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Ziertheim

27.10.2020

Wer verschandelt das Dattenhauser Ried?

Das Dattenhauser Ried ist besonders schützenswert. Das Niedermoor bindet viel Kohlenstoffdioxid. Doch erst diese Woche wurde wieder Müll abgelagert: Ein Spaziergänger hat Obstmaische entdeckt.
Bild: Steiner

Plus Einerseits gibt es viele gute Nachrichten aus dem Dattenhauser Ried: Der Kiebitz ist zurück. Für Ziegen und Wasserbüffel wäre auch Platz. Aber nicht für den „kleinen bayerischen Dreckbär“.

Urlaub daheim. Das biete das Dattenhauser Ried. Susanne Kling von Donautal-aktiv stellte die Fortschritte bei der Renaturierung der ehemaligen Moorlandschaft am Montag vor. Ihr gegenüber saß der Umweltausschuss des Landkreises Dillingen. Dem empfahl die Projektmanagerin: „Fahrt mal hin, egal, ob jetzt oder im Frühjahr, das ist ein echtes Pfund in eurer Heimat.“

Eingangs hatte Landrat Leo Schrell betont, welch hohen ökologischen Wert das Dattenhauser Ried für den Klimaschutz hat. Wenn es um die CO2-Bindung geht, gibt es fast nichts Besseres. Zwar seien die Kosten für zwei geplante Renaturierungen (veranschlagt waren rund 360.000 Euro insgesamt) gestiegen, doch den Bau von Vernässungseinrichtungen zahlt der Freistaat komplett. Der Zweckverband Dattenhauser Ried, zu dem neben dem Landkreis auch Bachhagel, Ziertheim und Syrgenstein gehören, trägt die für den Betrieb und Unterhalt erforderlichen Eigenkosten. Da sich einige Maßnahmen extrem verzögert haben, wurde nicht so viel Geld gebraucht wie gedacht. Seit 2017 bewegen sich die jährlichen Kosten grob bei 15.000 Euro. Geplant war weit mehr; knapp 98.000 Euro hat der Landkreis vom Zweckverband zurückbekommen.

Amphibien und Vögel im Dattenhauser Ried sollen gezählt werden

Das Projektmanagement liegt bei Donautal-aktiv. Anfang des Jahres hat der Verein den Zuschlag für das Projekt „Innovativer Klimaschutz in Bayern – Klimamoor Dattenhauser Ried“ bekommen.

In ihrem Vortrag vor dem Umweltausschuss erklärte Kling, dass sich die Bestände von Vögeln und Amphibien seit 2013 sehr positiv entwickelt hätten. Wie berichtet, ist auch der Kiebitz zurückgekehrt. Jährlich wird der ornithologische Bestand aufgenommen. Auch die Amphibien sollen regelmäßig gezählt werden. Weitere Aufgaben sind das Freihalten von Zu- und Ablaufgräben, Mahd-, Mulch- und Entbuschungsarbeiten. „Wir hoffen, dass der Grundwasserspiegel steigt und der Weidenwuchs abnimmt.“ Ob dabei nicht Ziegen und Schafe helfen könnten, erkundigte sich Dieter Leippert vom Bund Naturschutz. Bei der Vernässung wären Wasserbüffel die erste Wahl. Projektmanagerin Kling erklärte, drei Faktoren seien für sie beim Thema Beweidung ausschlaggebend. Mensch, Tier und Wirtschaftlichkeit, das alles müsse passen. „Wir suchen immer eine langfristige Lösung. Wasserbüffel etwa funktionieren nur, wenn man das nicht als Hobby betreibt.“ Ziegen hingegen würden Wasser nicht so mögen. Aber fände sich jemand, der sie in dem weitläufigen Gelände grasen lassen möchte, steht Donautal-aktiv dem offen gegenüber.

Das Dattenhauser Ried ist besonders schützenswert. Das Niedermoor bindet viel Kohlenstoffdioxid. Doch erst diese Woche wurde wieder Müll abgelagert: Ein Spaziergänger hat Obstmaische entdeckt.
Bild: Steiner

Kreisrat Franz Bürger (CSU) erkundigte sich, ob vorrangig bezahlte oder ehrenamtliche Kräfte im Dattenhauser Ried anpacken. Es sind laut Kling vor allem Landwirte, die sich engagieren. Freiwillige würden eher projektbezogen und einmalig helfen. „Es ist harte Arbeit.“ Bürger hatte gedacht, es fänden sich viele Freiwillige für Handarbeiten. „Der Bund Naturschutz erledigt viele Aufgaben des Staates und die Landwirte engagieren sich da draußen auch viel ehrenamtlich“, antwortete Leippert.

Schlachtabfälle landeten im Dattenhauser Ried

Elmar Greck merkte an, dass der Grundwasserspiegel im Landkreis „heftig“ sinke. Was im Ried gestaut werde, würde an anderer Stelle fehlen. Auch Donautal-aktiv hat beobachtet, dass die Zuflüsse weniger werden. Mit einer Spundwand aus Plastik soll das Wasser im Dattenhauser Ried gehalten werden. Ohne Wasser, das betonte die Referentin, geht das Moor und damit der Klimaschutz, den es bietet, verloren.

Weitere Projekte sind laut Kling eine eigene Internetseite für das Dattenhauser Ried und ein Flyer. „Außerdem werden wir die Beschilderung erneuern“, erklärte die Referentin. Die Corona-Pandemie und der Lockdown haben auch im Landkreis Dillingen dazu geführt, dass mehr Menschen Urlaub in der heimischen Natur verbracht haben. Das Ried sei ein Schmuckstück. Doch die Besucher müssten besser informiert und geleitet werden.

Ein Problem des gestiegenen Zustroms sprach Kreisrat Bernd Steiner (SPD) an. Alle Beteiligten würden sehr viel Geld für das Gelände investieren. Das werde leider nicht von allen Bürgern so gesehen. „Im August war auch der kleine bayerische Dreckbär da und hat Bauschutt und Schlachtabfälle abgelagert.“ Den Verursacher sollte man ermitteln und bestrafen, forderte Steiner. „Da muss ein Bußgeld her.“ Regierungsdirektorin Christa Marx erklärte, es werde jedem Bußgeld nachgegangen. Bislang sei der Jagdpächter des betroffenen Reviers noch nicht ermittelt. Da die VG Syrgenstein dem Landratsamt den Fall gemeldet hatte, ermittelt die Behörde, nicht die Polizei.

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