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Landkreis Dillingen

12.02.2020

Wenn der Gast reserviert, aber nicht kommt

Immer öfter kommt es vor, dass Gäste sich im Restaurant vorab einen Tisch reservieren und dann, wenn sie nicht können, nicht absagen. Das ärgert zahlreiche Gastronomen im Landkreis. Manche haben sich deswegen etwas einfallen lassen. „Wir haben ja die Telefonnummern der Gäste, die reservieren. Wenn die uns hängenlassen, rufe ich teilweise dort an und beschwere mich.“

Plus Manche Restaurants im Kreis Dillingen haben großen Ärger mit unzuverlässigen Menschen. Manche Gastronomen haben sich deswegen etwas einfallen lassen.

Eine breite Vielfalt von Restaurants und Gasthöfen gibt es im Landkreis. Manche Wirte werden öfter versetzt, andere weniger und manche gar nicht. Wir haben uns umgehört.

Dreimal pro Woche wird Alexander Schuster versetzt. Da haben zwar Menschen einen Tisch in seiner Wertinger Schmankerlstube reserviert, kommen aber nicht. „Manche sagen auch fünf Minuten vorher noch ab, aber das ist dann oft zu spät. Um die Uhrzeit kommt kurzfristig und spontan keiner mehr“, sagt Schuster. Bei größeren Festen bekommen die Auftraggeber ein Angebot. Darin steht, wird es angenommen und nicht eingehalten, kann das Restaurant den Ausfall in Rechnung stellen. Das schrecke viele Menschen ab. Sie rufen dann rechtzeitig an, wenn sich etwas ändert. „Kommt nur einer weniger, ist das in Ordnung. Kommen statt 30 nur 20 Leute, findet man auch noch einen Kompromiss“, sagt Schuster. Doch vor allem kleine Restaurants kämen mit wenigen Tischen gerade so über die Runden. Da schmerze eine nicht eingehaltene Reservierung besonders.

Wie sieht es in Lauingen, Dillingen und Staufen aus?

Etwa im Salzstadel in Lauingen. Cono Fusco ärgert sich, wenn Reservierungen nicht eingehalten werden. „Das kommt nicht oft vor, zum Glück. Wir haben nicht so viele Tische. Kommen die Gäste, die reserviert haben, nicht, bleiben sie einfach leer.“ In der Osteria zur goldenen Traube in Dillingen wird in der Regel frühzeitig abgesagt. „Das kommt ein, zwei Mal im Jahr vor, dass jemand nicht storniert, aber mehr nicht“, sagt Marco Costaldo.

Wenn der Gast reserviert, aber nicht kommt

Seine Kollegin Karin Krywald vom Gasthaus Schlössle in Staufen kann sich gar nicht beschweren. „Wir haben keine Probleme. Wer reserviert, der kommt. Ich bin wirklich froh, dass das so gut klappt.“ Auch ihr Kollege aus Gundelfingen, Gerd Bauer, ist zufrieden. „Wenn jemand unzuverlässig ist, dann sind das höchstens Franken“, sagt der gebürtige Franke am Telefon und lacht laut. Die Schwaben hätten ihn weder früher in der Camba-Brauerei in Gundelfingen sitzenlassen, noch jetzt im Biergarten Zum Schützen, den Bauer seit einigen Wochen betreibt.

Im Höchstädter Restaurant Poseidon bleibt Paris Antonoglou nur ganz selten auf reservierten, aber unbesetzten Tischen sitzen. „Vor Weihnachten hatte ein Pärchen reserviert und konnte dann doch nicht. Die beiden haben angerufen und Bescheid gegeben.“

Plötzlich meldete sich ein Hochzeitspaar in Bissingen nicht mehr

Auch im Dillinger Malzstadel seien die Gäste sehr zuverlässig. „Wenn sie die Reservierung nicht wahrnehmen können, rufen die meisten an und sagen Bescheid. Sie wissen, dass wir uns auch freuen, wenn große Gruppen rechtzeitig sagen, wenn weniger Leute kommen“, sagt Vanessa Ferner. Schade findet sie es, wenn Interessierte wegen bestehender Reservierung abgewiesen werden – und dann die erwarteten Gäste nicht kommen.

