überhaupt möglich, über den Tag zu kommen, wenn die Zeit kaum zu vergehen scheint?

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Anneliese Grotz: Mit Lesen, Schlafen, Beten, Grübeln und manchmal Fernsehen.

Ist da nicht jeder Tag eine quälende Ewigkeit?

Grotz: Nein! Gegen 7.30 Uhr ist Frühstück, danach lese ich Zeitung. Der Rest des Tages hat auch eine Struktur: lesen, gewaschen werden, Mittagessen, Nachmittagskaffee. Andere Bewohner kommen vorbei. Ab 19 Uhr etwa schlafe ich durch bis gegen 7 Uhr am Morgen.

Tauchen Sie in Erinnerungen ein, um den Tag vergehen zu lassen?

Grotz: Ja, ich grüble über mein Leben nach.

Überwiegt bei Ihnen die Dankbarkeit für ein erfülltes Leben – oder doch die Verbitterung, jetzt hilflos und von anderen abhängig zu sein?

Grotz: Nein, keine Verbitterung! Ich hatte eine gute Kindheit. Die von mir gemachten Fehler bereue ich, aber kann sie leider nicht mehr ändern.

Ist es schwer, die Hilfe anderer Menschen anzunehmen?

Grotz: Nein, aber teilweise finde ich es erniedrigend.

Wie empfinden Sie die Pflege im Lauinger Seniorenheim, in dem Sie sich lange als Heimbeiratsvorsitzende engagiert haben?

Grotz: 1994 bin ich in das Spital eingezogen. Und ich war jetzt 21 Jahre Heimbeiratsvorsitzende. Überwiegend bin ich mit dem Seniorenheim zufrieden. Wie in einer Ehe gibt es manchmal auch Probleme. Aber ich bin selbst ja auch keine einfache Person.

Wie denken Sie über Menschen, die in solch ausweglosen Situationen ihrem Leben durch Suizid selbst ein Ende setzen wollen?

Grotz: Dafür bin ich absolut nicht.

Soll das erlaubt sein?

Grotz: Nein!

Ist der christliche Glaube für Sie jetzt eine Lebenshilfe?

Grotz: Ja, er ist wichtig für mich. Ich bete täglich.

Glauben Sie an ein Weiterleben nach dem Tod?

Grotz: Ja!

Hoffen Sie auf ein baldiges Ende? Oder empfinden Sie Ihr Leben auch jetzt als kostbar?

Grotz: Nein – und ich empfinde auch mein Leben jetzt noch als kostbar. Angst vor dem Sterben habe ich aber.

Hadern Sie mit Dingen, die Sie in Ihrem Leben nicht getan haben, aber hätten tun sollen?

Grotz: Ja, bezüglich eines Verehrers, den ich ungerechterweise abblitzen ließ.

Und was sollte man im Leben unbedingt tun?

Grotz: Auf jeden Fall gut sein mit und zu anderen.

Was empfehlen Sie denn jungen Menschen, die ihr Leben noch vor sich haben?

Grotz: Niemals resignieren und immer weitermachen.

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