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Entwicklung

06.09.2017

Was sind uns Milchprodukte wert?

Die Kuh als Milcherzeuger steht im Mittelpunkt. Bei steigenden Milchpreisen und Molkereiprodukten ist sie für den Milchbauern betriebswirtschaftlich unersetzlich. Doch sobald die Erzeugerpreise fallen besteht die Möglichkeit, dass sie aus betriebswirtschaftlichen Gründen im Schlachthof landet.
Bild: Lienert

Der Preis für Molkereiprodukte ist gestiegen, und auch Erzeuger bekommen mehr Geld für die Milch. Der Hintergrund: Fett ist wieder im Trend

Butter, Käse, Joghurt, Sahne, Quark – Molkereiprodukte des täglichen Bedarfs. Deswegen merken es Verbraucher umso mehr, wenn sie teurer werden. Laut Bayerischem Landesamt für Statistik sind die Preise innerhalb eines Jahres um rund 60 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr gestiegen.

So mussten beispielsweise die Verbraucher im letzten Jahr für die günstigste 250-Gramm Markenbutter bei einem der führenden Discounter in Deutschland 0,79 Euro bezahlen. Seit Anfang der Woche sind für diese Butter 1,99 Euro fällig, berichtet Reinhard Stangl, zuständig für den Milcheinkauf bei der Bissinger Molkerei Gropper.

Laut Stangl profitieren auch die Milcherzeuger von den steigenden Preisen. Im Gegensatz zu Molkereien im Norden und Osten der Republik, wo im vergangenen Jahr teilweise nur noch 19 Cent für jedes Kilo konventionelle Milch bezahlt wurden, habe die Molkerei Gropper als unterste Preisgrenze noch 25 Cent pro Kilo bezahlt. „Zur Zeit erhalten die Milcherzeuger von uns zwischen 36 und 37 Cent pro Kilo. „Tendenz steigend“, sagt Stangl. Im Osten Deutschlands sei die 40-Cent-Marke vereinzelt schon überschritten worden. Für Bio-Milch habe sich der Preis bereits im letzten Jahr bei rund 50 Cent pro Kilo konsolidiert. „Der Bio-Milchmarkt wächst stetig“, sagt Stangl.

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Dass die Milchprodukte in den Regalen der Verbrauchermärkte einer solchen Preissteigerung unterliegen, sei der gestiegenen Nachfrage nach Fett geschuldet, weiß Reinhard Stang zu berichten. Durch das beinahe vollkommene Verschwinden von Light-Produkten in den Supermärkten und Discountern bevorzugten die Verbraucher wieder fettreiche Milchprodukte. Hintergrund dieser Entwicklung sei die Anti-Zucker-Kampagne, die den in Light-Produkten häufig enthaltenen Geschmacksträger als Gefahr für die Gesundheit einstuft.

Fett- und cholesterinhaltige Lebensmittel sind nach Aussage vieler Ernährungsexperten als Geschmacksträger in veredelten Milchprodukten dagegen wieder im Trend – und für die Gesundheit lange nicht so schädlich, wie die amerikanische Zucker-Lobby den Menschen seit über 40 Jahren weismachen wollte. Die Folge: Neben Butter sind auch bei anderen Molkereiprodukten die Preise zwischen 28 bis 58 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr angestiegen, berichtet die Agrarmarkt Information Gesellschaft AMI in ihrem neuesten Bericht zum Milchmarkt. Seit März zeigen die Produktionsmengen bei den wichtigen Exporteuren im Vorjahresvergleich wieder eine steigende Tendenz, weiß Stangl zu berichten.

Zuvor habe sich das Exportangebot am globalen Milchmarkt seit Mitte 2016 rückläufig entwickelt. Doch durch die zunehmende Fettnachfrage sei in allen bedeutenden Erzeugerregionen eine verstärkte Dynamik bei der Milchproduktion zu beobachten.

Ein weiterer Hinweis für den sich erholenden Milchmarkt sei der Rückgang an Kuhschlachtungen in Deutschland. Im ersten Halbjahr 2017 ist laut AMI die Zahl der Schlachtungen in Deutschland von Januar bis Juni 2017 insgesamt um 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen.

Diese Entwicklung bedeute auch, dass das sogenannte Sterben von Milchviehhöfen rückläufig ist. Dennoch warnt Reinhold Stangl vor Euphorie, denn unternehmerisch sei die Milchpreissituation für die Landwirte sehr unsicher. Wenn mit der Fettnachfrage wieder steigende Mengenentwicklungen einhergehen, könne der Markt schnell wieder gesättigt sein und der Milcherzeugerpreis erneut unter Druck geraten.

So wie beispielsweise bei Milch- und Molkepulver. „Hier sind die Preise sogar im Mittel zuletzt leicht unter die Interventionsverwertung von 1698 Euro pro Tonne gesunken“, sagt der Milcheinkäufer des Bissinger Molkereiunternehmens. Das lässt Stangl zufolge darauf schließen, dass die Nachfrage nach Milcheiweißprodukten stark nachgelassen hat.

„Für die Verbraucher sind die Preissteigerungen bei Molkereiprodukten nicht immer nachvollziehbar“, sagt Stangl, doch endlich sei der Erzeugerpreis für die Landwirte betriebswirtschaftlich vertretbar.

Albert Sporer, Milchvieh-Landwirt in Oberliezheim, begrüßt die Preisentwicklung für die Erzeuger und hofft, dass die Tendenz anhält. „Denn Lebensmittel müssen endlich ihrem Wert entsprechend bezahlt werden, denn sonst will sie keiner mehr herstellen.“

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