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Lauingen

13.08.2015

Wenn die Dirigentin mit Tiernamen arbeitet

Mit Freude und großem Engagement spielen junge Buben und Mädchen sowie Menschen mit Handicap im Inklusionsorchester „Blas den Blues“ der Stadtkapelle Lauingen zusammen.

Das Orchester „Blas den Blues“ probt für den großen Auftritt

Lauingen Bereits beim Betreten des Vereinsheims der Stadtkapelle Lauingen sind Proben mit Blasmusikinstrumenten zu hören. Dies verwundert nicht, denn beim Besuch der Donau-Zeitung stehen die instrumentalen Übungen des Blasorchesters „Blas den Blues“ mit Dirigentin Ingrid Philipp auf dem Übungsplan.

Insgesamt 25 Musikerinnen und Musiker, davon neun mit Handicap, sitzen im Übungsraum und lauschen konzentriert den äußerst engagiert vorgetragenen Anweisungen der Dirigentin, um sie dann auch musikalisch umzusetzen. Dies gelingt nicht auf Anhieb, doch nach und nach bekommt das Orchester die Melodien in den Griff. Dabei muss Dirigentin Philipp so manch unübliche Handzeichen geben oder mit Bildern, Tiernamen und Sätzen arbeiten, damit die Musiker mit Handicap diese mit ihren Instrumenten umsetzen können.

Darüber hinaus helfen auch die anderen Musiker und Musikerinnen, in der Regel Buben und Mädchen, die ebenfalls noch Anfänger an ihren Instrumenten sind, den behinderten Orchestermitgliedern weiter. „Sie haben untereinander alle ein sehr gutes Verhältnis und helfen sich gegenseitig“, sagt Susanne Rottmüller, Erste Vorsitzende der Stadtkapelle Lauingen.

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Entstanden ist das Inklusionsprojekt zu Beginn des Jahres 2014 in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Dillingen“, führt die Vorsitzende weiter aus, wobei sie besonders auf das große Engagement von Ingrid Philipp verweist, die in ihrer Freizeit an der Musikakademie in Remscheid Kurse zum Thema „Wie werden Menschen mit Handicap musikalisch ausgebildet?“ belegt hatte. Finanziert werde das Projekt in den ersten drei Jahren von der „Aktion Mensch“ teilt Antonie Mayer, Leiterin des Lebenshilfebereichs „Offene Hilfen“ mit. Seit den Anfängen des Inklusions-Orchesters, welches das erste Projekt dieser Art in Bayern darstelle, wurde immer bei der Stadtkapelle Lauingen geprobt, erzählt Antonie Mayer weiter.

Einzig die Frage, wer ein Instrument spielen wolle, sei in den Räumen der Lebenshilfe gestellt worden, da es ihr für die Behindertenmusiker wichtig sei, sich in offenen Sozialräumen zu zeigen und aufzutreten. Dirigentin Ingrid Philipp berichtet in diesem Zusammenhang, dass manche Behinderte auch Noten lernen könnten, ansonsten müssten sie eben mit den bereits angesprochenen Hilfsmitteln unterrichtet werden. „Die Orchesterproben finden im Wechsel mit Einzel- und Gruppenunterricht einmal pro Woche statt“, sagt Dirigentin Philipp, wobei sie noch hinzufügt, dass bestimmte Dinge beim Lernen für Behinderte natürlich länger dauerten. Dabei sollte auch herausgefunden werden, was bei Menschen mit Handicap im Lernbereich alles möglich ist, nicht nur in der Musik, weshalb sie voll hinter dem Inklusionsgedanken stehe und dies fördere.

Der nächste große Auftritt des Inklusionsorchesters der Stadtkapelle Lauingen findet am 19. September unter dem Motto „Alles tanzt Hand in Hand“ statt. Die Schirmherrschaft für die Inklusionsveranstaltung hat Staatssekretär und Präsident des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes Franz Josef Pschierer übernommen.

Wer an dem Projekt Inklusionsorchester „Blas den Blues“ der Stadtkapelle Lauingen teilnehmen will oder sich dafür interessiert, meldet sich entweder direkt bei Dirigentin Ingrid Philipp oder bei Antonie Mayer von der Lebenshilfe Dillingen. Sie organisieren mögliche Fahrdienste oder andere wichtige Dinge, die für angehende Musiker mit Handicap notwendig sind.

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