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Gundelfingen

07.03.2020

Was steckt hinter "Frauen begegnen Frauen" in Gundelfingen?

Mit der Initiative „Frauen begegnen Frauen“ engagieren sie sich seit einigen Jahren für den kulturellen Austausch und Gemeinschaft von Frauen in Gundelfingen und Umgebung: Barbara Lutzmann, Rajaa Nußbaum und Judith Bachter (von links).
Bild: Rogler

Plus „Frauen begegnen Frauen“ aus Gundelfingen bemühen sich seit 15 Jahren um den Austausch einheimischer und ausländischer Mitbürgerinnen. Worauf sie ihren Fokus richtet

Am Sonntag ist der Internationale Frauentag. Dieser Feiertag entstand vor dem Ersten Weltkrieg durch eine Initiative sozialistischer Organisationen, die sich für Gleichberechtigung, Frauenwahlrecht und Emanzipation der Arbeiterinnen einsetzte. 1911 wurde der Tag zum ersten Mal gefeiert, seit 1921 findet er immer am 8. März statt.

Eine Initiative für Frauen gibt es auch in Gundelfingen. Seit 15 Jahren finden im Rahmen von „Frauen begegnen Frauen“ Veranstaltungen verschiedenster Art statt. Hier liegt der Fokus aber auf kulturellem Austausch und Gemeinschaft. Seit einigen Jahren leitet das Dreigestirn Barbara Lutzmann, Rajaa Nußbaum und Judith Bachter die Geschicke der Initiative.

2005 lebten in Gundelfingen Menschen aus 39 Nationen

Lutzmann erinnert sich an die Umstände der Gründung im November 2005: „In Gundelfingen lebten damals Menschen aus 39 verschiedenen Nationen, besonders viele Türken und Vietnamesen. Es hatte den Anschein, als kämen die Frauen dieser Nationalitäten fast nicht aus ihrem Alltag heraus, außerdem wollten wir die Frauen ins Gundelfinger Stadtleben integrieren“, sagt die 69-jährige Gundelfingerin. Nur wie?

Was steckt hinter "Frauen begegnen Frauen" in Gundelfingen?

Es sollte erst einmal durch ein Element erreicht werden, das alle Kulturen verbindet – das Kochen. Seither finden in der Gundelfinger Mittelschule immer wieder Kochnachmittage statt, die vertretenen Nationen sind jeweils unterschiedlich. Zudem begannen zwei pensionierte Lehrerinnen, unter dem Titel „Mama lernt Deutsch“ als Volkshochschulkurs Deutschunterricht zu geben. Weiter ging es dann mit anderen Veranstaltungen und Festen. „Wir versuchen ein vielfältiges, auch kulturelles Programm anzubieten und damit möglichst viele Altersgruppen und Interessen anzusprechen, auch über Gundelfingen hinaus“, sagt Lutzmann.

Eigentlich haben alle die selben Probleme

Auch für Rajaa Nußbaum ist das sehr wichtig. Die 53-Jährige kommt ursprünglich aus der marokkanischen Hauptstadt Rabat und engagiert sich seit 2008 bei „Frauen begegnen Frauen“. „Durch meinen Mann bin ich damals nach Haunsheim gekommen. Das war anfangs schon ein wenig gewöhnungsbedürftig, man kann die Region um Haunsheim ja nicht mit einer Großstadt wie Rabat vergleichen, vor allem in Hinblick auf das kulturelle Angebot. Dann war ich bei einem ökumenischen Frauenfrühstück in Gundelfingen, wo ich Barbara kennengelernt habe. Da hat sie mich gleich auf die Initiative angesprochen.“ Und nicht lange danach holte Lutzmann sie ins Organisationsteam. „Man kann sagen, dass ich ihr den kleinen Finger gegeben habe, und sie hat gleich die ganze Hand genommen“, sagt Nußbaum und lacht.

Besonders begeistert sie die Weltoffenheit und Neugierde der teilnehmenden Frauen. Zudem könnten die Frauen im Rahmen dieser Veranstaltungen auch mal ihrem Alltag entfliehen. „Vor einiger Zeit kam eine Teilnehmerin zu mir und bedankte sich. Es sei toll, dass sie mit einer solchen Veranstaltung mal etwas für sich tun könne“, bestätigt Lutzmann. Auch seien die Frauen, die immer wieder bei „FbF“ teilnehmen, im Grunde gar nicht so unterschiedlich. „Sie haben im Grunde immer dieselben Probleme, wie Verständigungsschwierigkeiten Sorge um die Kinder oder wenig Zeit für sich selbst.“

Die Möglichkeit, andere Kulturen facettenreich kennenzulernen, fasziniert auch die Gundelfingerin Judith Bachter. Die 48-Jährige stieß zur Initiative dazu, weil eine Freundin zu einer Geburtstagsfeier hausgemachte thailändische Frühlingsrollen mitbrachte. Bachter war begeistert, die Freundin überredete sie, doch einfach mal mitzukommen. Seit 2010 gehört sie ebenfalls zum Organisationsteam. „Es ist toll, wie einfach man fremde Kulturen kennenlernen kann. Man hat gegenüber Fremden ja oft Vorbehalte, aber dann sieht man vieles anders.“

Keine muss in Gundelfingen auf etwas verzichten

Bei den Veranstaltungen wird laut den Frauen stets darauf geachtet, dass keine Interessierte auf etwas verzichten muss. Man halte die kostenpflichtigen Ausflüge und Aktionen so günstig wie möglich. Barbara Lutzmann betont, dass dabei auch die Volkshochschule in Gundelfingen eine große Hilfe sei. „Wir bekommen die Räume gestellt, wir bekommen finanzielle Förderung. Die Vhs hilft uns, wo sie nur kann.“

Dass die Initiative auf einem erfolgreichen Weg ist, zeigen die zahlreichen Fahrten und Erlebnisse, an die sich die drei Frauen erinnern. „Man sitzt im Zug oder im Bus, und dann fangen beispielsweise zwei Frauen an zu stricken. Und kurze Zeit später reden sie wie ein Buch. Herrlich, die teilen sich mit und lassen auch die anderen Frauen teilhaben, weil sie sich wohlfühlen“, sagt Lutzmann mit einem Lächeln. „Nach so einer Veranstaltung ist die Kommunikation wirklich super. Einkaufen ist da so ein Thema. Manche haben sich vom Sehen her gekannt, aber angeschwiegen. Später haben sich Frauen im Supermarkt getroffen und miteinander über die alltäglichsten Dinge geredet“, berichtet Bachter.

Zum Weltfrauentag haben die Frauen im Rahmen der Initiative am 14. März einen Ausflug zur Synagoge in Binswangen geplant, mit anschließender Einkehr bei der Molkerei Zott.

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