1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Wildsau verirrte sich in Dillinger Läden: Sie suchte ihre Frischlinge

Dillingen

26.01.2018

Wildsau verirrte sich in Dillinger Läden: Sie suchte ihre Frischlinge

Hier rast die Wildsau durch die Marien-Apotheke – das Bild stammt von einer Überwachungskamera. Danach verirrte sich das Schwein in den C & A.
Bild: Marien-Apotheke Dillingen

Das Wildschwein, das am Donnerstag durch Dillingen gerannt ist, hatte Junge. Die sind etwa drei Wochen alt, vermutet ein Experte. Die Polizei erklärt, warum sie trotzdem schoss.

Noch keine 24 Stunden ist sie her – die Jagd nach dem Wildschwein durch die Dillinger Innenstadt. Doch Spuren davon gibt es keine mehr. Weder im Bekleidungsgeschäft C & A – das wieder geöffnet hat – noch in der Marien-Apotheke in der Rosenstraße.

Dort war die Wildsau zuerst hineingerast. "Die Schiebetür war auf, zum Lüften", erzählt Apotheker Stefan Dechet. Ein anderer Augenzeuge ließ vor Schreck ein Paket fallen. Weit kam das Schwein nicht: Es prallte in der Apotheke gegen eine Schiebetür und verletzte sich.

"Dann war kurz Ruhe, bis es sich aufgerappelt hat und direkt wieder hinauslief", sagt Dechet – der sofort die Polizei anrief. Sein Chef Alois Haggenmüller ist erleichtert, dass die Schiebetür noch am Donnerstagabend gerichtet – und niemand verletzt wurde. "Das war großes Glück. Nicht auszudenken, was alles hätte passieren können – man kann so ein Tier ja nicht einfach bremsen."

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Wildschwein löste selbst den Bewegungssensor aus

Bremsen konnte das Wildschwein auch die nächste Schiebetür nicht – die von C & A. Von der Pressestelle der Modehaus-Kette heißt es, das Schwein habe selbst den Bewegungssensor ausgelöst und sei so ins Innere gelangt. Klamotten, die verdreckt oder beschädigt wurden, werden abgeschrieben, also nicht mehr verkauft.

Wer dafür haftet, weiß das Unternehmen noch nicht. Der größere Schaden sei im Schaufensterbereich sowie am Teppich vor den Umkleiden entstanden – dort war das Tier letztendlich von Polizisten erschossen worden.

Es bleibt die Frage, was ein Wildschwein in der Innenstadt zu suchen hatte und woher es überhaupt kam. Das Tier war eine führende Bache, das heißt, es hatte Junge. Das sagt der Vorsitzende der Kreisjägervereinigung, Helmut Jaumann. Ihm haben wir ein Bild des toten Schweines gezeigt, das uns für eine Veröffentlichung zu blutig war.

Erlegte Wildsau war eine Bache mit ganz jungen Frischlingen

Darauf ist der Bauch des Tieres gut zu erkennen. "Das ist eine Bache mit ganz jungen Frischlingen", sagt er. Sechs Milchdrüsen sind zu sehen, eine weitere könnte unter dem rot-verklebten Fell versteckt sein – das bedeutet, die Sau hatte sechs oder sieben Frischlinge. Anhand der Zitzen kann Jaumann auch sagen, wie alt die Jungtiere sind: etwa drei Wochen. Ob sie ohne ihre Mutter überleben, ist nicht sicher.

 

Mit so kleinen Frischlingen war die Bache vermutlich nicht mit der Rotte unterwegs, schätzt Jaumann. Dadurch werde es schwieriger, dass die Rotte die Jungen aufnimmt. Wenn sie es tun, können die Frischlinge durchkommen, auch wenn sie keine Muttermilch mehr bekommen.

Jaumann geht es richtig nahe, darüber zu sprechen. Er sei entsetzt, erklärt er. Klar, Jäger schießen auf Wildschweine. Weil die Population gerade sehr hoch ist, erschießen sie sogar mehr als sonst. Aber so eine führende Bache dürfte ein Jäger überhaupt nicht schießen. "Das wäre eine Straftat", sagt Jaumann.

Vieles spricht dafür, dass das Wildschwein bei einer Drückjagd entwischte

Bei der Untersuchung hat die Polizei, abgesehen von den beiden Einschusslöchern durch die Polizeiwaffe, keine weiteren Spuren von Kugeln gefunden. Zuerst hatte der Verdacht bestanden, dass ein Jäger die Sau bereits angeschossen hätte. Denn es spricht einiges dafür, dass das Schwein bei einer Drückjagd auf Lauinger Fluren in Panik ausgerissen ist.

"Sicher nachvollziehen wird man das nicht können", sagt Jaumann, es könne auch etwas anderes dahinter stecken. "Aber es ist etwas ganz Schlimmes passiert", sagt er. Sonst hätte sich die Sau nie so weit vom Nachwuchs entfernt. "Die lassen sich lieber totschießen, bevor sie ihre Frischlinge im Stich lassen." Offenbar hat die Bache den Weg zurück nicht mehr gefunden und ist deshalb in die Stadt geraten. "Die hat ihren Lebensraum gesucht."

Ein Wildschwein ist am Donnerstag in den C & A in Dillingen gestürmt und wurde getötet.
Bild: Jakob Stadler

Ein Jäger hätte diese Sau niemals erschießen dürfen. Etwas anderes ist es bei der Polizei. "Es war das einzige Mittel, die Gefahr von der Öffentlichkeit abzuwenden“, heißt es von der Inspektion. Auf den ersten Artikel unserer Redaktion hin hatten sich einige Leser beschwert, dass das Schwein erschossen und nicht betäubt wurde.

"Es wäre zeitlich nicht möglich gewesen, einen Tierarzt mit Betäubungsgewehr zu holen", erklärt die Polizei. Es habe nicht einfach nur "Gefahr" bestanden. "Das war eine gegenwärtige, konkrete Gefahr." Das Schwein sei schließlich ein unberechenbares Wildtier.

Lesen Sie auch:

Zug kontra Wildschwein: Bahnstrecke gesperrt

Die Schonzeit für Wildschweine soll verkürzt werden  

Furcht vor der Afrikanischen Schweinepest  

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

27.01.2018

Nur ein Schwein kann wissen was ein anderes Schwein denkt.

Permalink
26.01.2018
Ja genau, die Polizei darf alles erschiessen, was sich bewegt. Wie armselig… .
Permalink
26.01.2018

Wäre Herr Mair in den Ladengeschäft gewesen, hätte er dem

Wildschwein sicher gut zugeredet und das dann beruhigte Tier

aufs freie Feld zurückgeleitet... :-)

Permalink
26.01.2018

Arme Sau "sie suchte ihre Frischlinge" - was für ein beschixxxxxx Leben.

Permalink
Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20158ND2XSDSC_0053(1).tif
Landkreis Dillingen

Plus „Auch im Kreis Dillingen ist die Natur nicht intakt“

ad__pluspaket@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live, aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Plus+ Paket ansehen