Dillingen

12.04.2016

Wo kam die Bombe her?

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In einem ehemaligen Schweinestall südlich von Dillingen hat Elmar Waltl diese Brandbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Inzwischen ist sie als Schrott auf dem Dillinger Recyclinghof gelandet.
Bild: Berthold Veh

Elmar Waltl hat seinen Fund in einem ehemaligen Schweinestall bei Dillingen inzwischen ausgegraben. Über die Herkunft gibt es verschiedene Versionen.

Eine Brandbombe aus dem Zweiten Weltkrieg hat vorige Woche für kurze Zeit die Polizei in Atem gehalten (wir berichteten). Elmar Waltl hatte am Donnerstagabend mit einem Kompressor und Bohrhammer den Betonboden im ehemaligen Schweinestall seiner Großeltern in der Nähe des Theresienhofs südlich von Dillingen herausgerissen. Dabei stieß der 43-Jährige auf ein Metallteil, das er zunächst für ein Rohr hielt. Das Ding entpuppte sich jedoch als größer, zudem roch es aus dem Boden. Waltl wurde mulmig zumute, er vermutete, es könne eine Bombe sein – und verständigte die Polizei. Am Freitag rückte das Sprengkommando aus München an, die Polizei sperrte für zwei Stunden die Staatsstraße zwischen Holzheim und Dillingen. Die Experten bestätigten Waltls Verdacht. Es handelte sich um eine 125 Kilo schwere Brandbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die aber zum Glück nicht mehr gefährlich war. Sie war ins Fundament des Schweinestalls einbetoniert worden. Aber wie kam die Bombe dorthin?

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Dillingens Stadtheimatpfleger Karl Baumann haben die Berichte über den Bombenfund elektrisiert. Der 80-Jährige hat das Buch „Dillingen a.d. Donau 1945“ geschrieben. Am 22. April 1945 marschierten die Amerikaner in Dillingen ein. Sie fanden die von den Nazis zur Sprengung hergerichtete Donaubrücke unzerstört vor. Einen Anteil an der friedlichen Einnahme hatte auch der damalige Oberbürgermeister Dr. Georg Hogen, über dessen Nazi-Vergangenheit jüngst heftig diskutiert worden war. Er übergab den Amerikanern die Kreisstadt kampflos. „Der ganze Nachschub der Amerikaner rollte über Dillingen“, weiß der Stadtheimatpfleger. Denn zwischen Ulm und Passau gab es sonst keine Donaubrücke mehr, die nicht zerstört war.

Baumann betont: „Dillingen wurde im Zweiten Weltkrieg nicht bombardiert.“ Er hat eine Vermutung, wie die Bombe zum Anwesen der Familie Waltl etwa zwei Kilometer südlich von Dillingen gekommen sein könnte. Nach dem Einmarsch der Amerikaner in Dillingen (22. April 1945) hätten die US-Soldaten vom Nordfelderhof aus eine deutsche JU 88 angeschossen. Vor dem Absturz im Flurteil Luixenhart habe sich die Besatzung noch zweier Bomben entledigen können, schreibt Baumann in seinem Buch. Der 80-Jährige nennt naben diesem Notabwurf auch eine zweite Möglichkeit, die ihm plausibel erscheint. Ein Pilot der Wehrmacht versuchte am 23. April 1945, wie der US-Soldat Leonard Sikorski in einem Brief berichtet, die Dillinger Donaubrücke zu bombardieren, „aber er verfehlte sie um mehrere Hundert Fuß mit seiner Bombenladung, die in das bewaldete Gebiet nahe der Brücke krachte.“ Um Schwimmbomben vor der Brücke abzufangen, spannten Techniker der US-Armee eine Art Netz über die Donau.

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Elmar Waltl hat eine andere These, die sich auf Erzählungen seiner Oma stützt. Als sie das Anwesen 1946 gekauft hatte, sei ein Loch in einer Wand des Gebäudes gewesen. „Das muss ein Bombeneinschlag gewesen sein“, sagt Waltl. Das Sprengkommando aus München habe ihm mitgeteilt, dass es sich um eine britische Phosphorbombe handle. Demnach wäre das Anwesen zwischen Dillingen und Holzheim doch bombardiert worden.

Waltl hat seinen Fund noch am Freitag ausgegraben. Der leidenschaftliche Sammler von Bierdeckeln (etwa 150), Biergläsern (700) und Bierkrügen (400) hat die Bombe aber nicht bei sich behalten. „Ich habe sie über Nacht im Hof liegen lassen, und in einem Umkreis von 20 Metern roch alles nach der Bombe“, teilt der Landratsamts-Mitarbeiter mit. Waltl gab deshalb seiner Sammler-Leidenschaft nicht nach. Der Finder hat die Bombe inzwischen auf dem Dillinger Recyclinghof entsorgt.

Karl Baumanns Buch „Dillingen a.d. Donau 1945“ hat die ISBN-Nummer 3-922979-60-2. Es wurde von der Stadt Dillingen herausgegeben und erschien 2006 bei der Universitätsdruckerei Dr. C. Wolf & Sohn in München.

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