In der Bissinger Krone hätte 2019 eine Hochzeit stattfinden sollen – doch das Paar meldete sich plötzlich nicht mehr. „Vier Wochen vor dem Termin haben wir uns dann gedacht, das wird wohl nichts“, sagt Carina Hiltner. Ansonsten hätte sie lauter „liebe, brave Gäste“.

"Ich habe dem einen Riegel vorgeschoben", heißt es in Gundelfingen

Für andere Gastronomen ist das Problem groß. So groß, dass sie sich eine Lösung haben einfallen lassen. „Ich habe dem einen Riegel vorgeschoben“, sagt Jutta Delle vom Gundelfinger Restaurant Sonne mit Hotel und Metzgerei. „Weihnachten 2018 haben bei einer Feier bei uns plötzlich 60 Personen gefehlt, da bin ich fast ausgeflippt.“ Seit vergangenem Jahr nimmt Jutta Delle Reservierungen ab zehn Personen nur schriftlich entgegen und stellt bei Ausfällen 60 Prozent der Ausfälle in Rechnung. „Dann habe ich das Recht auf meiner Seite“, betont sie. Bei Anfragen für Zimmer seien Ausfälle ganz selten. Als im vergangenen Jahr ein Fleischversand übers Internet im Wert von 400 Euro nicht bezahlt wurde, griff die Familie auch da durch. „Man wird rigoros – hat aber damit auch mehr Arbeit“, sagt Jutta Delle. Die Leute würden immer unzuverlässiger und würden nicht erkennen, wie viel seitens eines Restaurants an einer Reservierung hängt.

Dem stimmt Sylvia Glass, die mit ihrem Mann den Lauinger Schlösslekeller betreibt, voll zu. „Nach Reservierungen von größeren Gruppen planen wir ja auch den Personaleinsatz und die Waren entsprechend ein. Wenn die Leute dann aber nicht kommen, stehen meine Mitarbeiter vom Service untätig herum, die Lebensmittel müssen zum Teil weggeschmissen werden – und auf den Kosten bleibt man sitzen.“ Daher sollte sich keiner wundern, wenn es immer weniger Lokale gibt. Als Gastronom habe man nur einen kleinen Spielraum bei den Kosten. „25 Euro für ein Schnitzel bezahlt ja keiner. Auch eine Bedienung würde gerne mehr verdienen.“

Jutta Delle sieht das auch so. Man müsse die Mitarbeiter anständig bezahlen, damit sie bleiben. Doch die Verbraucher, die es am liebsten hätten, „wenn das Rind stündlich gestreichelt würde“, seien nicht bereit, den Preis dafür zu bezahlen. Weil ihr Betrieb mit den Angus-Rindern eine Nische besetzte, können die Waren, ob in der Metzgerei oder im Restaurant, etwas teurer sein. „Nur von der Landwirtschaft könnte man nicht leben.“

Stell Dir vor, der Wirt ruft an...

Eine ganz andere Idee setzt Sandro Santamaria im Lanzino in Höchstädt um. Weil es immer öfter vorkomme, dass Gäste gar nicht oder zu spät absagen oder mit weit weniger Freunden kommen als abgemacht, greift der Wirt teils selbst zum Telefon. „Wir haben ja die Telefonnummern der Gäste, die reservieren. Wenn die uns hängenlassen, rufe ich teilweise dort an und beschwere mich. Das hat zwar zu einigen negativen Einträgen bei Google geführt, aber das nehme ich in Kauf.“

60 Plätze gibt es in der Höchstädter Pizzeria. Für einen Geburtstag waren davon kürzlich 35 reserviert – stattdessen kamen aber nur zwölf Leute. „Das war ärgerlich. Es war ein Samstagabend, ich hatte vielen anderen Gästen deswegen abgesagt. Den Umsatz, den man an so einem Abend verliert, den holt man nicht mehr rein.“ Bei einer Kommunion passiert ihm das nicht. Werden 40 Leute angemeldet, rechnet Santamaria auch 40 ab, selbst wenn weniger kommen. „Ich sage das vorher. Da gab’s noch nie ein Problem. Aber bei kleineren Gesellschaften oder Paaren geht das nicht. Ich hoffe, meine Rückrufe sorgen dann für ein schlechtes Gewissen. Und dass es diejenigen vielleicht nicht wieder machen, egal, bei welchem Restaurant. Sondern stattdessen rechtzeitig Bescheid geben.“

Lesen Sie dazu auch den Kommentar Liebe Gäste, was soll denn das?

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