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Gundelfingen/Lauingen

10.11.2018

Wie einst Sankt Martin

Eugen Hander und seine Helena: Seit vielen Jahren ist das eingespielte Team für St.-Martins-Feiern „gebucht“. Ohne Gage mimt der Gundelfinger dann den Heiligen und reitet hoch zu Ross durch Lauingen und Gundelfingen.
Bild: Simone Bronnhuber

Eugen Hander und seine Schimmelstute Helena sind ein eingespieltes Team. Strahlende Kinderaugen sind für ihn das Schönste im Jahr.

Es ist ein eisigkalter Wintertag. Martin hat außer Waffen und einem einfachen Soldatenmantel nichts bei sich. Mit seinem Pferd reitet er an einem nackten Armen vorbei, der ihn um Hilfe bittet. Viele andere sind schon an dem Mann achtlos vorbeigezogen. Martin nicht. Er bleibt stehen, nimmt sein Schwert und teilt seinen Mantel. Manche lachen über den Anblick, andere bedauern, dass sie nicht doch auch geholfen haben. Die Geschichte des Heiligen Sankt Martin, an die jedes Jahr am 11. November erinnert wird, kennt jeder. Groß und klein.

Er kann den Text auswendig - und die Ausrüstung ist auch besonders

Eugen Hander auch. Vielleicht ein bisschen besser wie viele andere. „Ich kann den Text auswendig, den Martin kenne ich“, sagt er und lacht. Denn seit mehr als zwei Jahrzehnten schlüpft der Gundelfinger Unternehmer in die Rolle des Heiligen – und das gleich mehrmals im Jahr. Er wirkt mit einem seiner Schimmel bei den Martinsspielen und den Umzügen der Pfarrei Gundelfingen, des Montessori-Kinderhauses Gundelfingen, des St.-Martin-Kindergarten Gundelfingen und des Kulturmarktes Lauingen mit. Und das aus voller Überzeugung. „Teilen ist für mich nicht nur jedes Jahr ein Spiel, ich lebe das selbst“, sagt er. Deshalb will er auch keine Gage für seinen Heiligen-Einsatz. Ganz im Gegenteil. „Ich bekomme schon Gänsehaut, wenn ich nur an die großen, leuchtenden Augen der Kinder denke. Das ist das Schönste jedes Jahr“, sagt er und lächelt. Und für viele Buben und Mädchen, speziell in Gundelfingen, ist Eugen Hander das ganz Jahr über der Heilige. „Viele grüßen mich immer mit ‚Hallo Martin‘. Das freut mich ganz arg“, erzählt er.

Dieser St. Martin ist Perfektionist

Das mag vielleicht auch daran liegen, dass der 52-Jährige auch optisch Wert auf Genauigkeit legt. Vor vielen Jahren hat er sich eine schöne Rüstung mit Helm, Schwert, Mantel, Schuhen und Gürtel zugelegt. „Da bin ich perfektionistisch.“ Deshalb sei er trotz all der Martinserfahrung vor jedem Auftritt ein wenig aufgeregt. Er wolle es ja allen recht machen und den Kindern eine Freude bereiten. Und die lieben auch seine Pferde.

Helena ist anständig und macht alles mit

Vier Schimmel stehen bei Eugen Hander derzeit im Stall, seit vielen Jahren ist die Stute Helena seine treue Begleiterin für die Martinsumzüge. So auch dieses Mal. Die zwölfjährige Barber-Dame kennt die Abläufe, auf sie könne er sich immer verlassen. „Sie ist das perfekte Pferd. Da kann ich die Kinder nach den Umzügen auch mal draufsitzen lassen, meine Helena macht das alles mit. Sie ist einfach anständig“, so Hander. Und so reiten Helena und Eugen Hander auch die nächsten Tage durch Lauingen und Gundelfingen, teilen den Mantel und bereiten klein und groß eine Freude. Eben so, wie der Heilige Martin vor knapp 2000 Jahren. So oder so ähnlich.

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