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Lauingen

04.07.2020

Wie Lauingen das Müllproblem angeht

„Schrott und Sperrmüll abladen verboten“, steht am Zaun geschrieben. Trotzdem kommen Szenen wie diese im Oberen Schanzweg öfter vor.
Bild: Elvira Bauer

Plus Immer wieder wird Unrat in Lauingen deponiert. Die Rede ist auch von einem Eimer voller Fäkalien. Nun soll sich etwas ändern – und Lauingen wird Heimat eines Pilotprojekts.

Diesmal war es anders. Am Dienstag war einer der Tage, an dem die Containerstation im Oberen Schanzweg in Lauingen nicht völlig vermüllt war. Doch Elvira Bauer hat Fotos dabei, die ein ganz anderes Bild zeigen: Teils hüfthoch liegt der Unrat in der Container-Einbuchtung, von Hausmüll über halb volle Farbeimer und alte Möbel bis hin zu einer Fritteuse und dem verrosteten Federgestell einer Matratze. Ihr Mann sagt: „Manchmal kommt mir das so vor, als ob die Leute nicht wissen, dass es Mülleimer gibt.“ Ein Unding sei das.

Überall lagern Unbekannte Müll ab

Das Ehepaar wohnt gleich in der Nähe, kommt mehrmals pro Woche an der Stelle vorbei. „In den letzten Monaten ist es deutlich schlimmer geworden. An einem Tag wird der Müll weggeräumt, am zweiten liegt neuer da“, erzählt Bauer. Und der Obere Schanzweg sei nicht der einzige betroffene Ort. „Das ist in der ganzen Stadt so.“ Das Paar nennt Beispiele: den „Herzplatz“ vor der Stadthalle, am Ufer des Auwaldsees oder den Containerplatz nahe dem Biergarten „Drei König“ an der Donau. Überall lagern Unbekannte immer wieder Müll ab.

Müllablagerungen in Dillingen an der Staustufe (links) und am Franzosenkreuz (rechts) hat Werner Büttner aus Dillingen Mitte Juni entdeckt.

Bei der Stadt hat man das Problem erkannt: Rätin Irmgard Daub ( SPD) brachte das Thema bereits bei der jüngsten Stadtratssitzung auf den Tisch (wir berichteten). Und Bürgermeisterin Katja Müller ( CSU) appelliert in einem Video, das sie kürzlich auf ihrer Website und auf Facebook geteilt hat, an die Bürger, Verunreinigungen zu unterlassen und Verstöße zu melden. In dem Video spricht sie auch von einem Eimer voll menschlichen Kots, der im Stadtgebiet gefunden wurde.

Der Unrat riecht unangenehm

Am Containerplatz im Oberen Schanzweg entflammt derweil ein hitziges Gespräch. Weitere Anwohner sind vor Ort, werfen Altglas in den grünen Container und schimpfen: „Da gehört eine Kamera hin, und wenn es nur eine Attrappe ist. Das schreckt die Leute schon ab“, ist da zu hören. Und: „Wir fahren unseren Müll doch auch auf den Recyclinghof.“ Der Unrat rieche nicht nur unangenehm, darunter befänden sich oft auch gefährliche Stoffe wie Farben und Putzmittel. „So nah an einem Spielplatz muss das doch nicht sein.“

Bei der Stadt ist seit 1. Juni das Ordnungsamt für die Probleme zuständig. Dessen Leiter, Markus Schirmer, appelliert ebenfalls an alle Bürger, wilde Müllablagerungen zu unterlassen. Auf Initiative des Abfall-Wirtschaft-Verbands Nordschwaben (AWV), der für die Containerplätze zuständig ist, hat die Stadt in den vergangenen Monaten Containerpaten gesucht – Bürger also, die ehrenamtlich einen Blick auf die Stationen werfen, Meldung machen, wenn irgendwo Müll rumliegt, und Täter aktiv ansprechen. Dafür erhalten sie wiederum eine Aufwandsentschädigung. Drei Paten sind bereits gefunden, demnächst sollen sie mit ihrer neuen Aufgabe beginnen. Das Konzept ist neu in Nordschwaben, erklärt AWV-Werksleiter Gerhard Wiedemann. Größere Städte wie Düsseldorf hätten damit bereits Erfolge erzielt, Lauingen wird diesbezüglich Heimat des Pilotprojekts im Gebiet des AWV.

Drei Trupps des Müllverbands sind täglich im Einsatz

Wie Wiedemann sagt, besteht das Problem der „wilden Müllablagerung“ aber nicht nur in Lauingen. An den 330 Containerstationen des AWV nehme die Verschmutzung schon seit ein paar Jahren zu. Deshalb sind drei Trupps täglich im Einsatz, fahren regelmäßig alle Stationen ab und nehmen den Müll mit. Pro Tonne und Station kostet das knapp 200 Euro, rechnet der Werksleiter vor. Besonders betroffen seien Containerstationen, die etwas abseits und „außerhalb der sozialen Kontrolle“ liegen.

Dabei fallen die Strafen für illegale Müllablagerungen nicht gerade niedrig aus. Wie die Leiterin der Umweltabteilung am Landratsamt, Christa Marx, erklärt, werde immer im Einzelfall entschieden, ob eine Verwarnung oder ein Bußgeld verhängt wird. „Verwarnungen sind aber eher selten“, sagt sie. Die Bußgelder wiederum reichen von 100 bis mehrere Tausend Euro, je nachdem, ob und wie gefährlich die Stoffe sind.

Müllablagerungen in Dillingen an der Staustufe (links) und am Franzosenkreuz (rechts) hat Werner Büttner aus Dillingen Mitte Juni entdeckt.

In Lauingen gingen im Juni drei bis vier Meldungen über Verunreinigungen ein, in der Lauingen-App beklagen Anwohner ebenfalls immer wieder die Situation. In einem Fall habe man schon einen kleinen Erfolg erzielt: In einem Sack lag Papier mit Personalien, daraufhin erstattete die Stadt Anzeige. Auch Ordnungsamtsleiter Schirmer ist der Auffassung, dass sich das Müllproblem jüngst verschärft hat. „Vielleicht ist das einfach ein Gesellschaftsproblem.“

Jetzt kommen Überwachungskameras an vermüllten Orten

Die Idee einer Überwachungskamera an besonders vermüllten Orten wird laut AWV-Werksleiter Wiedemann ebenfalls bald umgesetzt. In Höchstädt habe man damit bereits Erfolge erzielt, jetzt soll die Methode auch in Lauingen helfen. An welcher Station die Kamera aufgebaut wird, sagt Wiedemann aber nicht.

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